„Ich mag sie auch. Nur Silvia finde ich ein wenig merkwürdig, aber ich muss ja nicht mit ihr leben.“ Victor grinste und blieb stehen. „Verführen? Wie kommst du auf die Idee, das ich mich verführen lasse?“ neckte er dann. „Vielleicht denke ich ja auch schon seit einer halben Stunde an nichts anderes und es ist gar nicht mehr soviel dazu nötig?“

„Na dann...“ bemerkte Francois trocken „...können wir ja beruhigt schlafen gehen.“
Er lief weiter, die Hände in den Jackentaschen. Es war nicht mehr weit bis zu Victors Wohnung.
Noch einige Stunden würden vergehen, bevor die Sonne über den Horizont kroch um den neuen Tag zu begrüßen; und er keinen Schlaf finden.
Es war ganz gut, das Victor sich entschieden hatte, seinesgleichen zu werden. So mussten sie ihren Tagesrhythmus nicht großartig umwerfen und Victor sich umgewöhnen.

Victor seufzte leise. „Wenn du meinst, dann gehen wie eben schlafen, liegen nebeneinander wie brave Jungs und lassen die Hände über der Bettdecke.“ Er nahm Francois Hand und hauchte einen Kuss auf den Handrücken. „Zu schade, ich würde mich verdammt gern von dir verführen lassen.“
Vic beschleunigte etwas, er wollte heim, auf sein Sofa, in sein Bett und Francois möglichst dicht neben sich, hinter sich und am liebsten in sich.

„Klingt wie ein vernünftiger Vorschlag.“ Bemerkte Francois und betrachtete Victors Rückseite. Er schmunzelte leicht, betrat hinter ihm seine Wohnung...ab und zu benutzte er auch mal die Tür.
Er zog sich aus und ließ sich auf den Sessel fallen, schnappte sich die Fernbedienung und zappte, wie eh und je, durch die Kanäle.

Victor sah es und brodelte, aber aus Erfahrung wusste er, das er damit bei dem Vampir keinen Blumentopf gewinnen konnte. Francois liebte es, ihn auf die Palme zu bringen. „Ich glaube, im Dritten kommt Graf Dracula“ bemerkte er deshalb nur und begann, sich langsam aus seinem Pullover zu schälen, ließ ihn dann auf seinen Sessel fallen. Halb nackt streckte er sich und machte sich dann auf den Weg in die Küche, um den Kuchen wegzustellen und sich selber ein Glas Wein zu holen. Würde er eben allein ins Bett gehen und dort noch etwas lesen.

Francois ignorierte den Kommentar und grummelte lieber über das bescheidene Angebot im Fernsehen. „Kein Wunder, das man verblödet...“
Er trommelte ungeduldig mit den Finger auf die Sessellehne und stützte gelangweilt den Kopf in seine freie Hand, war bei einer Dokumentation hängen geblieben.

Victor stand mit offener Hose, nacktem Oberkörper und einem Glas Wein in der Hand im Türrahmen und betrachtete Francois. „Hm...ich werde ins Bett gehen, mon ange. Du kannst ja nachkommen, ich bin sicher, das Angebot zur Unterhaltung ist im Schlafzimmer besser und verblöden wirst du da auch nicht. Ich kann dich sehr angeregt unterhalten.“ Vic nahm einen Schluck von seinem Wein und verschwand im Schlafzimmer.

Francois sah ihm nicht mal nach.
„Du hast dein ‚Kauf mich’ Schild vergessen.“ meinte er noch, knippste den Fernseher aus und erhob sich, aber erst nachdem er eine Zigarette geraucht hatte, folgte Victor dann ins Schlafzimmer und beobachtete ihn vom Türrahmen aus.

Victor schlug mit der Faust laut und vernehmlich gegen die Wand. „Cretin“ murmelte er, genau wissend, das Francois das sehr wohl hören würde. „Du könntest mich eh nicht bezahlen.“
Er zog seine Hose aus, legte sie sorgfältig über einen Stuhl und schlüpfte unter die Bettdecke. Er setzte sich bequem zurecht und griff nach seinem Buch. Eines hatte er immer auf dem Nachttisch, er brauchte das zum Einschlafen. Als Francois kam, hob er nur kurz den Blick und wandte sich dann wieder seinem Buch zu. Irgendwann würde er ihm doch noch einen Holzpflock durchs Herz jagen... im Affekt.

Francois zog sich ebenfalls aus, ließ seine Kleider aber einfach auf einen Haufen fallen.
Er legte sich neben Victor, auf die Seite, einen Arm unter dem Kopf angewinkelt und beobachtete ihn weiter schweigend.

Victor versuchte, sich auf sein Buch zu konzentrieren, was natürlich nicht gelang. Er war sich Francois Blicken voll bewusst und nach einer Weile legte er einen Finger zwischen die Seiten und wandte den Kopf. „Was?“ meinte er etwas genervt.

