Marianna verabschiedete sich von Francois und auch die anderen taten es ihr gleich. Als der Vampir gegangen war, ruhten alle Augen auf Victor.
„Was?“ fragte er dann auch gleich. „Es ist eben so. Francois ist ein Vampir. Glaubt es oder nicht, ich habe es anfangs auch nicht geglaubt. Allerdings wurde ich im Laufe der Zeit eines besseren belehrt. Es gibt mehr Dinge auf Himmel und Erden, als wir uns vorstellen können.“
Vic seufzte leise, als er seine Eltern betrachtete. „Er ist nicht gefährlich, nicht für mich und auch nicht für euch. Ich werde eben einfach nur länger existieren als jedes uns bekannte Wesen.“

„Du meinst das echt ernst, was?“ fragte Silvia nach und betrachtete Victor eingehend. „Ich meine, okay, wenn er sich dafür hält. Solange er nichts anderen Menschen antut, sollte jeder seine Spinnereien ausleben können.“
Sie konnte einfach nicht glauben, das Francois echt sein sollte.

„Ich meine es ernst, weil ich weiß, das es stimmt. Immerhin hat er mich gebissen“ Victor war die Ruhe selber. „Und ich weiß, wie ich mich dabei gefühlt habe und ich habe genug Beweise gesehen, um davon überzeugt zu werden.“ Er sah seine Mutter an und lächelte. „Und du Mam, weißt ganz genau, das ich kein Spinner oder Phantast bin, nie war. Wenn jemand nicht an solche Dinge geglaubt hat, dann ich.“

Marianna nickte zustimmend, das konnte sie bestätigen. Allerdings konnte sie das Ganze immer noch nicht so recht glauben. „Und du weißt, das ich auch so bin und aus diesem Grund kann ich das alles auch noch nicht so recht glauben.“

Victor nickte. „Das kann ich auch verstehen. Ich wollte euch eben nur nicht anlügen. Francois ist mein Schicksal, das war er vom ersten Moment an, als er mir begegnet ist. Ich wusste es vorher nur noch nicht.“ Ein kleines Lächeln umspielte seine Mundwinkel. „Ihr müsst es nicht glauben, ich möchte nur, das ihr Francois mit derselben Herzlichkeit behandelt, mit der ihr mich behandelt.“

„Er ist ein netter höflicher Mann und du hängst an ihm. Das genügt mir..“ sagte Marianna und erhob sich mit einem Lächeln, um das Geschirr abzuräumen. „Also solltest du das erst gar nicht in Frage stellen.“

„Ich würde schon gerne tatkräftige Beweise sehen. Kann er sich nicht mal in eine Fledermaus verwandeln oder so?“ fragte Julian, bekam einen Knuff dafür von seiner Freundin, die aber nicht minder neugierig war. Eigentlich wollte sie auch gern was sehen, um zu glauben was man da hörte.
Und irgendwie verging ihr die Freude auf diesen Chateau zu fahren. Denn allein in diesem Haus, mit einem Vampir. Wer wusste schon wie viel Irre da noch herumliefen, vielleicht war es eine Sekte.

Victor warf Julian einen Blick zu und seufzte leise. „Lauter Klischees. Francois kann sich ebenso wenig in eine Fledermaus verwandeln wie du. Ich kann dir das hier zeigen, wenn es dir hilft.“ Er schlug seinen Pulloverkragen etwas herunter und zeigte die Bissspuren, die er am Hals trug. „Reicht das? Er kann auch schweben.“

„Wow...“ bekam Julian nur heraus und Silvia bekam große Augen.
„Das...das....“ stammelte sie, schließlich blinzelte sie. „Er kann schweben? Wieso das denn? Ich meine, du erwähntest Klischees. Er kann schweben aber sich nicht formwandeln? Was ist denn das für ein Vampir?“

Victor zuckte die Schulter und schlug den Kragen wieder zurück. „Frag ihn selber. Vielleicht kann er es, aber er hat es mir noch nie gezeigt. Das war auch nicht nötig, ich glaub ihm auch so.“

„Aber er ist nicht mehr da.“ Murmelte Silvia ein wenig niedergeschlagen, schließlich hatte sie gehofft von Victor etwas zu erfahren, wenn Francois nicht da wahr. Denn der war ihr zu unheimlich, als das sie ihn selbst gefragt hätte.

„Ich sag dir was. Ich frag ihn und dann kann ich dir beim nächsten Mal erzählen, ob er die Gestalt auch wandeln kann.“ Victor sah Silvia an und zwinkerte ihr zu. „Oder du wartest, bis ich dir die Frage selber beantworten kann.“ Er streckte sich durch und sah dann auf die Uhr. „Ich werde dann auch aufbrechen. Wir wollen morgen Abend wieder zurück nach Frankreich.“

Silvia seufzte leise und nickte, lächelte Victor zu.
„Dann wünsch ich euch beiden noch einen Schönen Abend.“
Francois wartete dagegen vor der Haustür auf Victor, saß auf der Treppe und rauchte schweigend, beobachtete die jungen Menschen die sich in kleinen Grüppchen trafen und quatschten, die alte Frau die mit ihrem Hund spazieren ging oder Arbeiter die gerade erst Feierabend gemacht hatten.

