Victor sah ihn vollkommen irritiert an und wusste nicht, was er davon halten sollte. Hatte dieser Typ jetzt einen Scherz gemacht? Aber Dûmond sah nicht so aus, als würde er scherzen. "Ich denke nicht, das ich für eine Reise nach Schottland meine Seele opfern sollte, Monsieur Dûmond.....auch wenn ich nicht an ein Leben nach dem Tode glaube." Er lächelte nur ganz leicht und wandte sich ab, um Kevins Bestellungen auszuführen. "Es ist nicht nett, meinen Traum auszunutzen um mich aufzuziehen, Monsieur." meinte er leise, als er sich wieder umdrehte.



"So? Denken sie ich ziehe sie auf. Keinesfalls. Nun vielleicht nicht gerade ihre Seele, aber vielleicht ein wenig von ihrem Blut? Was denken sie?" schnurrte Alain und beugte sich wieder nach vorn. "Mein Angebot war ernst gemeint, ich nehme sie mit, den Preis dürfen Sie selbst auswählen." wiederholte Alain seine Offerte.



Victor hob seine Augenbraue. "Etwas Blut? Ich kann ihnen nicht ganz folgen, Monsieur, aber wenn sie es ernst gemeint haben, könnte ich ihnen anbieten, die Kosten abzuarbeiten. Ich bin im Hotelgewerbe, kann kochen, kellnern und sie bedienen. Wenn sie damit einverstanden sind..?." Er sah ihn an, er glaubte nicht, das der Franzose es ernst meinte. Warum in drei Teufels Namen sollte er ihn auch mitnehmen?



"Hm, klingt akzeptabel. Wenn es nach mir geht gilt der Deal." Alain streckte ihm die Hand über die Theke. "Nun?" auffordernd sah er ihn an.



Victor war nun völlig überrascht, sah ihn an und betrachtete die ausgestreckte Hand. "Sie haben es tatsächlich ernst gemeint?" Er lächelte und ergriff sie. "Von mir aus geht der Deal in Ordnung." Ganz kurz nur war er irritiert...Alains Hand fühlte sich total kalt an.....er dachte sich aber nichts dabei. "Jetzt habe ich aber nur ein Problem....wie bringe ich das meiner Freundin bei? Na, ja.....sie wird es akzeptieren müssen."



"Nehmen sie sie doch einfach mit." lächelte Alain und hatte die Wärme von Victors Hand förmlich in sich aufgezogen. Er konnte mit Frauen zwar nicht viel anfangen, aber als Imbiss zwischendurch nicht zu verachten, besonders wenn es noch Jungfrauen waren.



"Das hatte ich eigentlich nicht vor..." sinnierte Victor und lächelte dann verlegen. "Ich meine, sie ist noch in der Ausbildung und ich müsste sie verhalten.....und ehrlich gesagt, so sehr ich sie mag, dazu bin ich zu sparsam..." Wieder fuhr er sich durch die Haare, das machte er unbewusst und immer, wenn er verlegen war.



Alain grinste leicht. Die Verlegenheit amüsierte ihn. "Nun, sie müssen auch nicht." sagte er und drückte seine Zigarette aus um seine verschränkten Arme auf der Theke abzustützen. "Wann wäre es Ihnen denn angenehm, die weiteren Details zu besprechen?"



"Diese Woche habe ich Nachtschicht.......sagen sie mir, wann es ihnen genehm ist. Ich richte mich nach ihnen." Victor war aufgeregt....sein Traum schien sich schneller zu erfüllen, als er jemals gedacht hatte. "Ich kann es kaum fassen..." murmelte er.



"Nun, kein Problem...dann werde ich morgen wieder kommen." er lächelte "Ich bin ein Wesen der Nacht. Und fassen sie es ruhig, es war mein voller Ernst." wisperte er und sah ihn durchdringend an.



"Ich bin morgen in jedem Fall auch hier...sie können mich nicht verfehlen." Victor lachte leise. "Ich bin wirklich sehr froh, das sie heute hier hereingekommen sind.......ein Glückstag für mich. Und ich werde versuchen, mich langsam an den Gedanken zu gewöhnen, das ich dem Ziel meiner Träume so nahe bin wie nie zuvor."