„Ich seh dich nur an.“ meinte Francois unschuldig.
Er hob den Blick um Victor in die Augen sehen zu können, schob sich seine andere Hand unter sein Kinn.

„Ja, das merke ich. Und warum? Ist es so spannend, wie ich lese oder versuchst du herauszufinden, welchen Preis ich wohl erzielen würde?“ Victor hob die Augenbraue und erwiderte den Blick.

„In Schulden stürzen müsste ich mich nicht.“
Francois betrachtete ihn noch immer. „Ansonsten sehe ich dich eben gern an.“ Er hob die Schultern, rollte sich auf den Rücken und schloss die Augen. Die Decke zog er über die Hüfte und entspannte sich um zu schlafen, oder zumindest zu dösen.

„Du bist so was von einem blöden impertinenten...Vampir“ platzte Victor nun doch und pfefferte sein Buch auf den Nachttisch. „In Schulden stürzen müsste ich mich nicht..“ äffte er ihn nach und legte sich wütend hin, drehte Francois den Rücken zu.

„Du schmeichelst mir.“ bemerkte Francois.
Erst nach einer Weile bewegte er sich und streckte eine Arm aus. Sein Zeigefinger fuhr Victors Wirbelsäule nach.

Victor knurrte leise. „Ich hab bestimmt nicht vor, dir zu schmeicheln“ murmelte er und schloss die Augen. Er spürte Francois Berührung, natürlich aber zuerst einmal reagierte er nicht darauf, auch wenn es ihm schwer fiel.

„Da habe ich ganz andere Dinge in Erinnerung, sogar vom heutigen Abend.“
Schmunzelte Francois, liebkoste ihn weiter.
„Außerdem,...weshalb sollte ich für dich zahlen. Ich dachte du wärst freiwillig bei mir.“

„Da hattest du das auch verdient. Jetzt grade hast du das nicht“ grummelte Victor immer noch. Die Liebkosungen verursachten eine Gänsehaut auf seinem Rücken und er konnte ein wohliges Seufzen grade noch unterdrücken. „Es wäre nur interessant gewesen, was ich dir wert bin. Das ich freiwillig bei dir bin, hat damit gar nichts zu tun.“ Fügte er dann an.

„Ich soll in Zahlen ausdrücken, was du mir wert bist?“ fragte Francois zweifelnd.
„So viel Geld gibt es auf der Welt nicht...“ gab er ihm schließlich eine Antwort, rollte sich auf die Seite und schmiegte sich an Victors warmen Rücken, biss ihm zärtlich in die Schulter.
Victor hatte immer noch eine Gänsehaut, diesmal kam sie allerdings von Francois Worten. Statt zu reden, drängte er sich erst einmal dichter an den Vampir heran und seufzte wohlig. „Du schaffst es immer wieder, mich von 100 auf Null zu bringen und das in exakt 5 Sekunden“ sagte Vic dann nach einer Weile und griff nach hinten, streichelte mit den Fingerspitzen über Francois Hüfte.

Francois ersparte sich einer Antwort, ließ lieber seine Lippen und Hände sprechen. Er streichelte Victors Brust, nur mit den Fingerspitzen und genoss die Gänsehaut die er verursachten.
Mit seinem Mund hauchte er Küsse auf seine Halsbeuge, leckte den Verlauf der Halsschlagader mit der Zungenspitze nach, während seine Fingerspitze eine der steifen Brustwarzen umrandete.

Victor hatte die Augen geschlossen und genoss die Zärtlichkeiten, die ihm Francois zuteil werden ließ. Sein Unterleib begann zu kribbeln, zeugte davon, das ihn das ganze auch nicht gerade kalt ließ. „Hör bloß nicht auf, mon ange.“ flüsterte Vic und seine Finger strichen nun den Oberschenkel des Vampirs entlang. Sein ganzer Körper entspannte sich und er drückte sich noch näher an Francois heran.

Das hatte Francois in keinster Weise vor, stattdessen streichelte er ihn noch intensiver, bis er fast zärtlich seine Zähne in der verführerischen Ader versenkte. Der Duft des Blutes betörte seine Sinne und er zwang sich dazu, nicht wie eine Bestie Victor auszusaugen, sondern diesen Moment auf beide wirken zu lassen.
Francois schloss die Augen. Er würde Victor zu seines gleichen machen, unsterblich...und beide würde die Ewigkeit teilen.

Victor nahm seine Finger von Francois Oberschenkel und legte sie stattdessen in dessen Nacken. Das Gefühl von dem Vampir gebissen zu werden, war wie immer völlig überwältigend und jagte alle möglichen Gefühle durch ihn hindurch, von denen eine fast schon animalische Erregung das heftigste war. Ein unterdrücktes Stöhnen entwich seinen Lippen, was Vic nicht einmal bemerkte. Er wusste, was passieren würde, was Francois tun würde und er wurde völlig ruhig, entspannte sich total. Seine Finger streichelten immer noch Francois Haare und lächelte leicht.

