Alain sah ihm nach und verschwand, die Schatulle nahm er mit.
Es dauerte einige Zeit bevor er in Victors Zimmer auftauchte. Wie immer schoss er förmlich wie ein Pilz auf den Boden und man fragte sich ob er sich beamte oder vielleicht doch nur einfach durch Wände gehen konnte.
„Und?“ fragte er nach, kam näher und nahm im Sessel Platz.

„Meine Mutter freut sich, dich kennen zu lernen.“ Victor sah von seinem Buch auf, das er gerade las. Mittlerweile überraschte ihn Alain nicht mehr, er war ja schon früher gekommen und gegangen, wie er wollte und das völlig unvermittelt und unvorbereitet. Er erhob sich von dem Bett, auf dem er gelegen hatte und klappte das Buch zu. „Sehr viel mehr habe ich noch nicht gesagt, den Rest überlege ich mir, wenn wir sie besuchen.“

„Sie freut sich...und als was hast du mich vorgestellt?“ fragte Alain schmunzelnd nach, beobachtete ihn.
„Und wann gedenkst du, das wir sie besuchen?“

„Als meinen Freund.“ Sagte Victor und trat an Alains Sessel heran, legte die Hände auf die Sessellehne und beugte sich leicht nach vorne. „Und das kann man auslegen, wie man will.“ Er grinste breit und zuckte mit den Schultern.

Alain sah ihm in die Augen und lächelte leicht.
„Die Sache gefällt mir immer mehr. Aber du hast mir noch nicht meine Frage beantwortet.“
Er streckte die Arme aus, schlag sie um Victors Taille und zog ihn auf seinen Schoß, liebkoste streichelnd über den flachen Bauch und die breite Brust.

„Welche Frage?“ Victor unterdrückte den Drang zu schnurren und sah Alain an. „Die Frage, ob ich gewandelt werden möchte und das jetzt schon?“ Seine Finger suchten das Haar des Vampirs und fuhren sachte hindurch. „Ich bin schon sehr gespannt, was meine Mutter sagen wird.“

„Meine Frage, wann du gedenkst das wir sie besuchen.“ Meinte Alain und betrachtete Victor mit weichem Blick.
„Ich bin auch sehr gespannt...Warum meintest du eigentlich, das dein Bruder die Wahrheit glauben würde?“

„Im Laufe der nächsten Woche.“ Victor lehnte sich leicht gegen Alain und seine Finger strichen immer wieder durch dessen Haar und über dessen Nacken. „Mein Bruder steht auf das Mystische, ich denke mal, er wird begeistert von dir sein.“ Er lachte leise und sah Alain an. „Er hat sich von jeher für Vampire und so etwas interessiert.“

„Dann bin ich mal gespannt. Sieht er auch so gut aus wie du?“ Alains Augenbraue zuckte leicht nach oben.
„Dann sollte ich mich um ein paar Tickets kümmern, hm?“
Das erste Mal seit dreihundert Jahren begegnete er einem Ereignis, das ihm bislang unbekannt war und er verspürte so etwas wie Aufregung, fast Nervosität.

„Das wirst du sehen. Aber wehe, ich erwisch dich beim baggern.“ Victor sah Alain an und sein Blick ließ keinen Zweifel daran, was er denn dann machen würde. „Ich kann mich auch darum kümmern. Zudem fällt mir ein, ich muss noch meiner netten Nachbarin Bescheid geben, das ich zurückkomme und sie sich nicht mehr um die Blumen kümmern muss.“ Vic beugte sich vor und hauchte Alain einen Kuss auf den Mundwinkel. „Ich freu mich, schon allein, das meine Eltern dich endlich kennen lernen werden.“

„Dann muss ich mich ja benehmen, hm?“
Alain lachte leise über Victors Blick. „Wenn dein Bruder aber so gut aussieht wie du, kann ich für nichts garantieren. Das liegt in meinen Genen.“ Schnurrte er und kniff Victor in den Hintern.

„Ich kann dir dann auch gern mal zeigen, was in meinen Genen liegt.“ Victor zog seine Finger zurück und sah Alain mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ich bin verdammt eifersüchtig und ich lass mich ganz bestimmt nicht mehr so einfach abservieren wie damals bei Kevin.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Und außerdem seh ich besser aus als mein Bruder...der ist ja noch ein Küken.“

Alain lächelte amüsiert.
„Du schmeichelst mir. Aber ich werde mich selbst von dem überzeugen.“
Seine Fingerkuppen strichen das Brustbein entlang, den Hals hinauf und umschmeichelte sein Kinn.

„Schmeicheln wollte ich dir eigentlich nicht“ sagte Victor und schmunzelte. „ich wollte dir damit nur zu verstehen geben, das ich es nicht dulden werde, wenn du jemand anderen als mich in dein Bett holst. Nicht mehr.“ Er schwieg einen Moment und fuhr dann fort:
„Überzeug dich ruhig, du wirst mir zustimmen.“

„Nun, wer spricht vom Bett...es gibt so viele andere Orte und ein wenig fummeln...“ Alain ließ den Satz unbeendet, umrundete dafür mit seinem Zeigefinger eine von Victors Brustwarzen.
Er liebte es Victor aus der Reserve zu locken. Er ließ sich so leicht provozieren.

