Victor sah ihm nach, holte sich aus der Küche etwas zu trinken und ließ sich auf sein Sofa fallen, das Gesicht in den Händen vergraben. Er versuchte verzweifelt, seinen Gefühlen Herr zu werden.....sie waren komplett durcheinander. Er hatte einen Vampir geliebt...obwohl Liebe wohl nicht das richtige Wort war, es war der reine Sex gewesen....ein total geiles, erregendes Erlebnis. Einen Vampir, der verdammt charmant war und verdammt gut aussah und der normalerweise in Victors Welt überhaupt nicht existieren dürfte. Der sein Blut getrunken und ihn so gezeichnet hatte, einen, den er gerne um sich hatte, weil seine Gesellschaft ihn auf eine irrwitzige Art glücklich machte. Victor hob den Kopf und lachte bitter auf. Was war er für Alain? Ein Spielzeug, das er sich zu eigen machen konnte, das ihn amüsierte und befriedigte, eine gewisse Zeit lang und das er tötete, wenn er genug von ihm hatte? Sicher, das war er......er würde darauf warten, bis es Monsieur genehm war, ihn zu sehen. Victor trank sein Glas leer und ging ins Bett, so oder so würde er jetzt keine Antwort auf die Fragen finden. Nach einer Weile schlief er ein, sein letzter Gedanke war, das er am Abend das letzte Mal in der Bar sein würde....er würde kündigen.

Alain betrat seine Wohnung und warf seinen Mantel über die Couch. Er sah kurz ins Schlafzimmer, sie waren schon da gewesen. Na ja, zufrieden sein konnte er. Er duschte und ging danach ins Bett, mit einem kleinen triumphalen grinsen auf den Lippen.
In der nächsten Nacht, saß er lange auf dem Steinsims der Abtei, betrachtete den Himmel und ließ seine Gedanken schweifen, dachte an Schottland und das was ihn vielleicht erwartete, oder eher das was er damals zurückgelassen hatte. Er konnte sich ein lachen nicht verkneifen. Die Uhr sagte ihm, das Victor Feierabend machen würde und erhob sich, leichtfüßig machte er sich auf in Victors Wohnung.

Victor hatte bis nachmittags geschlafen, dann hatte er sich das Telefon gegriffen und Veronika angerufen, sich mit ihr im Park verabredet. Sie hatten lange gesprochen und er hatte ihr erzählt, was er vorhatte und das es besser sei, sie würden sich trennen. Victor hielt sich die Wange, als sie ging, sie hatte ihm eine Ohrfeige verpasst, aber es war ausgestanden.....er war wieder ein freier Mann. Um halb Sieben trat er seinen Dienst an, er hatte mit seinem Chef gesprochen, der es sehr bedauert, aber auch Verständnis für ihn hatte und ihm versprach, ihn jederzeit wieder einzustellen, wenn er genug hatte. Victor hatte gut zu tun, Kevin war nicht erschienen. Und obwohl er darauf hoffte, ließ sich auch Alain den ganzen Abend nicht blicken. Gegen drei Uhr früh machte Victor sich auf den Heimweg.....er radelte und ließ seine Gedanken schweifen, lauschte, ob er vielleicht Alain hörte. Plötzlich trat er in die Bremsen, blieb stehen und riss die Augen auf. In diesem Moment war ihm klargeworden, warum Kevin heute nicht erschienen war...er würde wohl nie mehr in der Bar erscheinen. Victor schüttelte es vor Entsetzen, er hatte Kevin sehr gern gehabt. Trotz allem konnte er Alain nicht verabscheuen....er war ein Vampir und handelte wie einer. Er seufzte leise und war kurz darauf zu Hause angekommen. Er betrat seine Wohnung, ging in die Küche und nahm etwas zu trinken aus dem Kühlschrank.

Alain hob seine Hand und sah auf seine Armbanduhr. "Du bist relativ schnell, mon cherie." meinte er und stützte seinen Kopf in seine leicht geöffnete Faust. Er saß im Sessel und hatte die Beine übereinander geschlagen. "Nun? Hast du deine Dinge erledigt?" fragte er nach.

