Victor trank in aller Gemütsruhe seinen Kaffee, beobachtete ihn und meinte dann lapidar: "Soll ich jetzt beeindruckt sein? Du wirst mir nicht vormachen wollen, das du wirklich schwebst.......du bist ein guter Illusionist......vielleicht solltest du Geld damit verdienen." Er gähnte und meinte dann: "Das ich müde bin, vereinfacht das Ganze noch.."



Alain lachte: "Für wahr, du bist ein schwer zu beeindruckender Mensch. Nun dann muss ich wohl noch etwas mehr von mir offenbaren." er begann, noch immer schwebenden, sein Oberteil auszuziehen, entblößte seinen sehnigen, weißen Oberkörper. Er umfasste seine Schultern über kreuz, schloss die Augen und krümmte sich leichter zusammen.
Mit einem Geräusch als würde ein Segel aufblähen, erschienen zwei riesige schwarze Engelsflügel auf seinem Rücken. Noch arg zusammengefaltet zierten sie pechschwarz einen Kontrast zu seiner hellen Haut. Er öffnete die Augen und sah ihn an. "Nun oder muss ich dich noch beißen und zu einem der meinen machen, um dich zu überzeugen?" fragte er nach.



Victor sah ihn an, die Tasse verharrte auf halben Weg zu seinem Mund. Er stellte die Tasse ab, rieb sich die Augen. "Anscheinend träume ich.......zu müde, um das alles zu verstehen. Aber die Flügel stehen dir wirklich gut..." Er war immer noch der Überzeugung, einer Illusion zum Opfer gefallen zu sein. "Alain......was?" In diesem Moment drang seine letzte Bemerkung in sein Gehirn ein. "Beißen willst du mich? Zu einem der deinen machen? Und was hättest du davon?"



"Meinen Spaß." kommentierte er amüsiert, ließ die Flügel verschwinden und saß angezogen wieder auf der Couch. Er nahm eine Zigarette und zündete sie wieder. "Victor, du sollest schlafen gehen, du hast gerade schon geschlafen und geträumt." lächelte Alain und erhob sich. "Geh ins Bett." er strich ihm kurz über die Wange und wollte die Wohnung verlassen.



"Spaß.....deinen Spaß." murmelte Victor vor sich hin. "Vielleicht sollte ich mich wirklich von dir beißen lassen...um deine Art von Humor verstehen zu können." Er seufzte laut und fuhr sich durch die Haare. "Du willst schon gehen........na ja, ist vielleicht wirklich besser, wenn ich ins Bett gehe. Ist schon beinahe Morgen, oder?" Er sah zum Fenster hinaus, wo sich bereits erste Streifen von Licht zeigten.



"Ja es wird Zeit." meinte er mit einem Blick auf den heller werdenden Himmel. "Schlaf gut Victor. Bis heute Abend." schnurrte er und verließ die Wohnung.



"Gute Nacht, Alain...." murmelte Victor und erhob sich. Er ging ins Bad, duschte sich und legte sich dann ins Bett. Seine Gedanken kreisten um Alain und die vorausgegangenen Stunden. Der Mann war außergewöhnlich und Victor ertappte sich dabei, das er sich fragte, wie es wohl wäre, sich von ihm berühren zu lassen. Schnell verdrängte er den Gedanken in die hinterste Ecke seines Gehirns. Er war nicht schwul, er hatte ne Freundin und doch.....aber weiter kam er nicht mehr, denn über diesen verwirrenden Gedanken und Gefühlen schlief er ein.



Alain öffnete leise das Fenster und setzte sich vorsichtig auf die Bettkante. Nur mit einem Hauch einer Berührung strich er ihm über die Wange. "Oh Victor...du wirst bald wie ich ein Kind der Verdammnis sein." er lächelte und seine weißen Eckzähnen blitzten auf. Er beugte sich über ihn und küsste seine Schläfe, strich mit der Zunge eine feuchte Spur zu seinem Mund, ließ seine Zungenspitze über seine Lippen gleiten. "Du gehörst mir." raunte er ihm ins Ohr und verschwand so still wie er gekommen war, durchs Fenster.