„Kein Park, kein anderer Kerl und kein Fummeln..“ Victor ging Alain natürlich auf den Leim, wie immer. Allerdings war er weit ruhiger als sonst. „Wenn du unbedingt fummeln musst, kannst du das bei mir tun. Ich hab sieben Jahre aufzuholen.“

„Das tu ich doch gerade.“ raunte Alain ihm ins Ohr, das er knabbern zu untersuchen begann. Seine Hände schienen überall zu sein, überall dort wo nackte Haut zu sehen war und die untersuchte er nur zu gern, vor allem intensiv.
„Außerdem bist du der einzige in diesem Chateau, der meinen Ansprüche genügt.“

Victor, der sich grade näher auf die Berührungen und das Gefummel einlassen wollte, rastete hörbar aus. „Ach...da hab ja noch mal Glück gehabt..“ sagte er und entzog sich Alain. „Das ich deinen Ansprüchen immer noch genüge.“ Seine Augen, mit denen er den Vampir betrachtete, schienen Funken zu sprühen. „Francois...ich bin nicht mehr bereit zu teilen. Das war ich nie, aber früher hatte ich nicht viel Möglichkeiten, etwas dagegen zu machen.“

„Und jetzt hast du sie?“ fragte Alain gegen, wieder sein überhebliches Grinsen auf den Lippen. Er stieg gern auf das Spiel ein, es machte ihm einfach zuviel Spaß.
Wahrscheinlich wusste Victor nicht mal wie sexy er war, wenn er sich aufregte...vor allem so halbnackt.

„Ja, jetzt habe ich sie. Ich werde einfach gehen, damit ich mir das nicht ansehen muss. Und wenn du denkst, das du das heimlich machen kannst, dann vergiss es. Ich krieg es raus und dann wirst du dir wünschen, das du mir nicht begegnet wärst.“ Victor Stimme war leise, aber sein Jähzorn brodelte bereits heftig unter der Oberfläche. „Entweder, oder...eine andere Möglichkeit lasse ich dir nicht.“

„Warum? Erfüllst du mir dann meine Bitte?“ fragte Alain und setzte sich bequemer hin, betrachtete Victor neugierig. Seine Mundwinkel zuckten, er musste sich wirklich zusammenreißen, nicht zu lachen.

„Ich werde nichts tun, was dir schadet. Ob du fremdfummelst oder nicht, spielt da für mich keine Rolle. Ich werde mir das nur nicht antun.“ Victor seufzte leise und sah Alain intensiv an. „Ist das eigentlich so schwer zu verstehen, das ich dich für mich allein haben will? Du weißt, wie es in mir aussieht.“

„Ja, das weiß ich.“
Alain lachte leise.
„Mmh, Victor, weißt du eigentlich wie sexy du bist, wenn du dich aufregst?“
Er leckte sich die Lippen und blitzte ihn an. Er sah ihn förmlich verschlingend an und lachte erneut, als er Victors Gesichtsausdruck sah.

Victor schob seine Unterlippe nach unten so wie früher, wenn er von Alain mal wieder kaltlächelnd verarscht wurde. „Du bist so was von bescheuert..“ presste er heraus und musste dann doch grinsen. „Auch das Kompliment kann das nicht beschönigen.“ Er beugte sich vor und küsste den Vampir flüchtig auf die Lippen. „Aber freut mich, das ich dir noch gefalle.“

Alain legte Victor die Hände auf seine Hüfte und zog ihn noch etwas dichter an sich, fuhr den Knochen nach bis er auf dessen Hintern angelangt war. Er schnurrte leise und leckte sich die Lippen.
„Die Verführung pur...“ wisperte er.
Ein wenig Honig ums Maul schmieren würde Victor gut tun, und Alain konnte seinen nächsten Angriff starten, wenn der andere es nicht vermutete.
Man sagte ja, geben und nehmen.

„Ja,ja...“ Victor winkte ab und fuhr dann mit den Fingerspitzen Alains Gesichtskonturen nach. „Du schmeichelst mir doch nicht umsonst, mon ange noir. Das hast du noch nie.“ Er lächelte leicht. „Ich hab auch einiges dazu gelernt. Was hast du vor?“

Alain lachte.
„Ich?“ fragte er wie die Unschuld in Person. „Gar nichts. Das du mir so etwas unterstellst.“
Er zog ihn erneut auf seinen Schoss, eine Hand in seinem Rücken und eine Hand in seinem Nacken, das er dort blieb wo er war, nämlich bei und auf ihm. Ohne weiteres legte er seine Lippe auf die von Victor und küsste ihn feurig.

„Ich kenn dich doch“ murmelte Victor und schwieg dann, weil er im wahrsten Sinne den Mund voll hatte. Seine Finger vergruben sich in Alains Haar und er küsste den Vampir ebenso feurig. „Hm...“ murmelte er leise an dessen Lippen, als sie den Kuss brachen. „Ich hab das vermisst.“ Gab Victor dann unumwunden zu.

