Alain hob den Kopf, lächelte verführerisch und stöhnte leise auf. Sofort erhärtete er sich spürbar unter Victors Hand und seine Lider senkten sich.
Er legte sich zu ihm. Seine Hände streichelten unablässig über die dunkle Haut, zeichnete kleine Symbole auf seiner Brust und erneut erforschte er seine Mundhöhle mit seiner Zunge.

Victor rieb Alains Glied mit gleichmäßigen Bewegungen.....sein Daumen strich leicht über die Eichel. Er selbst hob sich dem Vampir entgegen, wollte noch mehr von den Berührungen des anderen, die sich so verdammt gut anfühlten.
Den Kuss hungrig erwidernd legte der Braunhaarige seine andere Hand auf Alains Hintern, knetet diesen leicht.

Alain brach den Kuss plötzlich. Er öffnete langsam die Augen und ein Schauer kroch sein Rückgrat hinab. Ruckartig setzte er sich auf und wandte den Kopf. Mit der linken Hand schob er den Vorhang zur Seite, der das Bett vor neugierigen Blicken und der kalten britischen Luft schützte.
„Rabea...“ wisperte Alain ungläubig.
Vor der Zimmertür stand eine hochgewachsene schlanke Frau. Sie hatte rabenschwarze Haare die in kunstvoll geflochten Zöpfen die wallende Pracht auf ihrem Rücken einrahmte. Sie trug einen wertvoll aussehenden Kopfschmuck, er war aus purem Gold und zierte ihr Haar und ihre Stirn. Setzte sich in Kontrast zu ihrer dunklen Haut und den dunklen Augen, die schwarz umrahmt waren.
Ein geheimnisvolles Lächeln lag auf ihren Lippen. Als sie näher trat, schien sie eher zu schweben als zu gehen. Ihrer ganzen Erscheinung haftete einfach nur Anmut an.
Wenn man Rabea betrachtete, konnte man sie einfach nur einer Pharaonin gleichsetzen.
Sie trug ein schwarzes Kleid aus Seide, das ihren schlanken Körperbau noch mehr betonte. Es war schlicht und trägerlos, aber es tat ihrer Ausstrahlung keinen Abbruch. Im Gegenteil, es ließ sie noch graziler wirken.
„Ich hatte gehofft dich wiederzutreffen, Francois.“ Lächelte sie Alain an und legte ihre Hand auf seine Wange.
Beide sahen sich in die Augen, als würde alles um sie herum gar nicht existieren, sie sahen nur sich.

Victor öffnete verwirrt die Augen, grade war es noch so schön erregend gewesen und plötzlich war der andere weg. Er setzte sich auf und griff dann nach der Decke, als er sah, das sie nicht mehr allein waren, zog sie über seinen Schoß. Mit schmalen Augen betrachtete der Braunhaarige die Frau, sie war eine Schönheit, das war eine Tatsache....und Alain kannte sie. Aber warum zum Teufel nannte sie ihn Francois? Und warum starrte er sie so völlig entrückt an? Und warum waren sie so vertraut?
Victor fühlte, wie das Blut in seiner Stirnader pochte. War das Eifersucht? Sicher war das Eifersucht....und das sollte er tunlichst ablegen. Also beschränkte er sich darauf, sich wieder hinzulegen und die Zimmerdecke anzustarren.....sprechen konnte er vor lauter Zorn und Enttäuschung so oder so nicht.

Alain schmiegte sich in ihre Hand und schloss kurz die Augen. Rabea lächelte und kam um das Bett herum, setzte sich zu Victor auf die Bettkante, betrachtete ihn.
Sie streckte ihre Hand aus um ihn zu berühren, strich mit den Fingerspitzen seine Wangenknochen nach. Sie waren wider erwarten ebenso kalt wie Alains. Sie war also auch ein Vampir...was sonst.
„Du bist schön..“ meinte sie andächtig.

Victor wandte den Blick von der Decke und sah Rabea erschrocken an....einen Moment nur, weil er mit dieser Aktion überhaupt nicht gerechnet hatte. Dann hatte er sich wieder in der Gewalt....ihre Fingerspitzen waren eiskalt und sie demzufolge ein Vampir....was ihn etwas zurückrutschen ließ. Abstand war immer besser und der Braunhaarige war sich nicht sicher, ob Alain oder Francois oder wie auch immer der Silberhaarige hieß einen Biss dieser Schönheit unterbinden würde.......Victor war sich überhaupt nicht mehr sicher und das machte ihn wütend.
„Danke...“ meinte er deswegen nur. „Ihr auch...“

Rabea lächelte ihn an, zog ihre Hand zurück.
Alain strich Victor beruhigend über die Schulter, sein Blick allerdings lag auf ihr. „Du bist schon da? Wie lange schon?“
Die Araberin erhob sich wieder und trat an den Kamin, die Hände vor ihren Körper haltend.
„Seit etwa einer Woche. Finian hatte mir eine Nachricht zukommen lassen, doch Dorian fing mich auf dem Flughafen ab...also ähnlich wie bei dir.“
„Nun, genauso wie bei mir...“ bemerkte Alain.
„Aber ich bin froh das du endlich da bist. Ich habe befürchtet du würdest nicht kommen.“ Damit wandte sie sich wieder um und betrachtete ihn.
„Wenn ich überhaupt gewusst hätte, das es eine solche Versammlung gibt, denn Dorian schien es nicht für nötig zu halten, mir eine Nachricht zukommen zu lassen.“

Victor warf Alain einen Blick zu, dessen Berührung beruhigte ihn nicht wirklich, er hörte hier Sachen, die er nicht einordnen konnte und vor allem interessierte es ihn brennend, warum diese Frau Francois zu Alain sagte. Aber der Braunhaarige war klug genug, im Moment seine Klappe zu halten....allerdings würde er es ganz sicher nicht vergessen.
Da er so oder so nicht beachtet wurde, entwand Victor sich Alains Berührung und zog die Beine an, stützte sein Kinn auf die Knie und sah zwischen den beiden Vampiren hin und her.