Victor zuckte leicht zusammen, als er die Stimme hörte, schlug die Kühlschranktür zu und ging hinüber ins Wohnzimmer. Er ließ sich auf die Couch fallen und sah Alain an. "Ich sollte mir angewöhnen, meine Fenster zu schließen..." meinte er lapidar und trank einen Schluck. "Ich hatte Glück, das mein Chef mir geholfen hat....es war gut zu tun und wie du ja weißt, konnte Kevin nicht kommen." Victor stellte seine Flasche auf den Tisch und sprach weiter: "Ich bin seit heute arbeitslos, frei und ungebunden. Meinen Eltern werde ich morgen Bescheid geben, ansonsten habe ich alles erledigt."

Alain betrachtete seine Fingernägel. "So? Sollte ich?" er lächelte und sah sich um. "Soso, frei und ungebunden...schön schön, dann kann ich ja ebenfalls alles in die Wege leiten." sein ruhelos umher wandernder Blick fand in Victor sein Ziel. "Hm, deine Eltern..." meinte er nur.

"Du hast ihn gestern Nacht abgeschleppt, mon ange noir, das hast du mir selbst gesagt." Victor sah ihn ruhig an und spitzte dann die Ohren ob seiner letzten Bemerkung. "Was ist mit meinen Eltern? Sie wissen seit langen von meinem Traum, sie werden sich freuen, das ich ihn endlich wahrmachen kann." Seine Stimme war liebevoll, als er von seinen Eltern sprach, er hatte ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen und auch zu seinem kleinen Bruder.

"Ja und? Was willst du damit sagen?" fragte er und schraubte beide Augenbrauen nach oben. "Mit deinen Eltern? Nichts,...ich habe sie nur einmal erwähnt. Erzähl mir von ihnen."

"Alain......was bist du so gereizt? Habe ich dir irgendeinen Vorwurf gemacht?" Victor sah ihm immer noch ruhig an, lächelte leicht. "Meine Eltern? Die sind klasse.....sie unterstützen meinen Bruder und mich, wo es nur geht. Mein Vater ist Busfahrer, meine Mutter arbeitet in einer Drogerie. Sie leben etwas weiter weg, so ungefähr 80 Kilometer, in einer kleinen Stadt." Victor erhob sich, ging in die Küche und holte sich noch etwas zu trinken. Dann ließ er sich wieder auf das Sofa fallen.

"Ich bin nicht gereizt. Es war lediglich eine schlichte Frage." entgegnete er gleichgültig und besah sich seine Fingernägel. "Soso, das heißt du..." er wedelte mit der Hand "Na du weißt schon,...liebst sie?" fragte er nach und stützte erneut seine Wange an seine leicht geöffnete Faust.

"Wenn du meinst...." sagte Victor nur und trank einen großen Schluck aus seinem Glas. "Ja, ich liebe meine Eltern, sie sind was besonderes. Vor allem meine Mam.." Er lächelte in Gedanken liebevoll, Victors Mutter war klein und energisch...aber herzensgut. "War das bei deinen Eltern nicht so?" fragend sah er Alain an.

Alain sah ihn kurz an und lachte dann auf. Er sah Victor schmunzelnd an. "Welche Eltern?" er streckte sich und sah sich erneut um, fand erneut in Victor sein Ziel. "Wie ich dir bereits erzählte, wurde die Frau, die mich austrug von einem Engel vergewaltigt. Ich wuchs in einem Waisenhaus auf,...na ja, so in etwa zumindest." er wedelt wieder mit der Hand.

"Stimmt, das hattest du mir erzählt. Da ich jetzt glaube, sollte ich das wohl auch glauben......entschuldige" meinte Victor verlegen. Er spielte mit seinem Glas. "Alain...wie bist du zu einem.........Vampir ( er zögerte etwas, es auszusprechen) geworden? Wer hat dich dazu gemacht? Oder willst du nicht darüber sprechen?"

"Hm,..." machte er und sah Victor lange an "...mein Geliebter." gab er knapp zur Antwort. "Als ich im Lazarett lag, hat er mich den Kuss empfangen lassen. Ich wäre so oder so draufgegangen, und er hat mir die Jahre geschenkt, die mir so verwehrt geblieben wären."

"Dein Geliebter..." murmelte Victor vor sich hin und stellte sein mittlerweile leeres Glas auf den Tisch. "Indem er dich zum Vampir machte, hat er verhindert, das er dich verliert. Er hat dich gerettet und gleichzeitig getötet.....dir das ewige Leben geschenkt und dir damit deine Seele genommen. Klingt sehr romantisch......entweder hat er dich sehr geliebt oder er wollte nicht allein zurückbleiben, hat dich aus reinem Egoismus gezeichnet. Warum bist du nicht mehr bei ihm?" Victor sah Alain direkt in die Augen, seine Miene war gelassen.