Alain schnurrte nur leise als Zustimmung, wenn er etwas sagen würde, wäre das nur wieder ein Grund für Victor auszuflippen.
Alain erhob sich, Victor im Arm und legte die kurze Wegstrecke zum Bett zurück, sanft bettete er Victor auf den Rücken und verschloss seine Lippen erneut.

Victor wäre wahrscheinlich wirklich ausgeflippt, wenn Alain irgendwas dagegen gesagt hätte. Er räkelte sich unter dem Vampir und legte beide Hände in dessen Nacken, um ihn bei sich zu behalten, während er den Kuss erwiderte. Als sie sich voneinander lösten, sah Vic Alain nur an und zog sich etwas zurück, so weit es ging eben, um sich sein Hemd auszuziehen. Keinen Augeblick ließ er ihn aus den Augen, ließ das Kleidungsstück achtlos auf den Boden fallen. Seine Hände schoben sich nun langsam unter Alains Oberteil, versuchten auch ihn von dem Teil zu befreien.
Alain grinste wild und ließ sich gern entkleiden, half ihm dabei. Seine Haut war warm, nicht so kalt wie sonst. Er war gesättigt und deshalb erweckte er den Eindruck, als wäre es ein lebender Körper den Victor spürte.
Mit Sicherheit hatte er keine Ahnung auf was er sich einließ, wenn er sich verwandeln würde, was so oder so geschehen würde, aber darüber wollte Alain nicht nachdenken.
Er verschloss erneut seine Lippen und genoss für den Moment nur das sie beide beieinander lagen.

Victor hatte auch sicher keine Lust, jetzt über so etwas nachzudenken. Das Ziel, das er in den ganzen sieben Jahren nie vollkommen aus den Augen verloren hatte, lag vor ihm, oder besser gesagt halb auf ihm.
Vic kraulte sich durch Alains Haar und über dessen Rücken, seine Haut war warm, allerdings dachte er auch darüber nicht weiter nach. Es war einfach nur schön, so beieinander zu sein und Victor war sich nun voll bewusst, das er wirklich nie den Hauch einer Chance gehabt hatte, Alain aus seinem Leben zu streichen. „Warum...wolltest du mich noch mal sehen?“ fragte er leise.

Alain legte seinen Kopf auf Victors Brust ab und schloss die Augen, ließ sich durch das Haar kraulen.
„Warum nicht?“ fragte er leise gegen. Seine Hand ruhte auf Victors Brust, setzte sich in der Dunkelheit noch stärker von der dunklen Haut ab. Fast schien es, wenn man das erste Mal hinsah, als würde ein weißer Schein um Alain leuchten, wie eine Art Aura.
Er spürte unter seiner Hand das kräftige Herz von Victor und bedauerte es, das es bald schon würde aufhören zu schlagen, denn er wusste wie er sich entscheiden würde.

„Ich wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn du nicht jede Frage mit einer Gegenfrage beantworten würdest.“ Victor kraulte sanft Alains Nacken und seufzte leise. „Du wolltest mich schützen und hast dich deshalb nicht gemeldet. Jetzt möchtest du, das ich dein Chateau übernehme und du wolltest mich sehen. Und das muss doch einen Grund gehabt haben.“ Seine Finger wanderten wieder hoch in Alains Haar und ließ sich die Strähnen durch die Finger gleiten. „Aber wenn du nichts sagen willst, dann kann ich das wohl auch nicht ändern.“

„Du hast mir doch schon gesagt, das du mich nicht töten würdest...“ meinte Alain leise, ließ sich weiter liebkosen. Er lag halb auf Victor, sog seinen Geruch tief. Er roch männlich, nach frischem Schweiß, nach Leben...

„Ja! Und du weißt auch, warum ich das nicht tun würde.“ Victor hörte nicht auf, Alains Haar zu kraulen. Es war einfach beruhigend für ihn und hatte etwas mit Wohlfühlen zu tun. „Aber das hat mit meiner Frage nicht viel zu tun. Oder bist du nur zurückgekommen, um das als Bitte von mir einzufordern? Und aus keinem anderen Grund?“ Er überlegte einen kleinen Moment und sprach dann weiter. „Vergiss es. Ich werde dich nicht löchern, etwas zu sagen, was ich wahrscheinlich so oder so nie zu hören kriegen werde.“

„Was? Das ich dich liebe?“
antwortete Alain leise, blieb liegen wie er war und lauschte dem Herz, das auf einmal viel schneller klopfte als vorher. Ein leichtes Lächeln fand auf seine Lippen.

„Zum Beispiel.“ Victor blieb äußerlich ruhig, sein Innerstes war in allerdings in Aufruhr. Er redete sich ein, das es sicher nichts zu bedeuten hatte. Zudem war Alains Antwort eh als Frage formuliert gewesen, was ihn erst recht in seiner Meinung bestärkte. „Aber darauf hoffe ich ja gar nicht, dann bin ich auch nicht enttäuscht.“

„Worauf hoffst du nicht? Das ich dich liebe oder das ich es dir sage?“ bohrte nur Alain seinerseits nach. Seine Fingerkuppen massierten mit sanften Druck Victors Brust.
Er hörte wie das Blut durch dessen Adern rauschte, wie Leben durch ihn strömte, das der Vampir vor so langer zeit verloren hatte und das er Victor genommen hatte, vielleicht schon bald endgültig nehmen würde.
Unsterblich zu sein...so etwas lohnte sich nur, wenn man nicht allein war. So wie es Francois seit Hunderten von Jahren war.