Alain erhob sich, schlang sich nur eine der dünnen Bettdecken um die Hüfte und trat auf die junge Frau zu
Rabea war etwa gleichgroß wie Alain und fuhr mit der Hand durch das schneeweiße Haar, legte den Kopf leicht schief.
„Wie lange ist es her, das wir uns gesehen haben? Hundert Jahre?“ fragte sie wehmütig.
„Hundert und fünfundzwanzig. Das letzte mal in Rom...“ Alain lächelte leicht.
Rabea lachte leise. „Ja, stimmt...Flavio...“ sie schmunzelte amüsiert.
Ihr Blick glitt kurz zu Victor.
„Das mit ihm....erklärst du mir später...“ es klang nicht wie eine Bitte. Sie küsste seine Wange und verließ das Zimmer ebenso leise wie sie gekommen war.
Alain seufzte leise.

Victor sah Rabea nicht gerade freundlich nach und dann Alain an. „Wie wäre es, wenn du mir vielleicht auch mal etwas erklären würdest, Francois?“ fragte er dann leise, aber bestimmt und man konnte seiner Stimme anhören, das er wütend war....aber auch verwirrt.
Der Braunhaarige wusste so langsam nicht mehr, was er denken sollte und die gut verdrängte Furcht vor diesem Gemäuer stellte sich langsam wieder ein.

Alain wandte sich um und sah Victor irritiert an. „Woher...?“ er hatte gar nicht mitbekommen das Rabea ihn so genannt hatte.
Sein Gesicht verschloss sich wieder und hinter seiner Stirn begann es zu arbeiten.
Er kam langsam wieder näher und setzte sich auf den Bettrand.
„Früher nannte man mich Francois. Madame Marceau hat mir diesen Namen gegeben.“

„Wie schön....und du hast beschlossen, das er dir nicht mehr gefällt und nennst dich jetzt Alain.“ Victor sah auf und versuchte den beißenden Spott in seiner Stimme etwas zu dämpfen. „Und wer zum Teufel ist Madame Marceau? Ich meine, ich bin ja einiges gewöhnt.....aber du hast mich doch von vorn bis hinten nur angelogen...“ sagte er dann.

„Meinst du?“ Alain starrte in die Flammen.
„Madame Marceau hat mich aufgezogen, nachdem meine Mutter mich ausgesetzt hat. Wenn du dich erinnern kannst, hab ich dir erzählt, das ich meine leibliche Mutter nicht kenne. Sie legte mich nach meiner Geburt auf der Treppe des Waisenhauses ab, wo mich Madame fand und aufzog.“
In Gedanken versunken saß er versteift auf der Bettkante und starrte weiter gebannt ins Feuer, das sich begierig durch das trockenen Holz fraß.
Victor hatte die Decke um sich geschlungen und sah Alain an. „Ja, das hast du mir erzählt...also das du deine Mutter nicht kennst. Und das dein Vater ein gefallener Engel war.“ Mein Gott wie hörte sich das an...er sprach über Dinge und nahm sie als selbstverständlich hin, von denen er bis vor kurzem noch gedacht hatte, sie würden nicht existieren.
„Aber....du erzählst mir nichts, gar nichts. Ich habe Angst vor diesem Haus und vor dem, was hier drin passieren wird.....es ist fast greifbar, diese komische Atmosphäre lässt mich frösteln. Und du....du passt dich ihr grade an......und ich weiß nicht mehr, was ich denken soll...“ kam es dann etwas kleinlauter.

„Er war kein gefallener Engel...zumindest glaube ich das nicht.“
Alain wandte sich wieder um, sah ihn an. „Was soll passieren? Diese Versammlung hat nichts, rein gar nichts mit dir zu tun, Victor. Das man sich Gedanken macht warum mich ein Mensch begleitet ist wohl normal. Und ich sagte bereits: Es wird dir nichts passieren! Jetzt wo Rabea hier ist, erst recht nicht, glaub mir.“ Versicherte er ihm.

„Das die Versammlung nichts mit mir zu tun hat, ist mir klar, Alain..“ sagte Victor trocken. „Ich bin hier immerhin nur dein Spielzeug.“ Der Braunhaarige sah den Silberhaarigen nachdenklich an, wie brachte er seine Gedanken nur rüber, ohne allzu viel von seinen Gefühlen preiszugeben? „Ich habe hier auch weniger Angst um mich.....wenn es passieren soll, passiert es und ich habe keine Möglichkeit, es zu verhindern. Damit habe ich mich schon abgefunden, als ich das erste Mal mit dir geschlafen habe. Was mir mehr Furcht bereitet ist, was mit dir passieren könnte.“

Alain zog seine Stirn in Falten. „Was soll mir geschehen?“
Er streckte eine Hand aus und tippte mit dem Zeigefinger gegen Victors Stirn. „Sag mir, was geht in deinem Kopf vor?“
Er konnte ihm nicht folgen, verstand seine Gedankengänge nicht. Was sollte ihm schon großartig passieren? Das einzige was geschehen konnte war, das Victor hinter all das kam, was vor langer Zeit passiert war. Zu verstehen begann, weshalb Victor für ihn so wichtig war. Das der andere sich schon gefährlich nahe an der Antwort befunden hatte, beunruhigte ihn zwar, aber er konnte sicher sein, das Victor nicht im mindesten die Ausmaße begreifen konnte, die die Wahrheit enthielt. Und er wusste, das Victor einfach die falschen Fragen stellte, und sich dadurch die Gefahr der Enthüllung seines Vorhabens verringerte.