Alain schmunzelte. "Gut geschlussfolgert, Mister Holmes." er lehnte sich zurück und musterte Victor intensiv. "Und sehr neugierig." stellte er fest. "Warum bin ich nicht mehr bei ihm!? Weil er tot ist." schmunzelte er erneut.

"Stört dich das?" fragte Victor mit einem unergründlichen Funkeln im Blick. "Du weißt, ich habe kaum Ahnung." Er erhob sich, kruschtelte in einer Schublade seines Wohnzimmerschrankes und zog Zigaretten hervor, er setzte sich wieder und öffnete die Schachtel, holte eine Kippe und ein Feuerzeug heraus. Er zündete sie an und blies den Rauch an die Decke. "Er ist tot? Wie das?" Victor fuhr sich durch die Haare, zog die Beine auf das Polster und fuhr fort: "Hast du ihn geliebt?"

"Vampire sind zwar unsterblich aber sie sind nicht unverwundbar." Er beugte sich vor und nahm sich eine Kippe, zündete sie an. "Ja, ich habe ihn geliebt,...und ich liebe ihn noch immer." Alain nahm einen tiefen Zug, inhalierte und blies ihn langsam wieder aus.

Victor sah ihn durch den Rauch seiner Zigarette an und versuchte, das komische Gefühl zu ignorieren, das ihn bei Alains Worten beschlichen hatte. &ltEr liebt ihn noch immer...wie wunderbar pathetisch> dachte er sarkastisch. Wenn er noch einen Beweis dafür gebraucht hatte, was der Franzose in ihm sah, dann war es dieser. Victor war ein Zeitvertreib, ein Spielzeug......er hatte ihn herausgefordert, weil er nicht geglaubt hatte, das war alles. "Liebe bis in alle Ewigkeit.....wie schön. Das macht sich echt gut in einem Kitschroman.....das arme Geschöpf, das seine einzig wahre Liebe verliert und fortan ruhelos durch die Zeiten wandert...." Victors Stimme hatte einen sarkastischen Unterton, er drückte seine Zigarette aus, erhob sich und zog sein Oberteil aus, ließ es auf die Couch segeln. "Ich geh ins Bett...." Er machte sich auf den Weg in sein Schlafzimmer, öffnete im Gehen seine Hose.

Alain betrachtete ihn amüsiert. "Ich bin weder arm noch wandere ich." er schmunzelte und sah ihm nach. "Schlaf gut, Victor." schnurrte er und rauchte genüsslich weiter.

Victor blieb in der Wohnzimmertür stehen und ließ seine Hose fallen, drehte sich noch einmal herum: "Gute Nacht, Alain.......mach doch bitte das Fenster zu, wenn du gehst. Nicht, das mich noch was Böses überfällt..." Er lächelte süffisant und verschwand im Bad, und anschließend ins Schlafzimmer. Seufzend legte er sich ins Bett.....er war wütend und wusste nicht wieso.

"Ich kann sogar ganz normal die Tür benutzen mein Lieber." lächelte er und rauchte weiter, drückte sie dann aus, griff sich eine neue und zündete sie wieder an. Er streckte beide Beine aus und sah durch das Fenster in den Sternenhimmel, soviel er eben von ersten Stock aus sehen konnte.

Victor lag im Bett, war müde und konnte nicht schlafen. Er lauschte......fragte sich, ob Alain schon gegangen war, durch welche Öffnung in seiner Bude auch immer, oder ob er ihn schmoren lassen und dann doch noch zu ihm kommen würde..... als ihn dieser Gedanke beschlich, drehte er sich abrupt zur Wand um. Nein, er hatte es nicht nötig, er wollte nicht mit ihm schlafen.....er würde jetzt die Augen schließen und friedlich dem Morgen entgegenschlummern.....keinen Gedanken an diesen immer noch in seinen Geliebten verschossenen Vampir mehr verschwenden. Victor drehte sich wieder um, sah zur Tür und stöhnte innerlich. Bilder der letzten Nacht waren vor seinem geistigen Auge erschienen und machten die ganze Sache noch schwerer. "Ich will nicht......und ich werde nicht gehen!" entschlossen flüsterte Victor die Worte vor sich her.