„Ich hoffe, das du mich irgendwann mal liebst. Auch wenn ich genau weiß, das Alain bei dir an erster Stelle steht und ich eigentlich gar keine Chance habe. Aber darauf hoffen, das du mir es sagst, das tue ich nicht.“ Victor lächelte leicht und legte die andere Hand auf Francois Schulter. „Auch wenn es ein Widerspruch in sich ist, ich weiß schon.“ Er seufzte leise wohlig auf und schloss die Augen. „Zumindest weiß ich, das ich dich nicht mehr weglassen werde.“

„Du denkst zu wissen...“ bemerkte Francois und bewegte sich leicht, legte seinen Arm um Victors Taille und schmiegte sich so noch näher.
„Natürlich liebe ich Alain, er hat sich um mich gekümmert, er war mein Vater...aber gleichzeitig hasse ich ihn dafür.“
Er sprach leise, flüsternd, so als könnte Alain noch mithören.

„Also habe ich doch recht...“ Victor strich mit dem Zeigefinger Alains Wirbelsäule entlang, immer rauf und runter. „Er hat dich gewandelt, um dich zu retten und um nicht allein zu sein. Und dafür liebst du ihn. Gleichzeitig hat er aber durch seinen Tod dafür gesorgt, das du zu einem ewigen Leben allein verdammt warst... und deswegen hasst du ihn. Oder sehe ich das falsch?“ Vic lächelte vor sich hin. „Und weglassen werde ich dich ganz sicher nicht, egal auf welche Weise.“

„Ich liebte ihn bereits bevor er mich zu einem Vampir machte. Und ja ich hasse ihn weil er mich allein ließ, aber ich hasse ihn auch dafür, das er mir das aufgezwungen hat.“ Francois schüttelte leicht den Kopf. „Aber das ist egal, es ist Vergangenheit...schon sehr lang her.“ Er seufzte leise. Das Gerede von Gefühlen und Alain machte ihn sentimental und führte zu noch stärkeren Rissen in seiner Mauer aus Eis, als wie sie schon hatte.
Er richtete sich auf um Victor ansehen zu können.
„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte anfangs nicht Alain in dir gesehen...“

„Ich weiß, das du ihn geliebt hast, auch schon vorher.“ Victor hielt inne mit Kraulen und erwiderte Alains Blick. „Und ich musste erfahren, das du Alain in mir gesehen hast und das recht deutlich, nachdem ich Rabea kennen gelernt habe. Also musst du auch nicht lügen.“ Er schwieg und sah den Vampir nur eine ganze Weile sehr intensiv an. „Ich hab mich damit abgefunden, Francois. Es spielt für meine Gefühle keine tragende Rolle mehr.“ Meinte er dann nach einer Weile leise. „Sonst wäre ich nicht hier, von deiner Anziehungskraft auf mich einmal abgesehen.“

Francois strich mit der Fingerspitze seines Zeigefinger über Victors Gesicht; seine Augenbraue, die Schläfe hinab über seine Wange.
„Du verstehst es nicht...“ meinte er leise „...ich liebe dich. Dich und nicht den Alain in dir.“ Sein Finger blieb auf Victors Lippen liegen.
„Oder denkst du wirklich, das ich einer Illusion folge? Das ich eine Illusion beschütze? Das ich eine Illusion lieben kann?“

Victor konnte eine Weile lang gar nichts sagen, das musste er erst einmal verdauen. Seine Augen unterbrachen den Blickkontakt zu Francois nicht für einen Moment. „Vielleicht habe ich nicht verstanden, aber ich bin mir sicher, das du keinen Illusionen hinterher jagst. Ich bin nur etwas verwirrt, du überrascht mich immer wieder. Grade habe ich mich damit abgefunden, das ich von dir genau das niemals hören werde.“ Er lächelte etwas schief. „Und jetzt das. Manchmal könnte ich dich in den Arsch treten, wenn ich dich nicht lieben würde.“

„Du trittst mir auch in den Arsch, weil du mich liebst.“ bemerkte er trocken und setzte sich auf.
„Ich habe Jacques gebeten sich um die Tickets zu kümmern.“ Er schwieg einen Moment.
„Victor, ich würde gern hier leben...mit dir. Die Frage ist nur: Willst du das auch? Für immer?“
Nach so langer Zeit, hatte auch Francois ein bisschen Glück und Frieden verdient...und das wollte er jetzt!

