Ziellos lief Alain durch die Straßen, er war satt aber noch nicht gewillt wieder nach Hause zu gehen. Genüsslich betrachtete er seine Fingerspitze, an der noch einige Tropfen Blut hingen, die er sich gerade vom Mundwinkel gewischt hatte. Er leckte sie ab und knurrte leise dabei. Ein edler Tropfen, von einem edlen Spender. Maler war er gewesen und er spürte wie dessen Kreativität durch seine Adern floss. Er strich sich durch sein kurzes weißblondes Haar und betrachtete das Hotel vor dem er stand. &ltBesser als nichts...> dachte er und lenkte seine Schritte in die dazugehörige Bar. Er sah sich kurz um und entschied sich, sich erst einmal an einen ruhigen Tisch zu setzen und von dort aus die Lage zu sondieren. Verdeckt durch die Palmwedel, der dort stehenden Pflanze hatte er eine gute Aussicht. Er zündete sich eine Zigarette an und ließ seinen Blick schweifen.



Victor stand hinter der Theke und ließ seinen Blick schweifen. Ziemlich wenig los heute und er fluchte leise vor sich hin. Nachtdienst war schon schlimm, aber wenn kaum Gäste da waren, war es langweilig. Er polierte einige Gläser und nahm die Bestellung entgegen, die sein Kollege ihm brachte. Victor begann, die Drinks zu mixen und auf das bereitgestellte Tablett zu stellen. Er sah Kevin nach, wie er die Gäste bediente und dachte an seine Freundin...sie hasste es, wenn er Nachtschicht schieben musste, aber das gehörte nun mal dazu, das musste Veronika einsehen. Ein Gast, den er schon länger kannte, setzte sich an die Bar und Victor mixte ihm eine Bloody Mary und unterhielt sich ein wenig mit ihm, bevor der Mann aufstand und an einen der Tische ging.



Alain sah sich missmutig um, er schien kein Glück zu haben. Kaum Menschen befanden sich in der Bar und er fragte sich wie er diesen Abend rumbringen wollte, wenn er sich nicht gelangweilt vor den Fernseher setzen wollte. Erfreut blieb sein Blick aber an dem Kellner hinter der Bar kleben. Ein hübsches Bürschchen und genau sein Geschmack. Gut gebaut, wunderschöne Augen und dichtes Haar. Alain schnurrte innerlich anerkennend. Er erhob sich und lief gemächlich auf die Theke zu, ließ sich etwas abseits auf einem Barhocker nieder und stellte einen Ellenbogen auf und stützte sein Kinn in seine Handfläche, zückte eine Zigarette und zündete sie an.



Victor nahm im Augenwinkel eine Bewegung war und drehte sich um. Ein Gast hatte sich an die Bar gesetzt und ihm stockte unwillkürlich der Atem. Der Mann sah gut aus, weißblonde Haare und schwarze Kleidung, die das blau seiner Augen noch mehr leuchten ließen. Aber das war es nicht, was Victor faszinierte. Es war die Ausstrahlung, die dieser Mann hatte....er wirkte erhaben.... beinahe königlich. Er riss sich zusammen und ging näher heran, beugte sich etwas vor und fragte freundlich: "Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen?" Victor setzte sein strahlendes Lächeln auf, von dem er wusste, das es seine Wirkung nicht verfehlte...Veronika war immer ganz verrückt danach. Und wenn er freundlich war, würde dieser faszinierende Fremde ihm vielleicht ein saftiges Trinkgeld da lassen.



Alain erwiderte dieses anziehende Lächeln und zeigte seine weißen Zähne. "Hmm,....ich hätte gern ein Glas Rotwein, von eurer besten Sorte." noch immer, nach all der langen Zeit, war ein leicht französischer Akzent aus seiner Stimme herauszuhören. Er legte seine Zigarette im Aschenbecher ab und zog seinen Mantel aus, darunter trug er ein schwarzes Shirt, das seine Konturen unterstrich. Er lächelte noch immer und nahm seine Zigarette wieder auf.