Victor sah Alain lange an und schüttelte den Kopf. „Ich denke mal, das Vampire sehr wohl in der Lage sind, sich gegenseitig umzubringen.......aber nicht einmal das ist es. Du wirst hier mit Sachen konfrontiert, die lange zurückliegen.....und ich weiß nicht, ob mir gefällt......das du dich unter dem Einfluss zu verändern beginnst.“ Der Braunhaarige zog seine Decke bis zum Hals und überlegte. Er war nicht so dumm, wie Alain annahm......er wollte über einige Dinge einfach nicht weiter nachdenken, weil er sich vor der Antwort fürchtete.....davor, das auch seine letzte Hoffnung wie eine Seifenblase zerplatzen würde.
Alain lag nichts an ihm...das wusste Victor, aber er wollte es einfach nicht wahrhaben. Sein Meister....sein Schöpfer....sein Geliebter.....er war derjenige, an dem Alain noch immer etwas lag, den er immer noch liebte.

„Ich verändere mich? Victor wir sind erst seit ein oder zwei Stunden hier, wie soll ich mich da bereits verändert haben?“ fragte Alain nach. Er zog die Brauen zusammen und schüttelte den Kopf.
„Dieses Haus erinnert mich bereits an Dinge die sehr lange zurückliegen, und du wirst auf Personen treffen, die eng mit meinem Schicksal verwoben sind, aber das war zwangsläufig zu erwarten. Und das liegt nicht nur an dieser außerplanmäßigen Versammlung, das wäre bei Finian genauso gewesen...und spätestens in Frankreich...“ Alain brach ab und griff sich Hose und Hemd. „Ich werde erst einmal nach etwas Nahrung Ausschau halten.“

„Das langt schon...“ wiedersprach Victor trotzig, es war auch schwierig in Worten auszudrücken, was ihn bewegte. Die ganze Stimmung in dieser....Behausung, die anderen Vampire, das Gefühl, Dreck zu sein, zumindest für einige, das nagte an ihm und Alain passte sich da irgendwo an. Zudem hatte er wirklich keine Lust, mehr von der Vergangenheit des Vampirs zu erfahren, als er ohnehin schon vermutete. Warum nur hatte er in der Bar nicht seine Klappe halten können? Dann würde Victor immer noch hinter dem Tresen stehen, hätte eine süße Freundin und keine Sorgen und seinen Traum, nach Schottland zu kommen hätte er sich bestimmt auch noch erfüllt.
Nun war er hier, mit einem Vampir, in einem Haus voller anderer Vampire, fühlte sich wie auf einer Zeitbombe und wurde nicht einmal ernst genommen. Was für ein Leben.
„Was zu essen?“ Victor sah auf. „Für mich....oder für dich?“

„In erster Linie für mich. Aber wenn du Hunger hast, dann werde ich schauen, ob ich etwas finde. Kann ich dich allein lassen?“ fragte Alain nach, glättete seine Haare flüchtig.
„Verschließe am besten die Tür, wenn ich weg bin.“ Gab er ihm noch als hilfreichen Hinweis und kam wieder zu Bett, setzte sich zu ihm, beugte sich etwas vor.
„Tut mir leid, ich hätte dir das hier gern erspart...aber es steht nicht in meiner Macht...“

„Aha...“ sagte Victor und schüttelte dann den Kopf. „Nein, ich brauche nichts....höchstens vielleicht später was zu trinken. Ich glaube nicht, das ich hier mit großem Appetit essen kann.“ Er sah Alain an und zuckte die Schultern. „Sicher kannst du mich allein lassen, ich werde die Tür abschließen und lesen....und wenn ich ausgesaugt werde, vorher noch einmal kräftig schreien.“ Er lächelte sarkastisch. „Ist schon in Ordnung...wann hätte ich je wieder die Gelegenheit, in einer Burg voller Vampire zu nächtigen? Ich sehe es als Abenteuer.“

Alain wollte ihm übers Haar streicheln doch zog sie wieder zurück. Sein Gesicht verschloss sich aufs Neue. „Gut. Wenn du damit klarkommst.“ Meinte er kühl und erhob sich.
Schweigend verließ er das Zimmer und zog die Tür hinter sich ohne weiteres zu, entfernte sich.

Victor sah ihm unbeeindruckt nach. Als Alain die Türe geschlossen hatte, nahm er das Kissen, das im Bett lag und schmiss es wütend in Richtung Tür. „Du blöder...impertinenter Vampir...“ knurrte er. Was zum Teufel....der Vampir wusste doch, das er sich fürchtete.....und trotzdem ging er und Victor musste natürlich auch mal wieder den dicken Max markieren. Er hasste es, wenn Alain so kühl zu ihm war und es kotzte ihn einfach nur an.. Victor nahm sein Buch aus der Tasche, schmiss sich bäuchlings aufs Bett und begann zu lesen.......sollten ihm doch alle den Buckel runterrutschen.