Alain drückte die Zigarette aus und erhob sich, ließ die Tür geräuschvoll ins Schloss fallen. Er schlenderte die Treppe hinunter und trat in die Nacht hinaus. Auf der anderen Straßenseite lächelte ihm ein junger Mann entgegen, der ganz in schwarz aber lack gekleidet war. Alain lief auf ihn zu und gab ihm einen Kuss, lief mit ihm dann die Straße hinunter.

Victor hörte die Tür ins Schloss fallen und knirschte mit den Zähnen. Er stand auf, um im Wohnzimmer noch eine Zigarette zu rauchen, schlafen konnte er sowieso noch nicht, seine Hormone schrieen auf und im Innern fragte er sich, was dieser vermaledeite Franzose mit ihm angestellt hatte. Kev's Worte kamen ihm in den Sinn: Eifersüchtig? Nein, er war ganz sicher nicht eifersüchtig...wieso auch. Victor zündete sich eine Zigarette an, trat an seine Balkontür und sah hinaus. Was er sah, fuhr ihm wie ein Blitzschlag in den Magen. Alain und ein Typ....und er küsste ihn. Victor krampfte die Hand ins seine Gardine. "Du verdammtes Arschloch...." sagte er laut und wandte sich ab, ging in die Küche und goss sich ein Viertels Glas Cola ein, das er mit Rum auffüllte. Gierig trank er einen Schluck, das beruhigte seine Nerven. "Dieser Mistkerl...dieser blöde Blutsauger..." schimpfte er vor sich hin. "Was will er eigentlich von mir? Soll er doch vögeln, mit wem er will....wozu braucht er mich?" Er zog heftig an seiner Zigarette und wanderte in seiner Wohnung hin und her.

Alain lief mit dem anderen ein ganzes Stück bis sie an einem hohen Gebäude ankamen in dem er mit ihm verschwand. Erst am darauffolgenden Abend, als die Sonne unterging verließ er das Gebäude wieder, auf dem Weg in seine Wohnung. Dort duschte er, zog sich um und machte sich auf den Weg zu Victor.

Victor hatte sich mehrere Gläser genehmigt und war gegen Morgen halb besoffen auf der Couch eingeschlafen. Als er am späten Nachmittag erwachte, fühlte er sich, als wäre man mit einer Walze über ihn gebrettert....total erschlagen. Sein Kopf dröhnte und er stand vorsichtig auf, schlurfte ins Bad und nahm erst mal Aspirin zu sich. Er duschte und zog sich an, danach ging es ihm schon etwas besser. Er kochte sich Kaffee und telefonierte mit seiner Mutter, erzählte ihr von seinem Plan. Nachdem er aufgelegt hatte, meldete sich sein Magen. Zum Kochen hatte er keine Lust, also beschloss er, zum Hotel zu gehen. Er arbeitete dort zwar nicht mehr, aber er kannte das gesamte Personal und konnte umsonst essen. Kurz nach sechs verließ er seine Wohnung, ging ins Hotelrestaurant und wurde gleich in den Personalraum gebracht, wo er zusammen mit den anderen, die Feierabend hatten, aß. Victor unterhielt sich blendend, hatte Spaß und machte sich gegen zehn langsam wieder auf den Heimweg. Gut gelaunt betrat er seine Wohnung, schmiss den Schüssel auf die Garderobe und betrat leise singend seine Küche, um sich ein Glas Cola zu holen.

"Du hast eine wundervolle Stimme." meinte Alain gespielt bewundernd und klimperte mit den Wimpern. Er nahm einen Zug seiner Zigarette und zog seinen Mantel aus, ließ sich in den Sessel fallen und schlug die Beine über, grinste ihn an.

Victors Nackenhaare stellten sich leicht, er hatte gehofft, das Alain da sein würde und regte sich gleich tierisch über dieses Gefühl der Freude, das ihn erfasst hatte, auf. "Der Sessel scheint zu deinem Stammplatz zu werden." meinte er lapidar, als er sich wieder einigermaßen in der Gewalt hatte. Er nahm sein Glas und setzte sich ihm gegenüber, griff automatisch nach seinen Zigaretten und steckte sich eine an. Er schien sich zum Kettenraucher zu entwickeln, aber das war ihm egal. "Was machst du denn hier? Wolltest du nur meiner Stimme lauschen?"

"So pikiert?" fragte er lächelnd, oder stellte es eher fest. Alain erhob sich und setzte sich direkt und dicht neben Victor. "Nun ich kann auch bequem hier sitzen, mir macht das nichts aus." wisperte er und sah ihn von der Seite an.