Victor stützte sich auf die Unterarme und hob seinen Oberkörper an. „Francois, was glaubst du? Ich werde dich nicht mehr gehen lassen, das habe ich dir schon gesagt. Allerdings habe ich auch eine Bedingung.“ Er setzte sich vollends auf und zog ein Bein an. „Wenn du dir nicht sicher bist, das du für immer nur mit mir dein Bett oder den Park oder was auch immer teilen kannst, dann sage das bitte gleich. Denn ich lasse mich nur hundertprozentig auf so etwas ein. Ich liebe dich und habe nicht vor, dich zu teilen...jetzt nicht und auch in der Ewigkeit nicht. Ich werde hier mit dir leben, für immer.“

Francois legte sich zurück, bettete seinen Kopf zwischen Victors Beinen und sah ihn von unten herauf an. Die Hände lagen ruhig auf seinem Bauch, übereinander.
„Victor,...“ meinte er nur, ein wenig mahnend.

„Was?“ Victor sah Francois an und flauschte mit der Hand durch dessen Haar.
„Ich sage nur, was ich möchte. Für meine Entscheidung ist deine Antwort zwar nicht wichtig, weil ich mich schon längst entschieden habe. Aber ich würde sie doch gern hören.“

„Ich habe auch nicht vor, mich zu teilen.“ meinte Alain schmunzelnd.

Victor hielt inne mit kraulen und gab Alain einen Klaps auf den Hinterkopf. „Du bist ein Idiot“ knurrte er und nahm seine Hand weg. „Was würdest du den tun, wenn ich, kaum das ich ein Vampir geworden bin, wild in der Gegend rumvögle?“

„Hm, kommt darauf an. Wenn ich den Typen auch geil finde, mitmachen und danach die Kehle aufreißen, ansonsten gleich aufschlitzen.“ Francois sah ihn aufmerksam an, als wäre das eine dumme Frage gewesen.
Er hob seine Hände und legte sie auf Victors Kopf.
„Und du bist ein Trottel.“

„Mitmachen...bei dir piepts wohl.“ Victor sah Alain empört an. “Wenn der Typ dich anfasst, kann er sich gleich begraben lassen.“ Er schnaubte leise und musste dann trotz allem schmunzeln. „Ich bin also ein Trottel, na vielen Dank. Du wirfst mit Komplimenten um dich, die mich echt umhauen.“

Francois lachte leise. „Und du schmeichelst mir wohl, oder wie?“ Er fuhr Victor durch die Haare bis zu seinem Nacken und zwang ihn, sich leicht über ihn zu beugen.
„Dann dürfte ich wohl nur zusehen, hm?“ fragte er nach.

Auf die erste Bemerkung Francois ging Victor gar nicht erst ein. „Hm...zusehen wäre erlaubt. Aber sobald er dich anfasst, steht er auf meiner Abschussliste“ Er lachte leise und beugte sich vollends hinunter. Kurz vor den Lippen des Vampirs stoppte er. „Ich glaube nicht, das ich in die Verlegenheit kommen würde. Du genügst mir vollkommen.“

„Dann könnte ich ja doch mitmachen, solange ich von ihm nicht berührt werden.“ Gurrte Francois, leckte ihm über die Oberlippe. „Keine Sorge Victor...ich brauche niemand anders in meinem Bett und an meiner Seite außer dir.“ meinte er liebevoll. Sein Blick war regelrecht verliebt. Es war, als wäre ein Knoten geplatzt, der ihm erlaubte endlich zu zeigen was er fühlte.

„Bah...du legst es darauf an, mich zu ärgern“ murmelte Victor und lächelte liebevoll. Irgendwie konnte er es grade so gar nicht fassen und hätte sich am liebste geohrfeigt, um sich zu vergewissern, das er nicht träumte. „Ist auch gesünder für dich. Ich hatte in sieben Jahren genug Zeit mir sämtliche Vampirfilme, die es gibt, reinzuziehen und würde dich mit einem Holzpflock quer durchs Haus jagen.“ Neckte er und küsste den Vampir nun richtig.

Francois erwiderte den Kuss gern und vor allem intensiv.
„Ich kann es mir vorstellen, mit welchen Intensionen du sie dir angesehen hast. Wie oft bin ich deinen Gedanken gestorben? Wie qualvoll?“ fragte er nach und sah Victor neugierig an.

„Nun, bestimmt ein Dutzend Mal.“ Victor grinste jungenhaft und streichelte Alain mit den Fingerspitzen über das Schlüsselbein. „Feuer, Wasser, Holzpflock. Alle Methoden, die du dir vorstellen kannst und die doch keine Wirkung haben würden, wie ich weiß. Aber es gab mir eine fast schon perverse Genugtuung.“ Er wurde wieder ernst und seufzte leise. „Hast du eine Ahnung, wie ich mich gefühlt habe? Bei jedem Fensterknarren und jedem Klingeln hab ich gedacht, du kommst.“

„Nein, aber ich weiß wie ich mich gefühlt habe...“ Francois strich ihm entschuldigend über die Wange. „Es ging nicht früher, aber ich konnte dich auch nicht holen. Das einzige was mir blieb, war dir jedes Jahr etwas zu schicken...aber das war wohl nicht genug.“