"Kommt sofort.." Victor behielt sein Lächeln bei und wandte sich ab, um das Gewünschte bereit zu stellen. Er nahm das Glas, legte einen Untersatz vor den Fremden und stellte das Getränk darauf ab. "Bitte sehr, Monsieur....ich hoffe, sie sind zufrieden. Der beste Rotwein, den ich habe." Ganz nebenbei ließ er dabei seine Augen über die Konturen das Gastes wandern und musste feststellen, das dieser wirklich gut aussah...in jeder Hinsicht. < Die Frauen müssten ihm reihenweise zu Füssen liegen> dachte Victor bei sich und war sehr froh, das Veronika nie auf die Idee kam, ihn bei seiner Arbeit zu besuchen.



Alain zog eine Augenbraue nach oben, lächelte aber weiterhin. "Sie können französisch?" fragte er "Oder nur die weltbekannten Worte?" neugierig betrachtete er ihn durch eine Wolke des blauen Dunstes den er langsam ausblies.



"Ich hatte in der Schule und während meiner Ausbildung Französischunterricht...aber sie sind Franzose, Monsieur.....mit ihnen kann ich mich nicht messen." Victor polierte ein Glas und stellte es zurück ins Regal, während er sich mit dem Franzosen unterhielt...und das in Französisch. "Englisch spreche ich besser..." lächelte er und fuhr sich verlegen durch die Haare. Irgendetwas an dem Fremden machte ihn nervös....er konnte nur nicht sagen, was.



Alain schmunzelte. "Ich könnte es ihnen ja beibringen." bot er an, aschte ab und begann mit dem Zeigefinger immer wieder über den oberen Glasrand zu fahren, tauchte seinen Finger kurz in das alkoholische Getränk und leckte seine Kuppe ab. "Der Wein ist wirklich gut." er lächelte erneut und nahm einen neuen Zug.



"Danke für das Angebot......vielleicht komme ich darauf zurück" lächelte Victor und fragte sich im Stillen, was er da gerade gesagt hatte. Er wollte doch nicht wirklich bei diesem Mann Französischunterricht.....im Geiste schüttelte er den Kopf über sich. Als er letzte Bemerkung hörte, verneigte er sich leicht: "Danke....ich bin froh, das es ihnen schmeckt." Er sah auf und war erneut fasziniert von der unglaublichen Ausstrahlung, die dieser Mann hatte.



"Das hoffe ich doch." Alain lächelte verführerisch und drückte seine Zigarette aus, verschränkte die Arme auf der Theke und ließ seinen Blick schweifen, fand schließlich in Victor sein Ziel. "Nicht sehr viel los heute." meinte er feststellend "Ist das hier immer so?" fragte er unverbindlich.



"Nein...normalerweise ist die Bar besser besucht....aber zur Zeit findet außerhalb ein Kongress statt und die meisten Hotelgäste sind wohl dort. Und unter der Woche haben wir meistens nur Hotelgäste hier." Victor drehte sich kurz um, um für Kevin neue Getränke zu mixen und wandte sich dann wieder an den Franzosen. "Sie sind sozusagen eine willkommene Abwechslung." Victor lachte leise.



"Oha? So was hört man gern." lächelte Alain. "Darf ich nach ihrem Namen fragen? Ich meine, als eventuellen zukünftigen Schüler möchte ich Sie nicht unbedingt mit Fremder oder ´Hallo Sie´ anreden müssen."



"Sicher dürfen sie...mein Name ist Victor Severin. Darf ich auch ihren Namen erfahren?" Victor lächelte und sagte sich, das er nur ein gutes Trinkgeld herausschlagen konnte, wenn er den Gast nicht verärgerte. Obwohl er nicht die Absicht hatte, jemals sein Schüler zu werden.....dafür fand er ihn viel zu beunruhigend...faszinierend, aber beunruhigend.



"Alain Dûmond. Freut mich sie kennen zulernen." lächelte er wieder. "Arbeiten sie schon lange hier? Es interessiert mich, ist es wie man in den Filmen so sieht, das sich die Barkeeper die Sorgen und Nöten ihrer, sich fast besinnungslos trinkenden Gäste anhören?"