"Ist auch ne Möglichkeit, sonst wetzt sich das Polster auf Dauer ab..." meinte Victor trocken. "Und wie kommst du nur darauf, das ich pikiert bin? Ich habe schlecht geschlafen, das ist alles.." Er trank einen Schluck, sah ihn an und hasste sich dafür, das er in der Gegenwart des Franzosen nicht cool bleiben konnte. Wenn er so dicht bei ihm saß, schossen ihm alle möglichen erregenden Gedanken durch den Kopf. Er räusperte sich. "Was willst du?" Was willst du von mir, Alain?"

Alain beugte sich noch ein Stück weiter zu Victor vor. "Schlecht geschlafen? Wieso das?" hauchte er und lächelte, lehnte sich dann zurück. "Wir wollen zusammen nach Schottland gehen, meinst du nicht, das wir da uns ein wenig, na ja, aneinander gewöhnen müssen?"

" Ich hatte einen Kater..." sagte Victor und zog an seiner Zigarette. Er sah dem Rauch nach, der sich an die Decke verflüchtigte und nickte leicht. "Aneinander gewöhnen......willst du feststellen, ob ich schnarche? " Er grinste leicht, zog seine Beine auf die Sitzfläche und lehnte sich zurück. Wenn Alain so lächelte, lief ihm jedes mal ein wohliger Schauer über den Rücken.

"Einen Kater? Wieso das?" fragte er überrascht und schlug wieder ein Bein über. "Nein eigentlich nicht, ich hatte Langeweile." seufzte er "Und wir müssen sowieso noch einige dinge klären."´

"Weil ich getrunken habe..." sagte Victor lapidar. Als er allerdings die nächste Bemerkung hörte, waren die wohligen Schauer verschwunden. "Dir ist langweilig? Und da kommst du zu mir? Bin ich der Lückenbüßer oder was? Das war jetzt wirklich ein charmantes Kompliment, Monsieur Dûmond.......da überschlage ich mich gleich vor Wonne." Victor drückte seine Zigarette so heftig aus, das der Aschenbecher vom Tisch fiel. Grummelnd hob er ihn auf und sammelte die Kippen wieder ein. Victor zündete sich eine neue Zigarette an. "Was willst du für Dinge mit mir klären?" sagte er nun wieder ruhiger.

Alain lächelte amüsiert und beugte sich schließlich zu Victor hinüber, seine Lippen waren fast so dicht an seinem Gesicht das sie fast seine Wange berührten. "Was ist los Victor? Warum bist du so gereizt?" fragte er schnurrend und ließ seinen Blick über seine Konturen gleiten.

"Nichts ist los......außer, das ich keinen Bock habe, dein persönliches Playmate zu sein, das du nur besuchst, wenn du Langweile hast." Er schluckte, die Nähe zu Alain ließ ihn innerlich zittern. Gott, was war er scharf auf diesen Mann. Mit sehr großer Anstrengung unterdrückte er die Versuchung, ihn an sich zu ziehen und zu küssen, bis er keine Luft mehr bekam. "Was willst du mit mir klären?" fragte er nochmals und fuhr sich verlegen durch die Haare.

"Hm..." Alain schnurrte laut "...du bist ja eifersüchtig, Victor." er lächelte und leckte ihm, mit der Zungenspitze über die Wange bis zu seinem Hals und biss dort zärtlich hinein. Er erhob sich und drückte seine Zigarette aus.

"DAS bin ich nicht.." protestierte Victor, gleichwohl wissend, das der Franzose gar nicht mal so unrecht hatte. Er wollte noch etwas sagen, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken, als er Alains Berührungen spürte. Der Biss in den Hals ließ ihn zittern vor Lust, es war Wahnsinn, was für eine Macht dieser Mann schon über ihn besaß. Bedauernd sah er auf, als sich Alain von ihm löste. "Sagst du mir jetzt bitte, was du mit mir klären wolltest?" fragte er ruhig.

"Nur unwichtige Dinge eigentlich." erwiderte Alain und setzte sich wieder, verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich hab einen Flug gebucht, für nächste Woche Freitag, 18:00 Uhr."

"Nächste Woche Freitag...." Victor überlegte. Noch genau eine Woche und er würde das Ziel seiner Träume erreichen. Seine Mutter wusste Bescheid, sie würde sich um die Wohnung kümmern , er brauchte nur das Notwendigste zu packen. "Wahnsinn...." er strahlte Alain an, beugte sich vor und küsste ihn spontan.