"Gut zu wissen." lächelte er "Näher als sie glauben. Ich hoffe ihre bessere Hälfte wird ihnen nicht den Kopf abreißen, aber sagen sie, haben sie keine Angst? Ich bin ein völlig Fremder, wer weiß vielleicht sogar ein Psycho." und streckte seine Hand aus, wackelte bedrohlich mit den Fingern um dann leise zu lachen.



"Sollte ich Angst vor ihnen haben?" Interessiert blickte Victor Alain an. "Wie ein Psycho sehen sie für mich nicht aus. Und selbst wenn...ich bin nicht so wehrlos, wie sie vielleicht denken mögen. Wenn man nichts riskiert, kommt man nicht weiter. Und mit Veronika werde ich schon fertig...ich verschwinde ja nicht für immer aus ihrem Leben."



"Nein, woher wollen Sie das wissen? Sie sagten doch sie wollten durch die Welt reisen, glauben sie da ist Platz für eine Freundin,....noch dazu in der Ausbildung." er schmunzelte "Und danke, das ich nicht aussehe wie ein Psycho. Und ich weiß nicht ob sie vor mir Angst haben sollten. Vielleicht wäre es angebracht. Was mich darauf bringt, das ich schon gern sehen würde wieso sie nicht wehrlos sind."



"Hm....das heißt, es wäre wohl besser, wenn ich mich von ihr trennen würde. Aber meine Weltreise trete ich ja noch nicht an, sie sagten doch, sie wollten nur einen Besuch machen.....und ich werde versuchen, dort Kontakte zu knüpfen...was ich dann mache, werde ich sehen." Victor runzelte die Stirn und dachte nach: "Warum meinen sie, es wäre angebracht, das ich Angst vor ihnen habe? Haben sie vor, mich zu verführen?" Er lachte leise und meinte dann: "Ich habe seit mehreren Jahren Karateunterricht. Ich kann mich zur Wehr setzen...glauben sie mir."



„Nun, sie wissen ja nicht was ich unter Besuch verstehe." er lächelte geheimnisvoll und beugte sich nach vorn, das Kinn erneut aufgestützt. „Natürlich werde ich Sie verführen." legte er fest und lächelte „Ich werde Sie zu Völlerei und Müßiggang verführen." schnurrte er und lachte leise.



„Kommt darauf an, ob ich mich verführen lasse...ich bin ein sehr beständiger Mensch, der sich normalerweise nicht blenden lässt..." Victor lächelte süffisant. Gegenüber dem geheimnisvollen, zugegebenermaßen faszinierenden Franzosen wollte er sich auf keinen Fall eine Blöße geben. „Aber wer weiß? So eine Reise kann einem völlig neue Perspektiven eröffnen."



Alain kniff die Augen zusammen: „Geiz ist auch eine Todsünde. Eine Charakterschwäche sozusagen." und lächelte wieder „Und ein schwacher Mensch lässt sich leichter beeinflussen, und wird so zu einem Opfer der Dunkelheit." raunte er mit unheilsvoller Stimme. „Nun ja," Alain hatte sich wieder entspannt und fischte nach einer neuen Zigarette „Die Dunkelheit ist für sie aber sicherlich nicht von Interesse oder?" fragend zog er eine Augenbraue nach oben und lächelte freundlich.





„Ich bin nicht geizig...nur sparsam." meinte Victor und runzelte die Stirn. „Ich muss ehrlich sagen, ich kann ihnen nicht so ganz folgen, Monsieur Dûmond. Welche Art von Dunkelheit meinen sie? Ich meine, eine dunkle Seite schlummert doch in jedem von uns. Sei es, das man bestimmte Begierden oder Vorlieben hat, die nicht der Norm entsprechen...egal in welcher Hinsicht, ob körperlich oder geistig. Oder aber man hegt Hassgefühle. Ich sagte schon, ich bin kein gläubiger Mensch.....ich glaube weder an Gott noch an den Teufel...nicht an Dämonen, Vampire oder ähnliches." Victor lächelte unverbindlich.



Alain lachte auf, beruhigte sich dann wieder: „Entschuldigen Sie, aber ich finde euch Menschen so lustig. Ich meine, nicht das es mich stören würde, euch ständig vom Gegenteil zu überzeugen,...verschafft mir immer diesen Aha-Effekt. Ich könnte in den Schreien und entsetzten Gesichtern baden." der Vampir räkelte sich wohlig.