"Die Freude ist ganz auf meiner Seite.. Monsieur Dûmond." Victor erwiderte das Lächeln. "Ich arbeite im Hotel schon seit zwei Jahren und seit einem halben Jahr hier in der Bar...es macht mir Spaß, und das mit den Sorgen und Nöten stimmt auch...zum Teil. Meistens können die Gäste, die sich hemmungslos betrinken, nicht mal mehr ihren Namen sagen.." lachte er leise.



"Das klingt logisch." bestätigte Alain und drückte sein Zigarette aus. "Haben sie einen Zettel und Stift?" fragte er nach einer Weile. Er wollte das Talent, das in ihm schlummerte nutzen oder eher ausprobieren, bevor es sich wieder im nichts verflüchtigte.



Victor drehte sich um und griff in ein Schublade, holte Stift und Papier heraus und legte es vor Alain. "Hier, bitte Monsieur Dûmond....." Er sah ihn neugierig an, als er von Kevin gerufen wurde und sich entschuldigte, weil er dessen Tablett neu bestücken musste. Als er fertig war, wandte er sich wieder Alain zu.



Alain hatte den Zettel dankend entgegengenommen und hielt den Stift ruhig in der Hand. Dann begann er erste Striche zu ziehen und war erstaunt, das Talent des Mannes war hervorragend gewesen. Eigentlich schade das er nun nicht mehr lebte, aber er hatte seinen Zweck erfüllt,...Alains Hunger zu stillen. Als Victor sich wieder zu ihm wandte, drehte er das Stück Papier und schob es ihm hinüber. "Ich hoffe sie erkennen wer das sein soll." meinte er lächelnd und betrachtete das Blatt auf dem er mit groben Strichen eine Skizze von Victor gezeichnet hatte.



Victor hatte das Blatt neugierig betrachtet und nickte anerkennend. "Das ist toll...richtig toll. Victor Severin, wie er lebt und lebt. Darf ich?" Er nahm Stift und Papier, eine leere Seite, sah sich kurz um, aber niemand wollte etwas von ihm...so begann er, eine Skizze von Alain zu erstellen und schob sie ihm zu. "Ich hoffe, ich habe sie gut genug getroffen....ihre Ausstrahlung kann ich auf dem Papier leider nicht wiedergeben." Victor lächelte liebenswürdig.



Alain hob eine Augenbraue. "So? Meine Ausstrahlung!?" er grinste leicht und nickte dann anerkennend. "Ja, sie haben Talent. Fördern sie dieses auch?" fragte er nach.



"Ach so groß ist das Talent nicht, das man es fördern könnte. Malen ist eine brotlose Kunst und bringt nichts ein, wenn man nicht gerade ein neuer Van Gogh ist....und auch dieser hat erst nach dem Tod Anerkennung erfahren und dafür ich lebe zu gerne." Victor lachte leise und fuhr dann fort. "Ich male zu Hause, nur für mich.....oder zeichne Bilder für Freunde, gegen einen kleinen Obulus."



"Sie sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Es gibt auch Künstler die sehr wohl davon leben können. Aber wahrscheinlich zeichnen sie dafür zu gut." lachte er leise. Alain drehte die Zeichnung in den Finger, faltete sie vorsichtig zusammen und schob sie in eine Manteltasche. "Die werde ich behalten." lächelte er.



Victor lächelte zurück und bedankte sich für das Lob, ganz kurz hatte er überlegt, ob er auch einen Obulus für diese Zeichnung verlangen sollte...dem Franzosen tat es sicher nicht weh und er hätte wieder was, was er auf die Bank tragen konnte.....dann verwarf er den Gedanken rasch wieder. Er war ein Gast und da machte man so was einfach nicht. "Darf ich ihnen noch was zu trinken bringen? fragte Victor stattdessen.



Alain lächelte und drehte das Glas in Händen. "Dafür müsste ich erst einmal mein Glas austrinken, nicht wahr?" fragte er feststellend nach. "Oder wollen sie den Umsatz fördern, oder ein gutes Trinkgeld rausschlagen?" fragte er nach und lächelte noch immer.