Alain lächelte amüsiert. "Wahnsinn? Nun wenn du das so bezeichnen magst."

"Ja!" Victor nickte eifrig. "Für mich ist das Wahnsinn. Ich spare schon seit einem Jahr auf Schottland und das es jetzt so plötzlich zum Greifen nahe ist, kann ich kaum fassen." Er stand auf, lief an die Balkontür und sah hinaus, dann kam er wieder zurück und setzte sich erneut neben Alain. Er sah ihn lange an, und meinte dann leise: "Wirst du heute bleiben?"

Alain sah ihn an. "Bleiben?" er schmunzelte amüsiert "Darf ich das als Angebot verstehen?" fragte er schnurrend und beugte sich weiter zu ihm hinüber, sah ihm tief in die Augen.

"Nun, solltest du wissen wollen, ob ich schnarche, musst du mir schon die Chance zum einschlafen geben...und nicht mit irgendwelchen Typen in der Nacht verschwinden." Victor erwiderte den Blick, einen unergründlichen Ausdruck in den Augen. "Ein Angebot? Nicht unbedingt......ich biete mich normalerweise nicht an. Entweder, du hast Lust zu bleiben oder nicht.....das liegt ganz allein an dir, mon ange noir." Seine Stimme wurde leiser, als er den Kosenamen aussprach.

Alain sah ihn an und begann leise zu lachen. "Soso, ich verschwinde mit irgendwelchen Typen in der Nacht. Kann es sein das du mich gestern beobachtete hast, mon cherie?" schnurrte er "Du hast Recht es liegt allein bei mir, du wirst es schon merken."

"Ich hab dich zufällig gesehen, weil ich nicht schlafen konnte und am Fenster stand. Das ist alles." Victor beugte sich vor und griff nach einer Zigarette, zündete sie an. Er lehnte sich zurück, blies den Rauch an die Decke und fuhr sich wie unabsichtlich durch die Haare. "So, ich werde es also merken, ob du Lust zum bleiben hast? Dann kann ich nur hoffen, ich schlafe darüber nicht ein.......im Halbschlaf Sex zu haben, deckt sich nicht mit meinen Vorstellungen von einem gelungenen Abend." Er lächelte vielsagend.

Alain sah ihn an, verstummte. "Sex, wer redet hier von Sex?" fragte er nach. "Tja wenn es das ist was du willst, dann werde ich wohl gehen." er erhob sich und nahm seinen Mantel auf, zog ihn über.

Victor sah ihn völlig überrascht an. "Wenn es das nicht ist, was du von mir willst, was in drei Teufels Namen willst du dann von mir? Mein Blut als kleinen Snack zwischendurch? Meine Gesellschaft? Meine Seele?" Er erhob sich ebenfalls und stellte sich vor ihn, sah ihn an. "Sex ist hier nicht der zentrale Punkt, Alain, auch wenn das ungewollt so rüberkam. Deine Gesellschaft ist mir auch so sehr angenehm, wenn ich auch deine Beweggründe nicht verstehe. Wieso ausgerechnet ich?"

"So ist sie das?" Alain grinste leicht, umfasste Victors Kinn, fuhr mit dem Daumen über seine Lippen. "Warum du? Weil ich es so will." er bleckte seine Eckzähne und ließ von ihm. "Ich komme später wieder." meinte er, ließ ihn los und verließ die Wohnung.

Victor sah ihm nach und ballte die Hand zu einer Faust, schlug damit wütend auf die Lehne seiner Couch ein. "Weil du es so willst? Du Arsch.......vögelst in der Gegend rum, liebst immer noch deinen toten Vampir......und ich bin der kleine Notbehelf, wenn du Langweile hast oder wie? Was ist mit dem, was ich will? Ich bin immer noch ein Mensch.....ein eigenständiges, selbstdenkendes Wesen.." Er ließ sich auf die Sitzfläche fallen und griff nach einer Zigarette, zündete sie an und inhalierte tief. Was erzählte er da eigentlich? Wenn er es recht überlegte, war er in Alains Nähe schon lange kein selbstdenkendes Wesen mehr...eher ein sabbernder Troll. "So, und du denkst, ich erwarte dich mit bebendem Herzen und glühenden Augen, mon ange noir? Wenn du dich da mal nicht täuscht..." Victor war geladen, drückte seine Zigarette aus, schnappte seinen Schlüssel und 1verließ die Wohnung. Er musste noch ein paar Runden um den Block drehen, damit er gelassener wurde....er schnappte sein Fahrrad und trat kräftig in die Pedale.