In einer Nische verborgen beobachtete ein Mann, wie Alain das Zimmer verließ. War er also tatsächlich wieder da......Francois, der Liebling von Alain. Wie lange war das her, das er zum letzten mal hier gewesen war? Der Mann, dessen Name Balthasar war, strich sein langes, dunkles Haar zurück und setzte sich in Bewegung.
„Francois...“ sagte er leise, aber bestimmt. „Dich hätte ich hier nach all der Zeit wirklich nicht erwartet.“ Balthasar setzte ein Lächeln auf, das ebenso unverbindlich wie nichtssagend war. Auch er hatte Alain geliebt.....und es war ihm immer noch unverständlich, das dieser Francois bevorzugt hatte.

Alain wandte sich langsam um. Natürlich, das er daran nicht gedacht hatte...
„Balthasar, wie schön dich zu sehen.“ Er erwiderte das nichtssagende Lächeln ebenso, damit wandte er sich wieder seinem Weg zu. Etwas Blut zu bekommen...

„Ist das alles, was du zu sagen hast? Was machst du hier? Du hast dich all die Jahre nicht blicken lassen..“ Balthasar war wütend, er hasste es, wenn man ihn seiner Meinung nach zu wenig Beachtung schenkte und trat näher heran.

Alain seufzte leise. „Weil Dorian eine Versammlung einberufen hat?“ fragte er nach, lief aber dennoch weiter ohne auf Balthasar zu warten oder ihm irgendwie Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.

„Ach Quatsch....du bist doch nicht wegen der Versammlung hier. So etwas hat dich doch nie interessiert..“ Balthasar folgte Alain und grinste gehässig. „Man hört, du bist nicht alleine hier? Hast dir einen Menschen mitgebracht? Ausgerechnet du?“

Alain blieb stehen und wandte sich zu Balthasar um. „Was willst du von mir?“ fragte er nach und sah ihn eher gelangweilt an. Wozu sollte er auf seine Fragen antworten? Balthasar ging das alles nun am wenigstens an.

„Was ich von dir will?“ Balthasar trat zu Alain heran und sah ihn an. „Ich würde dich am liebsten auslöschen. Du bist schuld, das Alain mich hat fallen lassen, Francois...das verzeih ich dir nie. Ich hab ihn geliebt.....mehr als du es je getan hast. Und ich werde mich dafür an dir rächen....irgendwann, wenn du nicht mehr damit rechnest. Ich werde dir jemanden entreißen, der dir sehr viel bedeutet.......damit du meinen Schmerz einmal nachvollziehen kannst.“ Der Vampir hatte beinahe tonlos gesprochen, aber seine Augen funkelten vor Hass.

„Meinst du nicht, es war Alains Entscheidung?“ fragte Alain nach. „Und ob du mir verzeihst oder nicht, ist mir egal, denn ich habe nichts getan was du mir verzeihen müsstest. Wenn du denkst man kann Gefühle erzwingen, dann hast du die letzten 400 Jahre in der Mongolei verbracht.“

„Du hast ihn beeinflusst...“ sagte Balthasar ungerührt. „und was ich die letzten 400 Jahre gemacht oder nicht gemacht habe, geht dich einen Dreck an. Du wirst noch an mich denken.....ich werde es dir auf die gleiche Weise heimzahlen.....und noch ein bisschen mehr. Ich kann warten. .ich habe 400 Jahre gewartet, da kommt es auf ein wenig mehr nicht an.“

„So, wie denn? Indem ich mein Blut mit Opiaten versetzt habe? Balthasar sieh es ein. Er hat dich nicht geliebt, er hat dich nie geliebt...nicht so wie du es gern gewollt hättest. Deine Drohungen schrecken mich nicht, sie sind so leer wie deine Worte.“ Damit wandte sich Alain um und ließ Balthasar stehen. Was bildete der sich ein? Er gab es nur ungern vor sich selbst zu. Aber er hatte Angst. Angst um Victor. Denn er würde das gefundene Fressen für Balthasar darstellen, vor allem wenn er ihn sehen würde....

Balthasar sah ihm nach....Francois konnte reden was er wollte, er war von der Idee besessen, das dieser ihm Alain weggenommen hatte. Und vielleicht....wenn er schon einen Menschen mitgenommen hatte, vielleicht bedeutete ihm dieser ja auch etwas. Und das würde es für den rachsüchtigen Vampir um einiges leichter machen. Balthasar beschloss, sich diesen bei Gelegenheit einmal anzusehen. Sollte Francois ihn nicht zeigen wollen, gut. Dann würde er ihn eben aufsuchen...ganz unverbindlich, verstand sich.

Alain besorgte sich Blut. Er wusste das Dorian eine Art hauseigene ‚Bar’ besaß und daran labte er sich bis er vollkommen satt war.
Es war einige Zeit vergangen bevor sich Alai zurück zu seinem Zimmer begab. Er klopfte nicht an, runzelte aber verärgert die Stirn, als die Tür offen und nicht abgeschlossen war. Demnach warf er die Tür lautstark ins Schloß.

Victor hatte vergessen abzuschließen, er hatte einfach nicht mehr daran gedacht, weil seine Gedanken zwischen Wut und Enttäuschung hin und her hüpften und sich allein damit beschäftigten. Nach einer Weile lesen war er weggenickt....und jetzt schrak er hoch, als die Tür zugeschlagen wurde.
„Was?“ fragte Victor verwirrt und sah Alain an, der hereingekommen war. „Geht das nicht leiser?“ gähnte er, als er den Vampir erkannte.