„Wenn es ihnen Spaß macht.." Victor zuckte die Schultern. „Jeder hat so seinen Spleen. Sie möchten Entsetzen verbreiten.....ich will nach Schottland. Und dafür würde ich alles tun." Er wandte sich ab, um noch Saft aus dem Vorratsraum zu holen. Ein seltsamer Vogel...aber Victor verspürte keine Angst...nur eine unstillbare Neugierde in Gegenwart des Franzosen. Er nahm einige Flaschen Saft und stellte sie in den Kühlschrank der Bar, dann sah er sich um. Noch immer nicht voller....er seufzte leise und wandte sich wieder Alain zu.



„Ich möchte? Ich tue es, Monsieur Severin." Alain hatte die Ohren gespitzt und fuhr mit dem Finger über den Glasrand. „Alles? Wirklich alles?" ein düsterer Ton von deutlicher Erregung hatte sich in seine Stimme geschlichen. Alains Augen flackerten, ein Opfer so schnell gefunden zu haben, erfüllte ihn mit stiller Euphorie.



"Na ja....ich würde niemanden umbringen. Und über alles andere kann man reden. Wenn es sich mit meinen Grundsätzen nicht vereinbaren lässt, verzichte ich lieber auf Schottland." Victor nahm ein Tuch und polierte die Theke, um Alain nicht in die Augen sehen zu müssen, deren Funkeln ihm ein komisches Gefühl in der Magengegend bescherten. Im Stillen fragte er sich, worauf er sich da wohl eingelassen hatte.



Alain lachte erneut leise: "Wie nobel. Wir werden sehen, was immer es bedeutete." er lächelte und legte einen Geldschein auf die Theke, fast zwei Drittel davon waren Trinkgeld. "Bis morgen." schnurrte der Vampir, zog seinen Mantel über und verließ die Bar. Sein Glas Rotwein stand noch immer vollkommen unberührt auf dem Tresen.



Victor sah ihm nach, ein leises Bedauern im Blick. Der Franzose war ein interessanter Mann...und ein wenig unheimlich dazu. < Mal sehen, ob er morgen überhaupt kommt...oder ob das ganze nur Geschwätz war....immerhin ist er ein bisschen seltsam> dachte er bei sich und wandte sich dann wieder der Aufgabe zu, diesen todlangweiligen Abend herumzubringen.
Nachdem er Feierabend hatte, machte er sich mit seinem Rad auf den Heimweg.



Alain hatte es sich auf einem Dachsims bequem gemacht, die Beine baumelnd lassend, eine Zigarette in der Hand, beobachtete er das Lichterspiel der Stadt. Der Barkeeper war soeben die Nummer eins auf seiner Liste geworden. Er hatte lange Zeit keinen Ghoul mehr gehabt, es würde sicherlich Spaß machen. Der Vampir liebte es den Menschen gnadenlos ihre Schwächen vor Augen zu führen. Er seufzte, nahm einen tiefen Zug. Als er nach unten sah, erkannte er das Licht eines Dynamos. Alain schloss die Augen und zog die Nachtluft ein. "Schon nach Hause unterwegs, Victor?" flüsterte er und ließ seine Stimme vom Wind tragen.



Victor legte Tempo vor, als er ein Flüstern an seinem Ohr vernahm, das ihn veranlasste, auf die Bremse zu treten und abzusteigen. Suchend sah er sich um, die Stimme hatte geklungen wie die von Alain, aber das konnte doch nicht sein. Der war schon längst zu Hause....und auch nirgends zu sehen. Victor schüttelte den Kopf.....er hörte anscheinend schon Gespenster. Alains Gerede über die Dunkelheit hatte ihn wohl mehr beschäftigt als angenommen. So stieg er wieder auf und fuhr weiter, er wollte nach Hause und ins Bett.



Alain lächelte und erhob sich, lautlos und mit der Nacht verschmolzen, die er so liebte, lief er über die Dachfirsten, folgte Victor. "Hast du Angst?" wisperte er, ließ den Wind seine Stimme tragen. Ein kleines Kichern folgte. Er sprang auf einen Baum, über die Straße, auf das andere Dach. "Aber du bist ja kein gläubiger Mensch, nicht wahr?"



Victor blieb erneut stehen, eine feine Gänsehaut überzog seine Arme. "Wovor sollte ich Angst haben?" fragte er in die Stille und lauschte. "Ich bin doch kein kleines Kind mehr, das sich vor Schatten, Dunkelheit und Stille fürchtet." Victor beschloss, weiter zu fahren, er war hundemüde und dachte, seine Sinne würden ihm einen Streich spielen. Es war niemand zu sehen....und trotzdem lag irgendetwas in der Luft...etwas, das er beinahe greifen konnte.