Alain hatte sich auf seinen Steinsims zurückgezogen. Die Arme hinter dem Kopf verschränkt, lag er auf dem Dach und betrachtete den Himmel. Hörte in der Ferne wie Victor seine Wut in mechanische Energie umwandelt. Alain entlockte das ein leises Lachen.

Victor war in Richtung Park unterwegs und froh, das es mitten in der Nacht war, er fuhr ohne auf irgendwelche Verkehrsregeln zu achten. Im Park angekommen, bremste er, stieg ab und beschloss, ein Stück zu laufen. Nach 10 Minuten ließ er sich auf eine Bank fallen und steckte sich eine Zigarette an, rauchte genüsslich und sah in den Himmel. Er war völlig in Gedanken versunken, als er von der Seite angesprochen wurde. "So spät noch allein unterwegs? Kannst wohl auch nicht schlafen..." Victor schrak zusammen, er hatte niemanden kommen gehört. Er wandte den Kopf und sah einen Mann neben sich sitzen, etwas älter als er mit grünen Augen, die ihn intensiv musterten. "Mag sein, was geht dich das an..." meinte er genervt und erhob sich. "Ich wollte gerade gehen und nein, ich habe kein Interesse an Sex und auch mein Blut werde ich nicht hergeben....." Er drehte sich herum, schnappte sein Fahrrad und stieg auf, radelte aus dem Park. "Jetzt seh ich schon überall Vampire..." knurrte er und machte sich auf den Heimweg......mittlerweile fühlte er sich ausgepowert genug.

Alain setzte sich auf und stützte einen Arm auf seinem Knie ab, beobachtete das treiben. Er sprang vom Dach und schlenderte Victor entgegen. "So mies gelaunt, mon cherie?" fragte er amüsiert als er ihn von weitem erkannte.

Victor sah auf und trat auf die Bremse, das hatte ihm jetzt noch gefehlt, das Alain mitbekommen hatte, das er sauer war. Er wollte doch den Unbeteiligten spielen, falls der gnädige Herr sich bequemt hätte, wieder bei ihm zu erscheinen und jetzt hatte er ihn eiskalt erwischt. "Ich lass mich nun mal nicht gern von irgendwelchen Typen anmachen, die plötzlich und lautlos wie ein Pilz aus dem Boden schießen." Seine Augen funkelten, er stieg ab und schob sein Fahrrad die letzten Meter zum Haus. Dabei zählte er langsam bis zehn, atmete tief ein und öffnete die Tür. "Wolltest du wieder zu mir?" fragte er, bemühte sich um Gelassenheit und das gelang seiner Meinung nach auch recht gut.

"Anmachen? Von wem?" wollte er wissen und sah ihn fragend an, setzte sich dann auf den kleinen Mauervorsprung, der eine Einpflanzung umrahmte. "Ja, eigentlich schon." seufzte er.

"Im Park saß plötzlich einer neben mir auf der Bank und quatscht mich an von wegen so spät noch allein unterwegs kannst wohl auch nicht schlafen..." Victor imitierte den Fremden in Tonlage und Stimme und schüttelte leicht den Kopf. "Und ich hab ihn noch nicht mal kommen gehört." Er stand im Türrahmen und sah Alain an. "Wenn du zu mir willst, dann komm rein. Ich hab genug von frischer Luft und obskuren Typen." Er stieß sich ab und ging auf Alain zu, lächelte. "Komm, wir setzen uns auf die Couch, rauchen eine zusammen und unterhalten uns, wie klingt das?"

Alain runzelte die Stirn, sah auf den Boden. "Wie sah der aus?" wollte er wissen und hatte Victor gar nicht zugehört.

Victor seufzte und ließ sich neben ihm auf dem Mauervorsprung nieder. "Spielen wir hier 'Drei Fragen'? Es war dunkel, mon ange noir, so genau hab ich ihn nicht gesehen. Ich weiß nur, das er stechend grüne Augen hatte und ungefähr so groß wie ich war." Er sah Alain von der Seite her an: "Also, was ist nun? Lass uns nach oben gehen."