Victor murmelte leise im Schlaf und erwachte, als die Sonne hell in sein Zimmer schien. Leise fluchend sah er auf die Uhr....es war zwei Uhr nachmittags. Gähnend und sich streckend setzte er sich auf, als ihm Alain und sein komischer Traum wieder einfielen. Hatte er nicht gesehen, das er schwebte? Und Flügel hatte? Victor schüttelte über sich den Kopf....der Franzose hatte ihn wohl völlig mürbe gemacht. Er stand auf, machte sich Kaffee und etwas zu essen, dann begann er, das Geschirr vom Abend wegzuräumen und zu spülen. Victor griff nach dem Telefon, sah auf die Uhr und legte es wieder zurück. Zu früh....Vroni würde nicht vor 18.00 Uhr zurück sein......heute war Mittwoch, da hatte sie einen Extrakurs, was bedeutete, das sie sich nicht sprechen konnten, denn um 18.00 war er bereits wieder unterwegs. Also versuchte er die Zeit bis Arbeitsbeginn mit Hausarbeit und Fernsehen totzuschlagen.....dabei mehr als einmal an Alain denkend und sich fragend, ob er heute wohl auftauchen würde. Gegen 18.00 machte er sich auf den Weg ins Hotel...er zog sich um und wählte diesmal eine blutrote Weste anstatt der schwarzen. Pünktlich um 18.30 stand er hinter seinem Tresen und begann seinen Dienst.



Alain schlug die Augen auf und fuhr sich über die Lippen, betrachtete seine Fingerspitze. "Blut.." schnurrte er und leckte es genüsslich ab. Er setzte sich auf und strich fast liebevoll über den blutleeren toten Körper des jungen Mannes neben sich. Er küsste ihn auf die Lippen, hinterließ einen blutigen Kuss. "Du warst gut mein Süßer." schnurrte er und stand vollständig



auf. Er duschte sich. So konnte er sich zeigen. Es war Zeit Victor weiter zu bearbeiten. ihn hatte er sich auserwählt. Er lächelte und betrachtete den leblosen Körper in seinem Bett, während er seinen Mantel zuknöpfte. Dann verließ er seine Wohnung um sich an der Hotelbar niederzulassen. "Guten Abend,....Victor." er lächelte.



Victor hatte Alain nicht kommen sehen, da er gerade mit dem Rücken zum Tresen stand. Als er seine Stimme hörte, konnte er nicht verhindern, das ihm eine hauchfeine Gänsehaut über den Rücken lief. Er drehte sich herum und lächelte: "Guten Abend, Alain........ich hoffe, du bist gut nach Hause gekommen. Moment..." Er bestückte rasch Kevins Tablett und verdrehte die Augen, als dieser ihm einen Drink vor die Nase stellte. "Nicht schon wieder, Kev......kannst du der alten Tussi nicht mal sagen, das ich in festen Händen bin?" Victor funkelte ihn an. "Tut mir leid, das hab ich schon...das akzeptiert sie nicht." Kevin zuckte mit den Schultern. "Dann sag ihr, ich bin schwul....ich habe keinerlei Interesse am weiblichen Geschlecht." Er nahm den Drink und kippte ihn wütend in den Ausguss. "Den ganzen Abend macht die mich schon an...." grummelte er. "Dabei ist sie gut 15 Jahre zu alt für mich." Victor suchte Alains Blick und lächelte: "Entschuldige.....ich schwall dich hier zu....." und stellte ein Glas Rotwein vor ihn.



Er nickte ihm dankbar zu. "Ich danke dir." er lächelte und betrachtete Kevin eingehend. Ein gutaussehender junger Mann. Wieder lächelte er und sah Victor wieder an. "Wie geht es dir?"



Victor bemerkte den Blick, den Alain Kevin zuwarf und ein komisches Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus. "Hast du nichts zu tun?" fauchte er Kevin wütend an, als dieser den Blick von Alain seiner Meinung nach viel zu lange erwiderte. "Es geht mir gut...ich hab tief und fest geschlafen. Es tut mir nur leid, das ich kein besserer Unterhalter war." Er sah Alain in die Augen und lächelte entschuldigend. "Ich war einfach zu müde."