"Vielleicht vor dem was sich in der Nacht verbirgt." Alain sprang vom Dach, huschte über die Straße und strich Victor über den Nacken, verschwand im Baum, verschmolzen mit der Nacht und der Dunkelheit,.....seiner Heimat.



Victors Nackenhaare begannen sich aufzustellen, als er die flüsternde Stimme hörte und etwas über seinen Nacken strich. Das hatte er sich bestimmt nicht eingebildet...ganz deutlich hatte er eine Berührung gespürt. "Sie machen wohl gerne ihre Scherze mit den Leuten, Alain?" fragte er in die Nacht hinein. "Sie verbreiten Angst und Schrecken.....aber mich erschrecken sie nicht. Zeigen sie sich und sagen sie mir, was sie von mir wollen." Victor stand neben seinem Rad, zog die kühle Nachtluft tief in seine Lungen und lauschte angestrengt.





"Was ich von dir will? Dein Blut, deine Seele...." raunte er und beobachtete ihn aus dem Dickicht der Baumkrone heraus.



"Das hast du vorhin schon mal erwähnt...das ist nichts Neues." Victor war ebenfalls ganz selbstverständlich zum du übergegangen, er war müde und genervt und hatte das Spielchen allmählich satt. "Hör mal, ich bin hundemüde....solche langweiligen Tage zehren an meiner Substanz. Entweder du zeigst dich und begleitest mich ein Stück, oder du lässt es. Ich bin müde und hab keine Lust mehr auf den Scheiß." Victors Stimme hatte einen ärgerlichen Tonfall angenommen.



Alain lachte leise, geschmeidig sprang er vom Baum und trat, mit den Händen in den Hosentaschen, aus dem Dunkel der Nacht, in den Lichtkegel der Straßenlaterne. "Du verdirbst einem richtig den Spaß." schnurrte der Vampir gespielt beleidigt.



Victor seufzte leise. Ganz kurz nur fragte er sich, wie Alain das wohl gemacht hatte...die ganze Zeit unsichtbar zu sein, aber er verwarf den Gedanken rasch, er hatte keine Lust, sich über irgendwelchen Schwachsinn von wegen Dunkelheit und Wesen der Nacht den Kopf zu zerbrechen. "Warum nicht gleich so..." Er gähnte verstohlen und sah Alain an. "Ich bin einfach zu müde, um Späßchen mitzumachen, okay?" Victor schob sein Fahrrad und meinte: "Begleitest du mich jetzt oder nicht?"



Alain lief anmutig auf ihn zu und neben ihm her. "Jetzt erfahre ich auch noch wo du wohnst. Welch Ausbeute für heute Nacht." er lächelte. "Ich spiele zwar gern, aber Späßchen mache ich nicht." raunte er.



Victor verdrehte die Augen und stöhnte leise: "Ich weiß, ich weiß....du bist ein Wesen der Nacht, ein Vampir...du hast es auf mein Blut abgesehen, um deinen Hunger zu stillen....." er rieb sich über die Schläfen. "Kannst du nicht einfach mal damit aufhören? Ich habe dir meine Meinung zu dererlei Dingen bereits gesagt." Er blieb stehen und sah ihn forschend an. "Mich würde eher interessieren, was du wirklich von mir willst."



"Womit?" fragte er unschuldig, er schlich um das Fahrrad herum und stand direkt vor Victor. "Würdest du es mir geben?" schnurrte er und beugte sich etwas hinab um ihn ansehen zu können.



"Ja...sicher..." Victor klang etwas genervt. "Hör doch endlich damit auf....mit diesem Getue von wegen kein Mensch und so.....du weißt, ich glaube nicht an so was und ich habe keinen Nerv dafür." Er sah Alain an. "Ist das der Preis, den ich zahlen muss, weil du mich mit nach Schottland nehmen willst? Das du jetzt jede Nacht dieses Spielchen mit mir spielst?"



Alain lachte leise. "Jede Nacht? Mit dir würde ich auch andere Spielchen spielen." schnurrte er und fuhr ihm flüchtig durchs Haar. "Ich WAR ein Mensch, Victor....doch das ist schon sehr lange her, vielleicht schon zu lange." er klang in Gedanken versunken und seufzte. "Aber du glaubst mir das ja nicht, nicht wahr?" schnurrte er nun wieder.