Alain sah ihn wütend an. „Ich hatte dich gebeten die Tür abzuschließen, aber Herr Severin hat das ja nicht nötig, nicht wahr? Wir servieren uns noch auf dem Silbertablett! Du musst es nur sagen, dann bitte ich Ewen herzukommen und dich auszusaugen, das soll kein Problem darstellen.“

Victor starrte Alain sprachlos an, dann verzogen sich seine Augen zu Schlitzen. „Von mir aus....dann tu das doch, wenn dir danach ist...kann ich dich eh nicht daran hindern..“ fauchte er zurück. „Ich habs vergessen, entschuldige, großer Meister.....und dann bin ich eingeschlafen. Und was heißt uns? Wenn sich einer serviert, dann doch wohl ich.......und nicht du.“

Alain war mit wenigen Schritten bei Victor, holte aus und schlug ihm mit dem Handrücken der flachen Hand ins Gesicht. „Verdammt noch mal! Du sturer Bock, begreif doch in welcher Gefahr du schwebst!“
Seine blauen Augen flackerte gletscherblau und kalt. Zorn hatte sich seiner bemächtigt.

Victor war zu überrascht, um reagieren zu können, er hielt sich die Wange und sein Gesicht versteinerte sich. „Danke, das du mich darauf aufmerksam machst.....Francois..“ sagte er tonlos, seine Augen sprühten Funken und nur die Tatsache, das er gegen den Vampir so oder so keine Chance hatte hinderte ihn daran, auszurasten. „Ich glaube, du hast mich in die Lage gebracht....wenn ich mich recht entsinne. Vielleicht sollte ich einfach gehen....aus diesem Haus verschwinden. Ich glaube, da tu ich auch.“ Victor schlug die Decke zurück, erhob sich und zog sich wieder richtig an.

Alain ballte die Fäuste. Er griff nach Victors Schulter, seine Fingerkuppen drückten sich schmerzhaft tief in seine Haut, als er ihn zu sich herumzog.
Er starrte ihn an und seine Augen wurde zu schmalen Schlitzen. Er ließ ihn los. „Bitte...geh, verschwinde...aber merke dir eins: Wenn du jetzt gehst, gibt es kein zurück!“ er verschränkte die Arme vor der Brust und sah Victor abwartend an.

Victor verzog keine Miene, obwohl er Alain am liebsten eine geknallt hätte. „Das hab ich auch nicht erwartet, Alain.......du würdest mich ganz sicher nicht zurückholen, obwohl du doch derjenige warst, der die ganze Zeit von Eigentum gefaselt hast.“ Er sah den Vampirs emotionslos an.. „Seit du dieses Haus betreten hast, bist du völlig anders. Ich glaube, es war keine gute Idee, hierher zu kommen.......nicht für dich.“ Victor fuhr sich durch die Haare und er wusste, wenn er ging, Alain würde ihn ganz sicher nicht zurückhalten.

Alain betrachtete ihn und trat dann zur Seite, machte Victor den Weg frei. Wenn er gehen wollte, würde er ihn nicht hindern. Seine Seele gehörte ihm, egal ob er bei ihm war oder nicht. Er hatte ihn bereits gebissen. Victor würde spätestens nach seinem Tod zu einem Vampir werden, und er würde zu ihm zurückkehren, da war er sich sicher. Und wenn es aus Hass war, aber er würde zurückkommen. Und was war schon die Zeit eines Menschenlebens für einen Vampir!?

Victor setzte sich in Bewegung, sah über die Schulter nochmal zurück . „Du machst dir einen Scheißdreck aus mir....habe ich nicht recht? Es war alles nur deshalb, um einen Menschen wie mich davon zu überzeugen, das es Vampire gibt...nicht mehr und nicht weniger.“ Er straffte die Schultern und ging, öffnete die Tür und prallte mit jemandem zusammen, der davor stand und wohl gerade klopfen wollte.
Balthasar, er gerade eben klopfen wollte.....weil er neugierig auf Francois Menschen war, hielt inne und seine Augen weiteten sich ungläubig. „Alain?“ fragte er und wusste gleich darauf, wie unsinnig das war. „Ach deshalb hat er dich mitgenommen....dich erwählt. „ Der Vampir begann zu lachen. „Er sieht aus wie Alain......nicht wahr Francois? Er sieht aus wie deine große Liebe....“ bekräftigte er und seine Augen funkelten teuflisch.

Alain sah ihm nicht nach. Er blickte stur geradeaus. Wenn Victor tatsächlich glaubte, das alles nur getan zu haben, um ihn eines besseren zu belehren, dann hatte er sich wohl in ihm getäuscht.
Er versteifte sich unmerklich als er Balthasars Stimme vernahm. Er wandte den Kopf zur Tür.
„Welch gutes Erinnerungsvermögen du doch hast Balthasar.“ bemerkte Alain kühl.

Victor sah den anderen Vampir an, abschätzend......er war einfach zu wütend um Angst zu haben. Bei dessen Worten wurde die Wut allerdings noch größer...Enttäuschung mischte sich hinein. Jetzt ergab es einen Sinn.......alles ergab einen Sinn.
„Du hast mich also nur als billigen Ersatz genommen.....Francois...“ Victors Stimme war leise, schmeichelnd...und kalt wie Eis. „Und ich Idiot habe gedacht...na ja, egal. Ich hau einfach ab...“ Er wollte sich an dem anderen vorbeidrängen, der allerdings ging ihm nicht aus dem Weg. „Warum willst du denn gehen? Wenn du von ihm genug hast, kann ich dich ja unter meine Fittiche nehmen...“ schmeichelte Balthasar und sah Alain dabei an.