„Ich verstehe deine Beweggründe jetzt, mon ange...“ sagte Victor liebevoll.
„Du hast mir den Wein geschickt und das hat mich jedes Mal neu daran erinnert, an dich und an alles. Erst im dritten Jahr habe ich angefangen, die Bitterkeit abzulegen. Irgendwann habe ich dann aufgegeben zu hoffen, das ich dich mal wiedersehen würde. Ich habe dich verdrängt, völlig. Nur in meinen Träumen warst du immer präsent.“ Vic suchte Francois Blick. „Was hast du in all der Zeit gemacht? Wo warst du?“

Francois senkte seinen Blick, doch beließ seine Hände auf Victors Schultern.
„Wenige Tage nach dir verließ ich Schottland zusammen mit Rabea. Ich habe mich um diverse Angelegenheiten gekümmert, die Hierarchie innerhalb des Clans betreffend und lebte bei Rabea in Dubai und versuchte dabei zu überleben.“

„Bei Rabea“ Victor streichelte Alains Schlüsselbein weiter und überlegte. „Aber...warum überleben? Wer will dich denn loswerden und vor allem warum? Balthasar wegen seiner unerfüllten Liebe zu Alain?“ Der Barkeeper seufzte leise, er kapierte es so gar nicht. Das einzige was er wusste war, das er in diesem Fall tatsächlich das perfekte Opfer war, um Alain zu treffen.

„Nicht nur, aber es hat ihm gut in den Kram gepasst. Aber das ist vorüber...“ Francois sah Victor wieder an und lächelte leicht. Er nahm eine Strähne des dunklen Haares zwischen seine Finger und zwirbelte sie. „Lass uns lieber an die Zukunft denken, am besten an die nächstliegende, wie der Anstandsbesuch bei deinen Eltern.“ Er schmunzelte, allein beim Gedanken daran.

„Die Zukunft..“ Das war Victor auch lieber als die Fragen nach dem wie und dem Warum. „Ich glaube, meine Eltern werden überrascht sein, einen „Schwiegersohn“ zu bekommen, wo sie doch gar keine Tochter haben.“ Er lachte leise und pokte Alain auf die Nasenspitze. „Ich werde schrecklich mit dir angeben. Und vor allem muss ich mir noch eine gute Ausrede einfallen lassen, warum du nichts isst.“

„Wie wäre es mit der Wahrheit?“ fragte Francois und schielte zu dem Finger auf seiner Nase, um danach seinen Blick wieder zu Victors Augen zu lenken.
„Aber das mit dem Angeben klingt gut...“ schnurrte er.

„Meine Mutter würde mich wahrscheinlich einweisen lassen, wenn ich ihr eine Geschichte von einem Vampir auftische“ Victor sah Alain an, als hätte dieser seinen Verstand verloren. Dann grinste er wieder. „Ja angeben. Du siehst verdammt gut aus du hast die Fähigkeit, Leute in deinen Bann zu ziehen. Meine Eltern werden begeistert von dir sein.“

Francois lachte leise.
„Das ist eine der vielen Fähigkeiten eines Vampirs. Menschen wie ein Magnet anzuziehen...Was deine Mutter angeht, lass das doch mich machen.“ Schmunzelte er. „Ich erinnere mich lebhaft daran, wie es war, dich zu überzeugen. Nicht einmal die Engelsflügel haben dich deine Meinung ändern lassen.“

„Na ja, du hattest einen schlechten Tag erwischt. Ich war müde und außerdem, ich war eben ein nüchtern denkender Mensch mit wenig Phantasie.“ Victor grinste breit und zuckte die Schultern. „Von mir aus, überzeug du meine Mutter. Ich halte mich dann gänzlich raus.“ Der Barkeeper rieb sich über die Augen und gähnte verhalten. „Ich hab ein schlechtes Gewissen gegenüber Elisabeth. Ich hab sie wirklich unfair behandelt und war unmöglich zu ihr, als sie gestern hier aufgetaucht ist.“ stellte er dann fest.

„Dann solltest du dich bei ihr entschuldigen. Wenn wir wieder in Frankfurt sind und unseren Besuch hinter uns haben, solltest du zu ihr gehen und mit ihr reden.“ Schlug Francois vor, setzte sich auf und legte sich in eine bequeme Position, winkte Victor zu sich.
„Lass uns schlafen, Victor...“

„Ich werde es versuchen, aber ich glaube nicht, das sie mir zuhören wird. Sie muss sich fürchterlich verarscht vorkommen und ich denke nicht, das es mit einer Entschuldigung getan ist.“ Victor erhob sich für einen Moment, um seine Hose auszuziehen und legte sich dann in seiner Boxer zu Alain.
„Es ist schon bald wieder morgen “stellte er dann fest. Wir sollten wirklich schlafen.“

„Stimmt wohl, aber du hast es versucht.“
Francois zog ihn ungeduldig in die Arme, dachte kurz nach. „Lass uns in mein Zimmer gehen, hier sind mir zu viele Fenster.“ Er sah Victor fragend an, als er sich halb aufsetzte.

„Fenster?“ Victor kapierte es im ersten Moment nicht, dann aber löste er sich wieder von Alain und erhob sich. „Gut, gehen wir zu dir. Ich hoffe, dein Bett sieht so ähnlich aus wie das hier. Ich steh nämlich auf so was.“ Er grinste breit und reichte dem Vampir eine Hand, um ihn hochzuziehen.