Victor lächelte etwas verlegen. "Verzeihen sie....ich wollte sie nicht drängen." Er dankte Gott im stillen, das Kevin in diesem Moment kam und eine Bestellung aufgab, damit er etwas zu tun hatte. Dieser Franzose hatte ihn glatt durchschaut....und das Gefühl war nicht sehr angenehm. Er mixte seine Getränke und stellte sie auf das Tablett, als Kevin zurückkam und eines der Gläser vor seine Nase stellte. Irritiert blickte Victor ihn an und Kevin meinte nur: "Ist von der Dame, die mit dem alten Knacker an Tisch 13 sitzt." Er sah hinüber, hob das Glas und lächelte gewinnend, trank nur einen winzigen Schluck und verschwand dann aus ihrem Gesichtsfeld, um den Rest wegzukippen. "Puh..." murmelte er vor sich hin und sah zu Alain. "Das ist auch so was...wenn ich alles trinken würde, was mir spendiert wird, wäre ich am Ende meiner Schicht zu keinem Schritt mehr fähig.....so betrunken wäre ich."



Alain grinste erneut leicht und nahm sich eine neue Zigarette. Er wandte den Blick etwas um die junge Frau anzusehen, dann wieder zu Victor. "Nun, wenn ich diesen Mann so sehe, sie will sie vielleicht abschleppen." meinte er grinsend.



Victor zuckte die Schulter: "Möglich...aber ich bin in festen Händen. Für einen One-Night-Stand hab ich nichts übrig. Und sagen sie selbst...was soll man von so einer Frau halten, die sich von einem alten Knacker aushalten lässt und gleichzeitig andere anbaggert." Victor fuhr sich durch die Haare und lächelte etwas verlegen. "Ist meine Meinung."



"Ich halte von Frauen sowieso nicht viel." kommentierte er und begann erneut mit dem Finger über den Glasrand zu fahren und sah in seinen Wein. "Eine wunderschöne Farbe nicht..." meinte er gedankenverloren "...wie Blut."



Victor sah ihn überrascht an. So einer war das also.....dabei sah er ja nun überhaupt nicht schwul aus. "Ja....eine wunderschöne Farbe." meinte er unverbindlich und drehte sich um, um einige Gläser zu polieren und sich wieder zu fangen. Wider Erwarten faszinierte der Franzose ihn immer noch, seine Ausstrahlung war einfach umwerfend. Er drehte sich wieder zu Alain und lächelte leicht. "Ihnen gefällt rot?"



"Ja, es hat etwas wärmendes und beruhigendes." meinte er und sah lächelnd auf. "Was ist ihre Lieblingsfarbe?" fragte er dann nach.



"Oh....meine Lieblingsfarbe? Ich mag auch rot, und vor allem dunkles Grün." Victor sah Alain an. "Hier allerdings......klassisch schwarz/weiß." Er sah an sich herunter und breitete die Arme aus. Er trug seine Dienstkleidung : schwarze Hose, schwarze Weste, weißes Hemd und schwarze Fliege.



"Sieht auch gut aus." lächelte er. "Neben weinrot, liebe ich schwarz und violett. Diese Farben sind für mich irgendwie wärmend." er zuckte die Schultern. "Findet das ihre bessere Hälfte auch?" neugierig wie er war musste er Victor noch etwas ausquetschen.



"Ich weiß nicht, sie hat mich noch nie in meiner Arbeitskleidung gesehen. Veronika kommt nicht hierher...sie mag meine Nachtschichten nicht besonders. Und über meine private Kleidung hat sie auch noch nichts gesagt, also nehme ich doch an, das es ihr gefällt." Victor lächelte und strich unbewusst mit den Händen über seine Weste. "Danke für das Kompliment."



"Nicht? Kann ich nicht verstehen, ich liebe die Nacht." Alain bekam einen schwärmerischen Ausdruck im Gesicht. "Oder haben sie Angst im dunkeln? fragte er amüsiert und stützte sein Kinn in eine Handfläche.