Alain wandte sich nun gänzlich um. „Lass ihn gehen Balthasar...er kann selbst entscheiden was er tun will, also versperr ihm nicht den Weg.“ Er wirkte unberührt und schon etwas gelangweilt.
Schließlich trat er zu den beiden und legte die Hand an die offenstehende Tür. „Könnt ihr euch bitte entscheiden, es zieht fürchterlich in diesen Gemäuern.“

Victor wandte sich, am liebsten hätte er Alain eine gescheuert. „Du bist so ein verdammtes, eiskaltes Arschloch..“ sagte er leise und seine Wut flaute ebenso schnell ab, wie sie aufgeflackert war. Es tat weh, aber das würde auch vorbei gehen. Er drängte sich an Balthasar vorbei, raus auf den Flur. Nur weg hier...weg und raus und am liebsten zurück zum Flughafen...zurück nach Hause. Was war er blöde gewesen.

Balthasar sah Alain an. “Und du lässt ihn einfach so gehen? Wo er doch so gut wie Alains Reinkarnation ist?“



Alain betrachtete Balthasar. „Wie will jemand wie du das verstehen, wenn du nicht einmal Liebe kennst...“ meinte der Vampir nur und schloss die Tür vor seiner Nase.

Der aufgelöste Victor dagegen lief direkt Rabea in die Arme. Sie spürte seine emotionale Achterbahnfahrt und hielt ihn sanft auf. Sie sah ihm in die Augen. „Was ist passiert?“ fragte sie sanft.

Victor schrak zusammen, er hatte Rabea nicht bemerkt und wich sofort einen Schritt zurück. Am liebsten hätte er sie angefahren, das sie das alles gar nichts anging und sie sich zum Teufel scheren sollte......aber er war zwar ein jähzorniger Mensch, aber kein Idiot...und er hatte Frauen gegenüber Respekt.
„Alain......Francois...wie auch immer, ist für mich Geschichte..“ sagte Victor leise. „Ich hab keinen Lust, nur geduldet zu werden, weil ich seiner großen Liebe ähnlich sehe.“

Balthasar grinste sich eines....Francois und seine Worte beeindruckten ihn nicht. Das dieser stehen gelassen wurde, machte ihm viel mehr Spaß. Der Vampir drehte sich um und ging zurück auf sein Zimmer.

Rabea streckte den Arm aus und strich Victor mit den Fingerspitzen über das Kinn. „Komm mit..“ forderte sie ihn lächelnd aus, ging voraus.

Victor wollte zuerst nicht, dann folgte er Rabea aber doch. „Könnt ihr veranlassen, das ich zurück zum Flughafen gebracht werde? Ich glaube., ich möchte wieder nach Hause“ sagte er leise, während er ihr folgte.

Rabea bot ihm einen Platz an, als sie in ihrem Zimmer angekommen waren. „Setz dich doch.“ Sie blieb stehen und verschränkte die Hände ineinander. „Abreisen, weshalb?“ sie nickte dennoch. „Wenn es dein Wunsch ist, werde ich alles veranlassen. Aber...sag mir doch bitte, weshalb du uns bereits verlassen willst?“

Victor sah sich im Zimmer der Vampirin um und setzte sich dann zögerlich. Sein Blick richtete sich auf die Frau und er stellte erneut fest, wie schön sie war.
„Ich will nach Hause....ich hab mir in Bezug auf Alain selbst etwas vorgemacht. Und nun grade bin ich ziemlich harsch darauf aufmerksam gemacht worden..“ meinte er dann leise. „Ich weiß nicht...ich hatte mich so sehr auf Schottland gefreut....und jetzt ist alles irgendwie Mist.“

Rabea betrachtete ihn einige Zeit, bevor sie etwas sagte. „Du hast es also erfahren...“ sie setzte sich ihm gegenüber. „Es stimmt du siehst aus wie Alain, aber deine Art entspricht ihm in keinster weise.“ Sie lächelte.
„Du bist wütend auf ihn...aber wenn du in Ruhe darüber nachdenkst, entspricht es wirklich dem was glaubst?“

„Es war nicht schwer zu erraten, nachdem dieser Balthasar gesagt habe, ich würde aussehen wie Alain..“ meinte Victor nur. „Und wie meine Art ist oder nicht, interessiert Alain.. eh Francois ganz sicher nicht.“ Er wandte Rabea den Blick zu. „Warum sollte ich nicht wütend sein? Ihm ist doch völlig egal ob ich da bin oder nicht. Ich habe nie an Vampire geglaubt...jetzt bin ich in Schottland, sitze in einem Haus, wo es von ihnen wimmelt, ich hab Angst und Alain lässt mich gehen. Ich soll drüber nachdenken? Über was soll ich nachdenken?“ Victors Stimme bebte vor unterdrücktem Zorn, wenn er an Alain dachte, sah er im Moment rot.

Rabea lächelte ihn immer noch an. Es hatte etwas mütterliches. „Das du ihm egal bist.“ Sie betrachtete ihn lange.
„Francois war einmal ein stürmischer junger Mann. Er tat was ihm einfiel ohne über seine Konsequenzen nachzudenken, er war impulsiv und jähzornig. Er hat sich sehr verändert, und lässt kaum noch Gefühle zu. Denkst du, er hätte dich mitgenommen, weil du ihm egal bist?“ fragte sie noch einmal nach.