„Nein, es sieht besser aus.“ Grinste Francois und nahm Victors Hand an, um aufzustehen. Er führte ihn die Treppe hinab, in den hinteren Teil des Hauses. Ein kleine Treppe führte hinab und Francois öffnete die alte Eichentür, vor ihnen eröffnete sich ein kurzer Gang. Sie betraten das eigentlich Zimmer.
Wie man es erwartet hatte, war es gemütlich, warm und vor allem altertümlich eingerichtet. Blickfang waren eindeutig die zwei Ölportraits. Eines hing über dem Kamin, das andere an der Wand neben dem Bett.
Das Kaminbild würde Victor eher interessieren, es zeigte ihn selbst. Es war ein Bild von Alain, nur wenige Jahre älter als Victor jetzt. Verblüffend konnte er feststellen, wie ähnlich sie sich wirklich sahen.
Das andere Gemälde zeigte ebenfalls einen Mann, einen jungen Mann. Er hatte rabenschwarze Haare die ihm wild und viel zu lang ins Gesicht fielen, die braunen Augen umrahmten. Er hatte durchtriebene Züge und ein genauso wildes Lächeln auf den Lippen, ungebändigt wie seine Haare.

Victor war Alain neugierig gefolgt und sah sich nun auch genauso um. Das Portrait über dem Kamin musste er sich nicht mehr erklären lassen, er war wirklich nur erstaunt, wie sehr Alain ihm ähnelte. Er wandte sich ab und betrachtete das andere Bild. „Wer ist denn das?“ fragte er leise und mit einem deutlich Anflug von Eifersucht in der Stimme.

Francois stand hinter Victor und betrachtete schweigend das Portrait. Er schlang seine Arme um seine Taille und drückte ihn an sich.
„Das ist Baptiste.“ Antwortete er schließlich leise, nah an seinem Ohr. „Ein hübscher Bursche, nicht wahr?“

„Hm...“ Victor ignorierte die Gänsehaut, die sich auf seinem Körper bildete durch Alains Stimme so nah an seinem Ohr. „Möglich. Mein Fall wäre er nicht.“ Sagte er dann widerspenstig. „Und wer war Baptiste?“

Francois schmunzelte und ließ Victor wieder los. Er begab sich zum Bett, um sich dort ebenfalls dem Rest seiner Kleidung zu entledigen und in die Lake zu krabbeln.
„Er war mein Bruder.“ Auffordernd klopfte er auf die leere Seite neben sich. „Er ist auf der Straße vom Vicomte Lescrux erschossen worden und starb in meinen Armen. Da war ich fünfzehn.“

Victor blieb noch einen Augenblick vor dem Bild stehen und betrachtete es, erst nach Francois Aufforderung folgte er ihm und legte sich neben ihn ins Bett. Er räkelte sich zurecht und zog die Decke über sie beide. „Dein Bruder...warum wurde er erschossen?“ Seufzend schmiegte er sich näher an den Vampir heran. „Ich weiß so ganz und gar nichts über dich.“

Francois wandte sich Victor zu. „Du hast nie gefragt.“ Meinte er leise und begann erneut mit seinen Haaren zu spielen.
„Er war ihm im Weg.“ Eine kurze Stille trat ein. Nachdenklich zog er die Stirn in Falten.
„Für den Adel waren wir Dreck. Sie konnten mit uns machen was sie wollten. Der Vicomte war der Gönner einer meiner Schwestern. Er war betrunken und Baptiste hatte eine spitze Zunge.“ Ein wenig hilflos hob er die Schultern. „Der Vicomte fühlte sich im Recht und vor allem in seinem Ego gekratzt, also erschoss er Baptiste einfach und wurde nicht einmal dafür bestraft.“
Zumindest nicht vom König...

„Stimmt. Ich glaube, ich war damals einfach viel zu sehr mit mir und meinen wirren Gefühlen beschäftigt, anstatt mich für dich zu interessieren.“ Sagte Victor nachdenklich und beschämt. „In dieser Hinsicht war ich wohl genauso egoistisch, wie ich dich immer gesehen habe.“ Er sah Alain an. „Ich kann mir kaum vorstellen, das es einmal so zugegangen ist auf der Welt...jemanden zu töten und ungestraft davon zu kommen.“

„So ist es heute mancher Orts immer noch. Dagegen kann man nichts tun.“ Meinte Francois schulterzuckend.
„Aber jetzt lass uns schlafen. Die Sonne geht gerade auf...“
Er legte sich auf den Rücken und schloss die Augen. Müdigkeit legte sich wie Blei auf seine Knochen, und er wollte sich nicht mehr erinnern.

„Ja leider..“ Victor seufzte zustimmend und ruckelte sich zurecht, legte den Kopf auf Francois Schulter ab und schloß die Augen. „Schlaf gut, mon ange“ murmelte er und legte einen Arm über den Bauch des Vampirs. Keine 3 Minuten später war er tief und fest eingeschlafen.