"Andere Spielchen? Ah ja..." Victor hob eine Augenbraue. Wider Erwarten fühlte sich Alains Hand in seinem Haar ausgesprochen gut an, die Berührung war ihm nicht unangenehm......sie verursachte ihm sogar eine leichte Gänsehaut. Anmerken lassen wollte er sich das natürlich nicht. Er lauschte aufmerksam seinen nächsten Worten und nickte zur Bestätigung: "Ich glaube es nicht....da hast du vollkommen recht." Er begann, weiterzugehen und sein Fahrrad zu schieben. "Wenn du magst, kannst du noch einen Kaffee bei mir kriegen....bevor ich dich hinausschmeiße, weil ich schlafen muss." Victor lächelte Alain an und fragte sich, was in ihn gefahren war. Der Typ stand auf Männer......und er bot ihm Kaffee an. Noch eindeutiger konnte man so eine Situation wohl nicht gestalten.



Alain legte den Kopf leicht schief und schien zu überlegen. Er wandte sich leicht zu ihm um. "Gern, wenn du mich einlädst." er lächelte und lief weiter. "Was sagt deine Freundin denn dazu, wenn du einfach wildfremde Männer zu dir
einlädst?" fragte er fast schnurrend und musterte ihn von der Seite intensiv.



Victor zuckte mit den Schultern: "Ich habe keine Ahnung...bisher habe ich noch nie wildfremde Männer zum Kaffee eingeladen. Außerdem schläft Veronika nicht bei mir...zumindest nicht, wenn ich Nachtschicht habe. Sie fürchtet sich allein in der Wohnung...vor allem im Dunkeln. Manchmal ist sie noch ein richtiges Kind....trotz ihrer 18 Jahre." Er beschleunigte seinen Schritt, es war nicht mehr weit bis zu ihm nach Hause. Nach kurzer Zeit blieb er vor einem grauen Mietshaus stehen. "Hier wohne ich....nicht besonders überragend, aber für mich reicht es" wandte er sich lächelnd an Alain.



"Ist doch egal." lächelte Alain und trat durch die Eingangstür. "Du musst mir schon zeigen wo du wohnst." lächelte er. "Achtzehn? Sie ist noch jung, wahrhaftig."



"Im ersten Stock.....die Treppe rauf und gleich rechts. Ich leide unter Höhenangst, weiter als bis in den ersten Stock kriegst du mich nicht." Victor grinste verlegen ob seiner Schwäche und lief voraus, um die Wohnungstür aufzuschließen. Dann trat er zur Seite und ließ Alain den Vortritt. "Bitte, komm herein, den Flur entlang und dann links...dort ist das Wohnzimmer. Setz dich, ich mache in der Zwischenzeit Kaffee."



Alain nickte ihm leicht zu, ob der Einladung, sonst wäre es ihm nicht möglich gewesen die Wohnung zu betreten. Er setzte sich auf die Couch und zog den Mantel aus. "Hübsche Wohnung." kommentierte er.



Victor hatte die Kaffeemaschine angeschmissen und war Alain ins Wohnzimmer gefolgt. "Danke. Sie ist zwar klein, aber für mich allein ausreichend.......muss man schon nicht soviel putzen" beantwortete er grinsend seinen Kommentar. Er setzte sich auf den Sessel gegenüber und schob ihm einen Aschenbecher zu. "Wenn du rauchen willst...bitte. Vroni raucht auch, von daher macht es mir nichts aus...so lange es nicht im Schlafzimmer ist." Verlegen brach er ab, das war nun wieder mehr als zweideutig gewesen und er fragte sich, was mit ihm los war. Wahrscheinlich die Müdigkeit. "Kaffee müsste gleich fertig sein..." murmelte er leise.



Alain konnte sich ein grinsen nicht verkneifen. Er zündete eine Zigarette an und lehnte sich zurück. "Keine Eile." schnurrte er und sah ihn durchdringend an. "Warum seid ihr Menschen so ungläubig?" fragte er schließlich interessiert.