Victor sah Rabea an und ein kleines Lächeln umspielte seine Mundwinkel. „Das klingt wie ich....Jähzorn ist eine Charakterschwäche von mir..“ murmelte er leise. „Ich weiß nicht, was ich denken soll....ich bin der Meinung, er hat mich mitgenommen....mich angesprochen, weil er in mir Alain sieht....und den hat er über alles geliebt. Was soll da für mich übrig sein?“ fragte er dann. „Es hat ihn nicht mal interessiert, ob ich gehe oder bleibe.“ Das Lächeln verschwand aus Victors Gesicht und machte einem verletzten Ausdruck Platz.

„Vielleicht hat er dich angesprochen weil du wie Alain aussiehst, aber du ähnelst ihm in keinster Weise.“ Rabea neigte den Kopf leicht zur Seite.
Sie beugte sich vor und legte ihre Hand auf Victors. „Ich frage dich noch einmal: Wenn du wirklich tief in dich hineinhörst; glaubst du wirklich was du da sagst?“
Sie schüttelte leicht mit dem Kopf. „Ich kenne Francois schon seit sehr langer Zeit, und eines weiß ich genau: Wenn du ihm egal wärst, hätte er dich schon längst getötet.“

„Wär ja auch noch schöner, ich bin ich und ich bin ein moderner Mensch. Kein verstaubtes Relikt aus einer längst vergangenen Zeit..“ murmelte Victor trotzig und war versucht, seine Hand einfach wegzuziehen. Aber die Frau ihm gegenüber war ein Vampir und das wäre vielleicht nicht die beste Idee des heutigen Tages....genauso wie die, einfach zu gehen. Klasse...welch sprudelnder Quell dummer Ideen war er den heute wieder?
„Ich weiß nicht....ich weiß, das ich ihn....liebe“ Victor wand sich beinahe, um das Wort aussprechen zu können. „Aber er.....er weiß es vielleicht, aber er erwidert es nicht.“ Das war seine Überzeugung und davon brachte ihn Rabea auch nicht ab. Nicht ohne Beweise.

Rabea lehnte sich wieder zurück, nahm ihre Hand von Victors. Sie betrachtete ihn, als würde sie ihre Worte besonders wählen.
„Dann werde ich dir den Weg zum Flughafen freigeben, aber vor morgen, wirst du keinen Flug bekommen. Bleib die Nacht hier, dir wird nichts passieren.
Dennoch...hüte dich vor Balthasar.“

„Aber...wo soll ich bleiben? Ich kann nicht zurück zu Alain. Ich krieche nicht zurück.“ Victor hatte auch seinen Stolz und auf den wissenden Blick des Vampirs konnte er gut verzichten. Das war etwas, was er sich jetzt nicht auch noch geben musste. „Und wie willst du mir dann garantieren, das mir nichts passiert? Wenn Ewen und Balthasar wollen, können sie mich ohne mit der Wimper zu zucken überwältigen und es wird keinen interessieren. Immerhin bin ich nur ein Spielzeug...“ brachte Victor dann vor und ahmte sehr genau den verächtlichen Tonfalls Dorians nach.

Rabea lächelte leicht. Es hatte nichts spöttisches, aber es wirkte dennoch lehrend.
„Du kannst hier bleiben. Sie werden dir kein Haar krümmen, das werden sie nicht wagen, beide nicht.“ versicherte sie ihm.
Sie erhob sich und trat an den Kamin, hielt eine ihrer Handfläche gegen die Flammen. Ihre natürliche bronzene Haut verlieh das Feuer einen intensiven Goldton, man meinte in ihren schwarzen Augen würden die Flammen züngeln.
„Alain war ein mächtiger angesehener Vampir. Da Francois sein Erbe ist, hat er seinen Stand erhalten. Er ist noch jung, aber seine Macht ist größer als die aller anderen. Deshalb fürchte Dorian ihn...und Balthasar ist er ebenfalls ein Dorn im Auge.“

„Balthasar...“ Victor war hin und hergerissen zwischen dem Drang, das Schloss und Schottland so schnell wie möglich zu verlassen und hier zu bleiben. Er hoffte ja immer noch, das Alain nach ihm sah, ihn holen kam...obwohl wahrscheinlich eher die Hölle zufrieren würde. Aber Victor war ja ein Optimist....und vor allem ein hoffnungsloser Idiot. Und er wusste auch nicht so recht, was er von Rabea halten sollte. Keiner würde ihn anrühren, na schön.....und wenn sie auf die Idee kam, ihn anzuknabbern? Immerhin mochte Alain sie ja gern.....ihr würde er so was wahrscheinlich verzeihen. „Er hat gemeint, ich könne mich ja ihm anschließen, wenn ich von Francois die Nase voll habe. Er scheint ihn nicht besonders zu mögen...“

„Balthasar war in Alain verliebt, und als dieser Francois wählte, ergriff der Gedanke von ihm Besitz, das Francois irgendetwas getan hatte, das Alain sich von ihm abwenden ließ. Diese Rachegelüste trägt er seit Jahrhunderten mit sich herum und irgendwann wird er Francois etwas antun.“
Rabea wandte sich halb zu Victor um.
„Das du nun hier bist, lässt einen bösen Plan in seinem Kopf heranreifen. Nicht nur um Francois’ Willen, sondern auch deinetwegen, bitte ich dich, halte dich von Balthasar fern.“