"Ist nicht schlimm Victor." er lächelte, streckte die Hand aus und strich ihm flüchtig über die Wange. Einerseits weil er es wollte und andererseits weil er merkte das die Frau zu ihnen sah, und er liebte es Menschen zu schocken. Erneut suchte sein Blick Kevin, blieb auf seinem Hintern liegen und fuhr sich mit der Zungenspitze über die Oberlippe. "Wie geht es deiner Freundin?" fragte er nun wieder Victor und sah ihn an.



Victors Wange kribbelte angenehm von der Berührung, was sich aber sogleich wieder verflüchtigte, als er erneut Alains Blick bemerkte, der Kevin folgte. "Ich habe keine Ahnung...ich habe sie heute noch nicht gesprochen." Seine Stimme hatte einen leicht eingeschnappten Unterton. Er drehte sich um, um Kevins Bestellung auszuführen und fragte sich, warum er sich so aufregte. Er wusste doch, das der Franzose auf Männer stand, also war es logisch, das er ihnen nachsah. Aber wenn er schon wegen ihm da war, dann sollte er gefälligst auch nur ihn ansehen. Victor schüttelte über sich den Kopf und bestückte Kevins Tablett. War waren das nur für bescheuerte Gedanken, fast so, als wäre er eifersüchtig. Victor seufzte leise und fuhr sich durchs Haar, dann sah er wieder Alain an.



"Nicht? Bedauerlich." und lächelte, wieder haftete sein Blick an Kevin. Er drehte sich leicht mit dem Barhocker und lächelte den Kellner an. "Bekommt man durch das kellnern solch ein paar Arme?" fragte er schnurrend und sah ihn durchdringend an.



Victor brodelte leise vor sich hin. Er fragte sich, zu was Alain gekommen war, wenn er vorhatte, den ganzen Abend hindurch mit Kevin zu flirten. Wahrscheinlich war sein Geschwätz von gestern wohl doch nichts weiter als heiße Luft gewesen......wie sagte er immer so schön? Ein Spaß? Genau...Victor kam zu dem Schluss, das sich Alain einen Spaß mit ihm erlaubt hatte, wie er es scheinbar so oft zu tun pflegte. Er beobachtete Kevin, der Alain verlegen antwortete und funkelte ihn böse an, so das dieser sein volles Tablett schnappte und schleunigst das Weite suchte. "Wenn du vorhast, weiter mit Kevin zu flirten, solltest du dich an einen der Tische setzen. Da bist du näher am Geschehen.." meinte er und versuchte, seine Stimme so unbeteiligt wie möglich klingen zu lassen.



Alain lachte leise und sah Victor an. "Gehört das nicht auch zum Service, nett sein zu den Gästen?" er lachte erneut "Oh Victor, mein hübscher ungläubiger Victor...wir werden zusammen nach Schottland gehen, da darf ich doch vorher noch ein wenig Spaß haben, oder? Und flirten bessert das Selbstbewusstsein auf." Erneut drehte er sich zu Kevin um.



"Bin ich nicht nett zu dir? Oder was willst du damit sagen?" Victor sah ihn an. "Zum Service gehören einige Dinge.....Freundlichkeit, Höflichkeit.....und vor allem Unverbindlichkeit." Er drehte sich um, um ein Glas auf das Regal zu stellen. "Meinetwegen kannst du Spaß haben, soviel du willst......wenn du meinst, du müsstest dein Selbstbewusstsein aufbessern...von mir aus."



Alain lachte wieder, drehte sich zu ihm um. "Victor, was bist du so gereizt?" fragte er schnurrend. "Du bist der einzige Mann den ich ins Bett haben will."



"Ich bin nicht gereizt...wie kommst du nur auf diese Idee?" Victor lächelte unverbindlich. "Ich bin also der einzige Mann, den du im Bett haben willst? Und wie kommst du drauf, das ich in dein Bett möchte? Ich habe eine Freundin, Monsieur und eigentlich kein Interesse, mich mit einem Mann auf den Laken zu wälzen."