"Grün?" fragte er überrascht und sah Victor an, erhob sich dann. "Ich muss noch mal, komme nachher vielleicht." er steckte die Hände in die Manteltaschen und stiefelte los, in Richtung Park.

Victor sah ihm nach, erhob sich und stampfte wütend mit dem Fuß auf. "Mach doch, was du willst....ich geh jetzt ins Bett........Idiot." fluchte er leise vor sich hin und schmiss die Haustür mit Wucht ins Schloss, ungeachtet dessen, was die Nachbarn dazu sagen würden. In seiner Wohnung angekommen, ging er ins Bad, wusch sich und zog sich aus, legte sich ins Bett, schnappte sein Buch vom Nachttisch und begann zu lesen.

Alain machte sich auf die Suche nach demjenigen der gewagt hatte Victor anzusprechen. Und wenn er ihn fand, dann.... Ein bestialisches Grinsen umspielte Alains Mundwinkel. Man kannte ihn doch, und wenn ihm etwas gegen den Strich ging, war nicht gut mit ihm Kirschen essen. Nach einer Stunde stand Alain vor Victors Tür und klopfte, wischte sich angeekelt das Blut vom Mantel. "Victor, mach auf...ich muss das hier unbedingt auswaschen." knurrte er.

Victor wurde durch das Klopfen aus seinem Halbschlaf gerissen, knurrend und verschlafen tapste er zu Tür und öffnete sie. "Hast du das Fenster nicht gefunden?" maulte er und gab den Weg frei, um Alain eintreten zu lassen. Im Licht des Flurs betrachtete er ihn genauer und sah das Blut. "Was ist das? Hast du gesabbert?" Victor gähnte leicht. "Zieh ihn aus und gib ihn mir, das muss man sofort auswaschen, sonst geht es nicht mehr raus. Ich mach das..." und deutete auf den Mantel. Insgeheim fragte er sich, warum ihn das alles so kalt ließ.... es war drei Uhr morgens, er stand in Boxershorts in seinem Flur mit einen Vampir, dessen Mantel voll Blut war. Victor kam zu dem Schluss, das er auf dem Weg in die Unzurechnungsfähigkeit bereits ein gutes Stück zurück gelegt hatte. Er streckte die Hand aus, wartete darauf, das Alain ihm den Mantel gab.

Alain sah ihn an, zog eine Augenbraue nach oben, aber bitte sehr, er war ja nur Gast. Er zog den Mantel aus und drückte ihn Victor in die Hand. Der konnte ja regelrecht bissig sein. Er schmunzelte und verzog sich ins Wohnzimmer.

Victor schlurfte mit dem Mantel ins Bad, wusch das Blut mit kaltem Wasser aus, hängte ihn auf einem Bügel über die Badewanne und ging ins Wohnzimmer zu Alain. Gähnend ließ er sich auf das Sofa fallen, grapschte nach seinen Zigaretten und zündete sich eine an. "Ich hab alles rausgekriegt...allerdings wirst du ihn die nächsten paar Stunden nicht anziehen können....der ist tropfnass." Er zog die Beine auf die Sitzfläche und schlang seine Arme darum, eine Gänsehaut hatte sich auf seinem Körper gebildet....es war kühl im Raum.

"Das ist nicht so wichtig." meinte er und zündete sich ebenfalls eine Zigarette an, griff dann nach einer Decke um legte sie Victor um die Schultern. Er inhalierte genüsslich. "Warum gehst du nicht schlafen?" fragte er.

Victor kuschelte sich in die Decke. "Danke.....weil ich im Schlafzimmer nicht rauchen kann..." meinte er dann und grinste verschmitzt. "So müde bin ich gar nicht mehr, es ist nur kalt gewesen. Und wenn ich schlafen gehe, kann ich mich nicht mit dir unterhalten."



"Wer sprach davon das ich mich unterhalten will?" Alain sah ihn fragend an, seufzte aber und machte es sich in seiner Ecke gemütlich. "Worüber willst du dich denn unterhalten." fragte er und schlug die Beine übereinander.
"Dann eben nicht......vergiss es einfach. Ich werde ins Bett gehen." Victor war eingeschnappt, drückte seine Zigarette aus und erhob sich. "Gute Nacht, Alain." Er wandte sich ab, um in sein Schlafzimmer zu gehen.

"Was sind wir empfindlich." der Vampir zuckte die Schultern, rauchte weiter. "Gute Nacht Victor, mon cherie." flötete er fröhlich hinterher und winkte.