Das nahm Francois als Zeichen und er begann langsam aber stetig von seinem Blut zu trinken. Es war berauschender als alles andere, was er bisher getrunken hatte.
Er spürte wie Victor schwächer wurde und zog ihn so noch stärker an sich heran, hielt ihn fest im Arm. Jetzt gab es kein Zurück mehr.
Über Victor legte sich eine angenehme Mattigkeit, Schwindel befiel ihn und Erschöpfung kroch in seine Glieder.
Francois spürte das immer schwächer werdende Klopfen von Victors Herz und bedauerte es. Er strich zärtlich über seine Brust, wie ein stummer Abschiedsgruß.
Er löste seine Zähne aus Victor und legte ihn auf den Rücken, streichelte seine Wange und sah ihn an. Er war bleich, aber es war ein wunderschöner Kontrast zu seinen dunklen Haare.
Bevor er ihm unsterbliches Leben einhauchen würde, ließ er einige Blutstropfen auf seine blassen Lippen fallen. Er lächelte, als er das unbewusste Verlangen von Victor sah, das bereits diese wenigen Tropfen in ihm auslösten.
Francois küsste diesen blutig, sündigen Mund und biss sich in sein Handgelenk. Weitere Tropfen rannen zwischen die geöffneten Lippen, bis er sein Handgelenk darauf presste und wartete bis Victor zu schlucken begann.

Victor kannte das Gefühl, das in jetzt übermannte, er hatte es schon einmal gefühlt. Es war, als würde das Leben langsam aus ihm herauslaufen und so war es ja auch. Er wehrte sich nicht, er kam nicht einmal auf die Idee. Vic hatte es so gewollt und nun würde er die Ewigkeit mit Francois teilen.
Irgendwann wurde er müde, fürchterlich müde und dann war alles schwarz um ihn herum. Etwas passierte... etwas tropfte in seinen Mund, es war warm und schmeckte besser als alles, das Victor jemals gekostet hatte...und er begann zu schlucken.
Gleich drauf setzten die Schmerzen ein, er bäumte sich auf, krümmte sich zusammen. Noch niemals hatte er so etwas gefühlt. Aber er schrie nicht, er litt stumm und irgendwann hörte es auf, von einem Moment auf den anderen, als hätte man einen Schalter umgelegt.
Victor öffnete die Augen und schloss sie gleich wieder, es war hell und es war laut, ungewöhnlich laut. Die Geräusche der Stadt schienen sich direkt in seinem Schlafzimmer abzuspielen. Und die Gerüche...allerdings war der süße Geruch von Blut vorherrschend und Vic öffnete die Auge vorsichtig wieder, sah direkt Francois an. „Scheiße..“ flüsterte er leise. „Was für ein Trip.“

Francois zog sein Handgelenk zurück, leckte sein eigenes Blut auf und beobachtete Victor dabei, wie sein Körper starb, nur um unsterblich wieder zu erwachen.
Er saß auf der Bettkante und wartete.
Francois lächelte ihn leicht an, strich über seine Wange.
„Es wird einige Zeit dauern bis du dich daran gewöhnst.“ meinte er leise und strich über die dunkle Haut seiner Brust.

„Es ist so laut.“ sagte Victor und erschrak vor der Lautstärke seiner eigenen Stimme. Er griff nach Francois und leckte sich über die Lippen. Sein Körper zitterte leicht und er schien etwas verwirrt. „Wenn du das sagst, dann hoffe ich, das es auch stimmt“ schmunzelte er und betrachtete seine Hand. Er sah aus wie immer und er fühlte sich wie immer...nur das eben alles lauter war und intensiver, sogar Francois Streicheln nahm er anders wahr.

„Warum sollte es nicht stimmen.“
Francois legte seine Hand über die von Victor, hinderte sie am zittern.
„Die Sonne geht bald auf, und du brauchst Schlaf. Die erste Zeit wird dein Rhythmus noch stark von den Tageszeiten abhängen.“ Er legte sich wieder neben ihn. „Und der Durst dein Denken beherrschen.“
Er streichelte ihn liebevoll über den Arm.

„Es war ein Anflug von aufblitzendem Humor.“ Victor sah Francois an und versuchte, seine Gefühle zu sortieren. Müdigkeit, regelrechte Schlappheit überfiel ihn und sein Jähzorn schien sich auch wieder verstärkt zu haben.
Vic gähnte und ohne ein weiteres Wort schloss er die Augen und schmiegte sich an Francois heran. „Nun ist es also passiert.“ murmelte er leise.

„Jetzt beginnt ein neues Leben für dich.“ meinte Francois leise und schloss ebenfalls die Augen.
Lange Zeit hatte er und Victor warten müssen, doch es gab ein Ende und damit ein neuer Anfang.