"Mir machen die Nachtschichten auch nicht viel aus.....nur manchmal, wenn ich morgens um drei auf mein Fahrrad steige, ist mir schon etwas gruselig." lachte Victor leise. "Aber ich fahre so schnell, das mich nichts böses überfallen kann. Und die Nachtschichten bringen zudem noch mehr Geld...daher mache ich sie auch so gerne. Ich möchte mir nämlich einen Traum erfüllen und darauf spare ich."



"Sind sie so schnell unterwegs?" fragte er grinsend, zog dann eine Augenbraue nach oben. "So? Ein Traum? Verraten sie ihn mir?" fragte er schnurrend.



"Ja...ich fahre fast immer mit dem Rad...ist ein gutes Ausgleichstraining zu dem Stehen hier." Victor entschuldigte sich kurz und führte Kevins Bestellung aus. Den erneuten Drink, den ihm die junge Frau spendierte, lehnte er freundlich lächelnd ab und gesellte sich dann wieder zu Alain. "Ich soll ihnen meinen Traum verraten? Nun, ich möchte einmal in meinem Leben durch die Welt reisen....in verschiedenen Bars und Ländern arbeiten...aber als aller erstes möchte ich nach Schottland."



"Schottland!" Alains Stimme hob sich etwas an, Begeisterung schwang in seiner Stimme mit. "Ja, ein schönes Land, für wahr. Frei, wild und unheimlich schön." ein schwärmerischer Ausdruck machte sich in seinen Augen breit. "Und dafür sparen Sie? Warum suchen sie sich nicht einfach einen Job, z.b. in Edinburgh, der Rest kommt von allein. Glauben sie mir, es funktioniert." wieder setzte der Vampir sein strahlendes Lächeln auf.





"Ja...das finde ich auch." Victors Augen begannen zu funkeln. "Hm...sie haben sicher recht, aber erst einmal brauche ich genug Geld für den Flug. Und Veronika möchte ausgehen, sich amüsieren....und das ist auch nicht gerade billig." Er seufzte leise und lächelte dann. "Aber damit sollte ich sie nicht zutexten.......waren sie denn schon einmal in Schottland?" Fragend sah er Alain an.



"Frauen sind doch immer für Gleichberechtigung, lassen sie sie doch auch mal bezahlen, wenn sie ausgehen will." er zuckte die Schultern und nickte dann. "Ja,...aber das ist schon lange her. Ich habe mit dem Schiff übergesetzt,...und na ja, wie soll ich sagen, es war leicht unangenehm." er rümpfte die Nase und nahm einen Zug seiner Zigarette.



"Ja schon, aber sie ist noch in der Ausbildung und hat nicht soviel wie ich....das wäre nicht okay." meinte Victor und fuhr sich verlegen durch die Haare. "Mit dem Schiff? Das stelle ich mir wirklich sehr unangenehm vor......ich bin kein Freund von Schiffen. Zuviel Wasser um mich herum behagt mir nicht."



"Oh, ein Kavalier, sind heutzutage selten." lächelte er "Nicht das Schiff an sich, es war schon schön, die Kajüte wunderbar bequem...ich hatte nur etwas Probleme mit der Besatzung." und drückte seine Zigarette aus. "Zuviel Wasser? Kein Freund von Schwimmen?...Nachtbaden hat doch was." schnurrte er erneut.



"Na ja....ich bin ein schlechter Schwimmer. Das heißt nicht, das ich im Sommer nicht auch baden gehe." Victor lächelte leicht und fragte sich, warum er einem Fremden so viel von sich erzählte. Da er auf diese Frage keine Antwort fand, fragte er weiter: "Probleme mit der Besatzung? Haben die sich ihnen gegenüber nicht korrekt verhalten?"



"Hm,..." Alain legte den Kopf leicht schief "...sagen wir so, das Essen ließ zu wünschen übrig." und grinste leicht. Die Mannschaft hatte gerade so ausgereicht, das er sich eine Woche lang hatte satt trinken können ohne Gefahr zu laufen mit dem Schiff irgendwo im Nirgendwo zu landen. Es war nicht erste Wahl gewesen, dazu waren die Seemänner entweder zu dünn oder das Blut so mit Alkohol durchsetzt, das Alain entweder hungrig geblieben oder fast selbst betrunken war. Er sah Victor wieder an und lächelte: "Aber hier kann ich mich über den Service nicht beklagen."