Victor verabschiedete sich von seiner Familie, bekam noch Kuchen eingepackt und verließ das Haus. Unten sah er Francois und lächelte, er hatte ihn nicht dort vermutet. „Mon ange...“ sagte er leise und ließ sich neben ihm nieder. „Hast du mir auch eine Zigarette? Ich hab so das Gefühl, das es wohl nicht soo gut gelaufen ist.“

Francois reichte Victor wortlos seine eigene, die zur Hälfte abgebrannt war.
„Wahrscheinlich nicht. Deine Eltern müssten denken, ich sei komplett verrückt und außerdem viel zu jung für dich. Sollten sie jemals nachrechnen, bekommst du Probleme...“
Er nahm seinen Blick nicht von den anderen Menschen in seiner Umgebung und legte die Arme auf seinen Knien ab.

„Im Endeffekt ist es egal, was sie denken. Sie werden es weder dich noch mich spüren lassen. Und für mich spielt es so oder so keine Rolle. Ich habe meine Entscheidung getroffen.“ Victor nahm die Zigarette und rauchte einen Moment lag schweigend. „Sag mir eines...kannst du deine Gestalt wandeln? In eine Fledermaus zum Beispiel?“

Francois wandte langsam den Kopf und sah Victor an, als hätte er gerade behauptet die Erde sei eine Scheibe. „Nein.“ Antwortete er schließlich nur und sah wieder gerade aus. „Wie kommst du darauf?“ fragte er schließlich doch.

Victor lächelte verlegen und zuckte die Schulter. „Hätte ja sein können. Vergiss die Frage, okay?“ Er aschte ab und sah auf die Straße hinaus.
„Ich habe versucht, es zu erklären und ich denke mal, sie werden es irgendwann mal glauben. Ich habe ja auch eine Weile gebraucht.“ Fügte er dann an und sah Francois an, schippte die Zigarette auf die Straße. Ein liebevolles Lächeln lag auf seinen Lippen „Gehen wir dann nach Hause?“

Francois erhob sich und streckte Victor seine Hand hin.
„Was willst du mit deiner Wohnung machen? Willst du sie aufgeben?“ fragte er und zog ihn hoch, schloss erst einmal seine Arme um ihn und gab ihm einen Kuss.
Er nahm seine Hand, als er sich löste und zog ihn die Straße entlang. Es war eine schöne Nacht, etwas kühl, aber sie war wolkenlos, so dass der Mond zu seiner vollen Geltung kam.

Victor ließ sich hochziehen und schlang die Arme um Francois, küsste ihn innig. Ihm war jetzt nach Nähe und einfach nur wissen, das der andere da war und man geliebt wurde. Was für ihn so oder so immer noch ein kleines Wunder war. „Ich werde sie aufgeben. Ich brauche sie nicht mehr. Wenn wir meine Eltern besuchen, dann können wir auch in einem Hotel nächtigen.“ Meinte Victor nachdenklich und folgte dem Vampir. „Francois...wann wirst du es tun? Mich wandeln?“ fragte er dann plötzlich.

Francois überlegte eine Weile bevor er eine Antwort gab.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht wenn du es willst und mich bittest, oder während ich mit dir schlafe.“ gab er zwei Möglichkeiten vor.
Sie liefen an einer der kleinen Grüppchen vorbei und war sich der Blicke bewusst, badete in ihnen; aber die jungen Kerle waren klug genug; allein angesichts seiner Körpergröße hielten sie sich lieber zurück.

Victor sah die Blicke gar nicht, sie waren ihm ohnehin egal. „Vielleicht bitte ich dich gerade in dieser Situation darum.“ Meinte er dann. „Wenn ich so erregt bin, das mir die Schmerzen egal sind. Denn davor habe ich Angst. Auch wenn ich weiß, das mich danach ein ewiges Leben an deiner Seite erwartet.“

„Schmerzen...sie gehen vorüber, und selbst wenn ich dich beiße, während du erregt bist, wenn du erwachst werden die Schmerzen dieselben sein.“
Francois sah ihn nun doch an. „Bist du dir wirklich sicher, das du das tun willst? Ich würde mit dir zusammen sein, auch wenn du sterblich bleibst.“

„Willst du mich ärgern?“ fragte Victor ruhig. „Ich habe mich entschieden. Ich will nicht, das du zusehen musst, wie ich altere und vor allem will ich im Rentenalter nicht als sexsüchtiger debiler Knacker verspottet werden, weil mein Geliebter aussieht wie 21.“ Er grinste breit. „Verdammt Francois, ich liebe dich. Und wenn schon für immer, dann können wir auch bald damit anfangen.“

„Ist ja gut.“ meinte er ruhig.
Francois schüttelte den Kopf, blieb ansonsten stillschweigend. Er lief neben Victor und wirkte sehr nachdenklich.

Victor streichelte mit dem Daumen Francois Handrücken und warf ihm immer mal wieder Seitenblicke zu. „Was ist los, mon ange? Rede mit mir und sag nicht, das nichts ist. Ich kann es nämlich sehen.“

Francois schüttelte leicht den Kopf.
„Ich habe heute nur an meine Mutter oder nicht Mutter gedacht. Intakte Familien habe ich nie gesehen, hatte auch nicht das Bedürfnis danach. Ich mag deine Eltern und deinen Bruder, auch wenn sie mich merkwürdig finden.“ schmunzelte er.
„Außerdem, denke ich gerade daran, wie ich dich verführen kann.“