Victor zog die Nase kraus und seufzte leise. „Und da dachte ich, es interessiert sich mal jemand um meiner selbst Willen für mich.....dabei sehen in mir alle diesen Alain. Das ist auf Dauer ganz schön frustrierend.“ Er suchte Rabeas Blick und lächelte dann etwas schief. „Ich will hier weg....ich habe kein Interesse, mehr als 3 Worte mit diesem Balthasar zu wechseln und das Kontingent hat er bereits aufgebraucht.“

Rabea nickte ihm leicht zu, wie eine Art stiller Zustimmung.
„Morgen früh wird ein Wagen bereitstehen um dich zum Flughafen zu bringen.“
Sie betrachtete ihn.
„Hast du Hunger?“

„Hunger...“ Victor sprach das Wort aus, als höre er es zum ersten Mal und nickte dann. „Nur ein wenig...Alain wollte mir ja was zu essen besorgen, aber das schien er dann über seinem Ärger vergessen zu haben...“ setzte er nach. „Ich werde also morgen das Haus verlassen...und zurückfliegen. Und am besten, ich vergesse auch diesen Vampir und das ich ihn je getroffen habe.“

Rabea nickte.
„Das ist deine eigene Entscheidung.“ Sie lächelte ihm zu. „Dann werde ich dir jetzt etwas zu essen besorgen. Hast du einen bestimmten Wunsch?“
Sie verstand Victors Gefühle, aber sie kannte auch Francois gut genug um zu wissen, warum er so reagierte. Außerdem stand es ihr nicht zu sich bei den beiden einzumischen. Sie vermittelte so gut es ging und versuchte Francois Freund in Sicherheit zu bringen, das war das einzige was sie tun konnte, alles andere würde Francois sowieso nicht gutheißen.

„Ja ein wenig Verstand scheint noch übrig geblieben zu sein. Allerdings frage ich mich, warum ich eigentlich nicht schon vorher stopp gesagt habe, bevor ich in diese Lage gekommen bin.“ Victor lächelte freudlos und seufzte dann. „Essen ist egal, ich bin mit etwas Brot zufrieden.“ Er wandte den Kopf, um Rabea anzusehen. „Vielen Dank für deine Fürsorge und Freundlichkeit.“ Lächelte er dann und er meinte es ehrlich.

Rabea schüttelte nur den Kopf und lächelte, dann verließ sie das Zimmer um Victor etwas zu essen zu besorgen. Sie gab einem Diener den Auftrag ein ordentliches Abendbrot zusammenzustellen und zu ihrem Zimmer bringen zu lassen.
Kurz bevor die Sonne aufging und sich im Haus alle anderen zu Bett begeben würden, begleitete Rabea Victor zum Ausgang. Das Taxi stand bereit.
Sie legte ihm eine Hand auf den Unterarm. „Am Flughafen liegt ein Ticket für dich bereit, es wird dich zurück nach Frankfurt bringen.“

Victor hatte die Nacht kaum geschlafen, zuerst einmal wegen der Vampire im Haus, aber in erster Linie hatte er immer die heimliche Hoffung gehegt, das Alain ihn wieder zu sich holen würde. Aber er hatte sich ja denken können, das dieser sture Hund sich die Blöße sicher nicht geben würde.
Nun stand er am Ausgang und sah Rabea über die Schulter, seufzte leise und wandte ihr dann den Blick zu. „Vielen Dank für alles, Rabea und sag Alain Lebe wohl von mir... ne lass es lieber. Es wird ihn eh nicht interessiere.“ Victor reichte ihr die Hand und verabschiedete sich, stieg in das Taxi und ließ sich zum Flughafen fahren.

Rabea sah ihm nach und seufzte leise. Während sie zurück ins Haus ging, ließ Alain den schweren Vorhang zurückfallen, den er beiseite geschoben hatte um Victor zu beobachten.
Die Sonne kroch langsam aber unaufhörlich am Horizont hinauf, färbte ihn rot. Bevor jedoch die ersten Sonnenstrahlen seine Haut verbrennen konnten, zog er sich in das dunkle Zimmer zurück. Sein Herz war schwer, genau wie seine Glieder. Er musste endlich schlafen.

Victor sah nicht zurück, er hatte sich damit abgefunden, das sein Abenteuer in Schottland und seine Liaison mit dem Vampir beendet war. Er flog ohne Zögern zurück nach Frankfurt, nachdem Alain keinen Versuch gemacht hatte, ihn aufzuhalten.

Sieben Jahre waren mittlerweile vergangen. Victor hatte sich wieder heimisch eingerichtet, nachdem er lange vergeblich auf irgendwas von Alain gewartet hatte. Er hatte das Glück gehabt, wieder in seinem alten Job anfangen zu können und er hatte sich damit abgefunden, das es vorbei war.
Zwar bekam er jedes Jahr eine Flasche Bordeaux ohne einen Absender zu einen bestimmten Tag, der sich als Tag des kennenlernens zwischen Alain und Victor herausstellte, aber ansonsten kein Lebenszeichen. Und dazu hatte Victor mittlerweile auch keine Lust mehr. Er war wieder mit jemandem zusammen, einer Frau, die er in der Bar kennengelernt hatte. Die große Liebe war es nicht, aber Victor war zufrieden mit seinem Leben, es war eine Beständigkeit und Ruhe eingekehrt, die ihm nicht unrecht war.
Nur Nachts, wenn er allein in seinem Bett lag, gestattete sich Victor einen Gedanken an Alain, der ihm trotz der langen Zeit einfach nicht aus dem Kopf ging.