"Och bitte....nicht schon wieder." Verzweifelt fuhr sich Victor durch die Haare. "Warum in drei Teufels Namen willst du mir partout weismachen, das du kein Mensch bist?" Er sah ihn kopfschüttelnd an und lehnte sich zurück, zog unbewusst die Beine auf den Sessel. "Aber um deine Frage zu beantworten......es sind sicherlich nicht alle Menschen so ungläubig wie ich. Aber sag selbst....wie soll man an Gott glauben, wenn man das ganze Elend auf dieser Welt sieht? Die Pfarrer predigen immer, er würde alles richten...alles was passiert, passiert aus einem bestimmten Grund. Ich bin der Ansicht, das man sich selbst helfen muss......man muss seine Leben selbst in die Hand nehmen und formen...denn nur so funktioniert es. Und wenn ich nicht an Gott glaube, kann ich auch nicht an den Teufel glauben.....die Menschheit selbst ist es, die Böses tut und nicht der Teufel. Götter, Teufel, Dämonen, Geister und Vampire...alles Blödsinn." Victor legte den Kopf in den Nacken und sah an die Decke. "Mir ist dergleichen noch nie begegnet."



Alain lächelte. "Ihr Menschen seht nur das was ihr sehen wollt. Dir sind schon mehr Wesen über den Weg gelaufen als du glaubst, aber du hast sie nicht erkannt, weil du nicht an sie glaubst." er erhob sich, setzte sich auf die Sessellehne bei Victor, beugte sich über ihn. "Nun, es stimmt, ich bin kein richtiger Vampir, ich bin ein Mischling. Meine Mutter war ein Mensch, mein Vater ein Engel ... zum Vampir wurde ich erst viele Jahre später." Er sah ihn intensiv an und lächelte noch immer amüsiert.



"Ah ja...." Victor senkte den Kopf und sah ihn an. "Alain, ich frage mich ernsthaft, ob du nicht einen Psychiater aufsuchen solltest......deine Phantasie scheint in Wahnvorstellung überzugehen." Er rieb sich die Augen und suchte seinen Blick. "Wenigstens weißt du, das deine Mutter ein Mensch war. Und dein Vater.....nun, das was man mir als kleines Kind von Engeln erzählt hat, war, das sie schön sind....rein und gut....stehen über allen Begierden und Bedürfnissen. Es deckt sich nicht mit meiner Vorstellungskraft, das sich ein Engel fleischlichen Genüssen hingibt.......wobei ich mir nicht mal sicher bin, ob unser Pfarrer nicht auch noch ausdrücklich geschlechtslos betont hat." Victor richtete sich auf und meinte: "Der Kaffee dürfte fertig sein."



Alain lachte amüsiert auf. "Mein Vater war alles andere als rein. Er war ein hasserfüllter, zorniger Engel der meine Mutter vergewaltigt hat." Er richtete sich auf und setzte sich wieder auf die Couch. "Dann sieh nach, Victor." er lächelte.



Victor schüttelte nur den Kopf und machte sich auf den Weg in die Küche. Er schaltete die Kaffeemaschine aus, stellte Tassen, Zucker und Milch auf ein Tablett und trug es ins Wohnzimmer. Das Tablett auf dem Tisch abstellend, ließ er sich wieder in seinen Sessel fallen und betrachtete Alain. Er schien wirklich einen an der Waffel zu haben...und Victor fragte sich, warum ihn das nicht mit Unbehagen erfüllte. Er horchte in sich hinein......nein, er wollte immer noch mit ihm nach Schottland fahren. Es war sein größter Traum...dafür würde er selbst mit dem Teufel dealen. Er verzog das Gesicht zu einem Grinsen...nun sprach er schon wie Alain...obwohl er an den ganzen Schmus doch überhaupt nicht glaubte. Er beugte sich vor und goss Kaffee ein, nahm sich selbst etwas Milch und schob die eine Tasse dem Franzosen zu. "Bitte bedien dich..." sagte er lächelnd und nahm einen Schluck. "Hm...." schnurrte er und leckte sich die Lippen. "Tut gut."



"Nun, ich trinke nicht und ich esse nicht." lächelte Alain wieder. "Soll ich es dir beweisen? Ungläubiger?" lachte er leise.



"Ja sicher..." Victor runzelte die Stirn. "Dann beweise es mir....das würde mich jetzt wirklich mal interessieren, wie du das schaffen willst. Alain.....du hast einen Knall.." Er lachte leise.



Alain lächelte ihn nur an und begann im selben Moment in seiner sitzenden, einem Bein übergeschlagenen Position von Victors Couch abzuheben. Er stützte sein Kinn in eine Handfläche und lächelte ihn amüsiert an, indem er gut einen halben Meter über der Couch schwebte.