Victor blieb im Türrahmen stehen und drehte sich um. "Du machst mich wahnsinnig.." fauchte er und seine Augen blitzten. "Vorhin wolltest du keinen Sex, jetzt willst du keine Unterhaltung...was willst du eigentlich? Meinen Sessel beanspruchen? Oder nur deinen Mantel reinigen lassen?" Er trat wieder einen Schritt ins Wohnzimmer hinein. "Ich begreife es nicht, Alain......."

"Woher willst du wissen das ich keine Unterhaltung will?" fragend sah er ihn an, kuschelte sich noch mehr in seine Couchecke. "Du begreifst einiges nicht Victor, aber das ist nicht schlimm." lächelte er milde.

"Bitte hör auf mit deinem milden Lächeln...du siehst aus wie der Erzengel Gabriel und das bist du weiß Gott nicht." Victor kochte auf kleiner Flamme. "Du sprichst mit mir wie mit einem Kleinkind, aber das bin ich nicht. Vor ein paar Minuten hast du gesagt "Wer sprach davon das ich mich unterhalten will.." äffte er ihn nach. "Daraus folgere ich, das du es nicht wünscht. Also, warum drehst du mir dann das Wort im Mund herum? Mag sein, das ich einiges nicht begreife...ich lebe auch noch nicht so lange wie du."

"Aber vielleicht sein Sohn." gluckste er und stützte seine Wange in eine Handfläche. "Dann verhalte dich nicht wie eines." erläuterte er und zog an seiner Zigarette. "Im übrigen, war das eine rhetorische Frage gewesen, aber egal...wolltest du nicht schlafen gehen?" mit hochgezogenen Augenbrauen sah er ihn an.

"Gut...." meinte Victor und sah ihn an. "Ich verhalte mich also wie ein Kleinkind.....dann sollte ich wirklich schlafen gehen, es wird Zeit. Vielleicht kommen meine Gedanken und Gefühle im Schlaf zur Ruhe und lösen sich in Wohlgefallen auf....das wäre echt nicht schlecht." Er verließ das Wohnzimmer und legte sich zurück in sein Bett, drehte sich zur Wand und starrte diese an. Er kam sich vor wie auf einer Achterbahn...himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.....wütend und traurig...und das alles gleichzeitig. Der Franzose stürzte ihn von einem Wechselbad der Gefühle ins nächste....und Victor wusste langsam nicht mehr, wie er dem Herr werden sollte.

Alain grinste, und je mehr Victor sich aufregte um so breiter wurde sein Grinsen. Er drückte die Zigarette aus und zündete eine neue an, legte sich der Länge nach auf die Couch und sah an die Decke, kleine Kreise mit dem blauen Dunst bildend.

Victor drehte sich von einer Seite auf die andere und lauschte immer wieder angestrengt. War Alain nun gegangen oder nicht? Die Tür hatte er nicht gehört, aber das sollte ja nun nichts heißen. Nach zwanzig Minuten hielt er es nicht mehr aus, er stand auf, ging auf die Toilette und danach ins dunkle Wohnzimmer, um noch eine Zigarette zu rauchen. Seufzend trat er an die Balkontür und sah hinaus.



Alain meinte nach einer Weile leise. "Was ist kannst du nicht schlafen?" und drehte den Stummel zwischen Daumen und Zeigefinger, betrachtete die Glut.

Victor zuckte etwas zusammen, er hatte Alain überhaupt nicht bemerkt, hatte gedacht, er wäre schon gegangen. "Nein...." sagte er leise, drehte sich um und ließ sich in den Sessel fallen, griff nach seiner Zigarettenschachtel und zündete sich eine an. Er blies den Rauch an die Decke, zog die Beine an und legte das Kinn auf seine Knie.

"Und warum nicht?" er nahm einen letzten Zug und drückte die Glut mit Daumen und Zeigefinger aus, warf den toten Stummel in den Aschenbecher.