"Nun, mein Hübscher das liegt daran, das es mir so ziemlich egal ist was du willst. Andererseits, siehst du ja, wenn du dich mir verweigerst muss ich mir jemand anderes suchen." Er drehte sich wieder zu Kevin um und lächelte ihn an. "Hast du ein Handy, Kevin? So heißt du doch oder?"



Victor schoss einen Blick in Kevins Richtung ab, der ihn entsetzt den Kopf schütteln ließ: "Ich heiße Kevin, aber ich habe kein Handy..." und ihn auf der Stelle umdrehen ließ. Er lächelte zufrieden und wandte sich an Alain. "Ich verweigere mich dir? Interessant...soviel ich weiß hast du mich noch nicht mal gefragt, du setzt es einfach voraus...und das obwohl du vorgibst, das dir egal ist, was ich will. " Er lächelte süffisant. "Alain....nimm dir doch für dein Bett, was du willst...es ist mir egal. Ich bin nicht so leicht zu haben....." sagte er in französisch und wandte sich dann einem Gast zu, der am Tresen aufgetaucht war und zahlen wollte.



"Aber vielleicht habe ich gerade beschlossen, das ich dich gar nicht mehr will." meinte er über die Schulter und beobachtete Kevin weiter. "Außerdem, ich nehme mir immer was ich will.....nur überleben es die meisten nicht." Er lächelte den zahlenden Gast an und legte ebenfalls Geld auf den Tresen. "Sag mal Kevin...." begann er und erhob sich von seinem Barkhocker.



"Dann lass es einfach.....ist wohl das Beste so. Ich komme auch allein nach Schottland...irgendwann." Victor spuckte die Worte förmlich aus und knirschte mit den Zähnen. Er steckte das Geld ein und musste Alain hilflos nachsehen...er konnte gar nichts machen.....er war im Dienst. Er beobachtete Kevin und Alain, als er plötzlich seinen Namen hörte. Er drehte sich herum und sah Veronika, die glücklich lächelnd am Tresen stand. "Was machst du denn hier?" fragte er völlig verblüfft und ging zu ihr hinüber. Sie sah sich verstohlen um, zog ihn zu sich hinunter und küsste ihn spontan. "Spinnst du? Doch nicht im Dienst..." knurrte Victor, seine Laune hatte sich durch ihr plötzliches Auftauchen nicht verbessert, im Gegenteil. Veronika merkte das, ein Wort gab das andere und schließlich verließ sie wutentbrannt die Bar. Victor fluchte leise und trat leicht gegen die Verkleidung des Tresen. Heute schien wirklich alles schief zu laufen.



Alain lächelte, strich Kevin über den Nacken und steckte ihm seine Nummer zu. "Meld dich, wenn du Feierabend hast." er lächelte geheimnisvoll und verließ die Bar. Auf dem Dachsims des Hauses gegenüber machte er es sich bequem, harrte die Stunden aus, bis Victor Feierabend hatte. Er lachte leise für sich, dieses Spiel gefiel ihm.



Victor war sehr froh, das die Bar an diesem Abend noch schlechter besucht war als am Abend zuvor. Er hätte Schwierigkeiten gehabt, den Gästen freundlich gegenüber zu treten. "Dieser völlig verblödete Alain..." knurrte er leise vor sich hin, als er die Gläser polierte. Kevin kam, um sich von ihm zu verabschieden. "Na, hat er dir seine Telefonnummer zugesteckt? Wirklich prächtig...ich hoffe, du amüsiert dich gut mit ihm.." seine Stimme triefte förmlich vor Sarkasmus und Kevin grinste: "Bist du eifersüchtig, mein Liebling?" Victor wirbelte herum und klatschte Kevin das nasse Tuch an den Kopf. "Hau ab...mach was du willst. Meinetwegen kannst du mit ihm vögeln, bis dir der Schwanz abfault...das interessiert mich nicht die Bohne." Kevin grinste: "Wers glaubt.....bis morgen, Romeo." Und verschwand. Victor räumte knurrend seine Bar auf und nach einer Stunde verließ er sie ebenfalls. Er schwang sich auf sein Rad und machte sich auf den Heimweg...dabei fiel ihm auf, das er die ganze Zeit an Alain gedacht, aber nicht einen Gedanken an Veronika verschwendet hatte.