"Das freut mich.....ich gebe mir auch die allergrößte Mühe. Nur ein zufriedener Gast wird wiederkommen...Regel Nr.1 in diesem Gewerbe." Victor lächelte zurück, er konnte gar nicht anders. Alles an diesem Mann war irgendwie erhaben...ja das war das richtige Wort. Der Franzose wirkte erhaben...so, als würde er weit über allen Dingen stehen. "Aber ich muss sagen, ich beneide sie....sie waren schon einmal in Schottland, wenn auch die Umstände ihrer Reise nicht die besten waren, hat sie das Land sicherlich dafür entschädigt." Er sah sich verstohlen um, aber niemand wollte etwas von ihm, so stützte er einen Ellenbogen auf die Theke und legte sein Kinn auf die Handfläche. "Erzählen sie mir ein bisschen was über das Land?"



"Nun, ob die Umstände so beneidenswert waren, weshalb ich überhaupt nach Schottland gegangen bin, darüber lässt sich streiten. Aber Recht haben Sie das Land an sich hat schon einiges wett gemacht." erneut suchte der junge Vampir nach einer Zigarette. "Nun was soll ich Ihnen erzählen!?" er drehte die Augen nach oben und überlegte. Er konnte Victor ja schlecht erzählen, das zur damaligen Zeit die Highlander in Kilt und mit Breitschwert herumgelaufen sind. Von den Kriegsunruhen durch England gar nicht erst zu sprechen. "Die Landschaft ist wunderschön. Gerade die Highlands, wild und unberührt. Hügel und weite Ebenen wechseln sich ab. Überall wo man hinsieht nur grün und weiter im Norden dichte Wälder. Die Flüsse und Bäche sind glasklar, man kann bis auf den Grund sehen und ohne bedenken davon trinken. Der Winter ist nicht so kalt wie bei uns, obwohl sie durchaus Temperaturen von -20 C° wenn nicht noch mehr haben. Es ist anders, feuchtere Luft. Die Sommer dafür warm und wenn die Felder reif für die Ernte sind, strahlt das Land als wäre es vergoldet. Wenn man auf den Klippen sitzt und das sich Meer tosend gegen die Felsmauer unter einem bricht, aber man gleichzeitig die Sonne untergehen sieht....ein Traum. Wahrhaftig ein wunderschöner und nicht zu beschreibender Anblick. Man muss es selbst gesehen haben." Alains Gesicht hatte einen schwärmerischen Ausdruck angenommen und seine Augen strahlten, dann lächelte er ihn wieder an. "Was halten sie davon, ich nehme Sie einfach mit. Ich wollte schon längst einen alten Freund dort besuchen." bot er an und nahm einen tiefen Zug.



Victor hing förmlich an Alains Lippen, die Begeisterung, mit der er erzählte, steckte ihn an und er konnte sich die Landschaft bildlich vorstellen und das Meer förmlich riechen. Er seufzte leise und meinte: "Sie erzählen sehr bildlich...ich kann es direkt vor mir sehen." Als er seine letzte Bemerkung registrierte, richtete er sich auf und sah Alain kritisch an: "Sie wollen mich mitnehmen? Einfach so? Entschuldigen sie bitte meine Frechheit, Monsieur Dûmond, aber kein Mensch tut heute etwas einfach nur so......was verlangen sie von mir als Gegenleistung?"



Alain zog eine Augenbraue nach oben und schmunzelte. "Nun, ich bin auch kein Mensch, verehrter Monsieur Severin." Seine Pupillen verengten sich für einen kurzen Moment zu engen Schlitzen, fast meinte man es wäre eine Halluzination gewesen, und nahm einen erneuten Zug. "Und ich habe keineswegs behauptet Sie einfach so mitzunehmen. Ich habe es Ihnen angeboten, und als Gegenleistung verlange ich lediglich ihre Seele." und grinste diabolisch. Er lehnte sich zurück und lachte leise, nahm einen neuen Zug und sah Victor abwartend an.