Francois blieb noch eine Weile wach, bis er schließlich doch einschlief.
Die restliche Zeit bis zum Abflug verbrachte Victor damit, sich weiter mit dem Haus und den Leuten vertraut zu machen und redete viel mit Francois, um ihn besser kennen zu lernen. Zwischendurch hatten sie sich mal wieder in der Wolle, na ja, Victor platzte und Francois reagierte mit dem gewohnten kühlen Spott.
Nun war es soweit, am Abend zuvor waren sie in Frankfurt gelandet, hatten sich zu Vic in die Wohnung begeben und dort übernachtet. Jetzt waren sie unterwegs zu dessen Eltern, standen vor der Haustür und Victor war nervös. „Ich bin ehrlich gesagt aufgeregt.“ murmelte er leise und warf Francois einen undeutbaren Blick zu, bevor er klingelte.

„Ich werde mich benehmen...“ meinte Francois leise, der sich ein wenig hinter Victor gestellt hatte. Er strich ihm kurz als Beruhigung über den Rücken.

Die Tür wurde geöffnet und ein blauschwarzer Schopf streckte sich heraus. „Hi Alter...“ tönte es und die Tür wurde vollends geöffnet.
Ein junger, schlaksiger Mann trat beiseite, um sie einzulassen. Er trug eine schwarze Jeans, ein schwarzes Shirt und zur Zierde ein Stachelhalsband. „Das ist mein Bruder Julian.“ Seufzte Vic. „Und das, Ju, ist Francois.“

Julian streckte dem Vampir die Hand entgegen. „Tag...und du bist also der Freund von Vic.“

Francois betrat die Wohnung hinter Victor, betrachtete kurz Julian. Er nickte zur Begrüßung wie zur Bestätigung, schüttelte die Hand. Sie war noch warm, er hatte erst kurz zuvor getrunken. Als er seine Hand losließ, glitt sein Finger hauchzart über das schwarze Shirt hinauf, bis zu dem Halsband, in dessen Ringöffnung er seinen Finger einhakte und kurz daran zog. Er beugte sich zu Julian hinunter, seine blauen Augen leuchteten kurz in einem intensiven Blau auf und wisperte in einem verschwörerischen Tonfall: „Wenn du nichts bestimmtes damit bezweckst, würde ich es nicht offen auf der Straße tragen.“ Er zwinkerte Julian zu, lächelte charmant und ließ von ihm ab und sah sich nach Victors Eltern um.

Julian war einen Moment mehr als perplex, Francois hatte ihn vollkommen überrascht. Dann warf er Victor einen Blick zu und unterdrückte ein Grinsen. Sein Bruder sah aus, als stünde er kurz vor der Explosion und das gefiel ihm ja wieder. „Du bist also schwul, Vic. Das ist ja sehr interessant.“
Victor brodelte vor sich hin, allein weil er wusste, das es Francois einen diebischen Spaß machte, ihn auf die Palme zu bringen. Und dann dieses Berühren...bah. Vic spürte förmlich, wie Eifersucht durch seine Blutbahnen kreiselte. „Und?“ fragte er nur spitz und wurde einer Antwort enthoben, weil seine Mutter in den Flur kam.
„Also Julian....leg dein Hundeoutfit ab und lass unseren Gast erst mal richtig reinkommen.“ Frau Severin war klein, etwas mollig und hatte die gleichen dunklen Haare wie Victor. Sie lächelte herzlich und reichte Francois die Hand. „Willkommen, Herr Dûmont. Es ist schön, sie kennen zu lernen. Victor hat schon einiges über sie erzählt.“

Francois grinste Victor leicht an und widmete sich Frau Severin, ignorierte Julians Seitenhieb, aber der Kommentar machte ihn schon mal symphatisch.
Galant nahm er ihre Hand, verbeugte sich leicht und hauchte ihr einen Handkuss auf. Er lächelte ebenso einnehmend und meinte, in seinem französischen Akzent: “Ich hoffe nur Gutes, Madame. Und die Freude ist ganz meinerseits.“
Er richtete sich wieder auf und zog erst einmal seine Jacke aus.

„Teilweise..“ Frau Severin lächelte und warf Victor einen Blick zu, weil dieser hörbar einatmete. „Na ja, eine Zeitlang hast du ja nur geschimpft, nicht?“ verteidigte sie sich dann und gab Julian, der immer noch herumstand, einen liebevollen Klaps auf den Hinterkopf. Wann kommt denn Silvia?“ fragte sie ihren jüngsten.
„Silvia?“ Victor sah schon ein mittelprächtiges Desaster aus dem Abend werden. Wer hatte ihn bloß geritten, Francois seiner Familie vorzustellen.
„Silvia ist meine Freundin.“ Sagte Julian lapidar und lächelte. „Nicht nur du hast jemanden.“
Victors Vater betrat die Szenerie, er war die ältere Ausgabe von Julian. Mittelblond, blaugraue Augen und die gleiche schlaksige Figur. „Warum kommt ihr eigentlich nicht rein und setzt euch?“ fragte er und reichte Francois ebenfalls die Hand.