"Ich kann es dir nicht sagen....." Victor malte mit seinem Finger kleine Kreise auf sein Schienbein. " Ich wälze mich nur hin und her...vielleicht sollte ich mir noch ein wenig Rum gönnen....der betäubt." Er lächelte und schnippte die Asche in den Aschenbecher.

"Warum kannst du es mir nicht sagen?" fragte er leicht verblüfft und gähnte dann. "Hm, ich glaub ich bleib wohl doch heut Nacht, denn bis zu mir hab ich keinen Bock mehr." und massierte sich die Augen.

"Wenn du hier bleibst, geh doch ins Bett. Ist bequemer als auf der Couch.." meinte Victor leise. Er erhob sich, ging in die Küche und holte sich etwas zu trinken, kam zurück und strich im Vorbeigehen Alain durch die Haare. Dann ließ er sich wieder in den Sessel fallen und trank einen Schluck. "Ich kann nicht schlafen, weil meine Gedanken sich überschlagen....."

Er erhob sich, zog sich das Shirt über den kopf und warf es auf die Couch. "Lass die Gedanken Gedanken sein." meinte er dazu nur und zog seine Hose aus, tapste ins Schlafzimmer und kuschelte sich in die Laken.

"Das sagst du so einfach..." murmelte Victor und trank sein Glas leer, rauchte seine Zigarette zu Ende und trug das Glas in die Küche. Dann folgte er Alain ins Schlafzimmer, legte sich ins Bett und zog die Decke bis zum Hals, vergrub den Kopf im Kopfkissen. "Nacht....." sagte er leise.

"Hmm...." murmelte Alain nur, denn er war schon fast gänzlich eingeschlafen, das Kissen geknautscht lag er bäuchlings auf dem Bett.

Victor drehte sich, so das er ihn ansehen konnte.....soviel er im Schein der Straßenlaternen, der durch das Fenster schien, eben sehen konnte. Er hatte seinen Arm unter seinem Kopf angewinkelt und fuhr mit den Augen seine Konturen nach. Victor lächelte und schüttelte leicht den Kopf. In ein paar Tagen hatte sich sein Leben komplett verändert. Neben ihm lag ein Vampir, allein diese Aussage hätte ihn vor kurzem noch veranlasst, in schallendes Gelächter auszubrechen. Vorsichtig erhob er sich noch mal, um seine Jalousien runter zu lassen.....sein Zimmer lag im Osten und er wollte verhindern, das die Sonne Alain weckte.

Alain schlief tief und traumlos, eigentlich selten aber nicht unangenehm. Er kuschelte sich in die Laken und rutschte während der Nacht immer näher zu Victor. Der warme Körper neben ihn, schien seinen kalten, wie Licht die Motten, anzuziehen.

Victor war irgendwann auch eingeschlafen, in die Decke gewickelt. Gegen Morgen wachte er auf, weil ihn etwas irritierte......bis ihm einfiel, das er ja nicht allein im Bett war. Alain war ziemlich nahe an ihn herangerutscht und Victor war es warm...so überbrückte er die kurze Distanz zwischen ihnen und schmiegte sich mit dem Rücken gegen Alains Brust. Die Nähe zu ihm beruhigte ihn und er fiel diesmal in einen tiefen traumlosen Schlaf.

Alain murmelte irgendwas, als ihn die Hitze des menschlichen Körpers erfüllte und wie automatisch rutschte sein Arm über die Taille von Victor. Der leblose Körper genoss das Gefühl des Lebens.

Im Schlaf kuschelte sich Victor so fest wie nur irgend möglich an Alain, sein Unterbewusstsein genoss es, nicht allein im Bett liegen zu müssen. Er atmete ruhig und gleichmäßig und träumte von Schottland. Irgendwann ergriff er die Hand, die über seiner Taille lag und verschlang seine Finger mit den ihren. Als er dann schließlich die Augen aufschlug, war er verwirrt, er sah auf die Uhr...es war ein Uhr nachmittags. Er wollte sich strecken und stieß an seine Grenzen, neben ihm lag Alain und das sehr dicht.

Der Vampir schlief tief und fest, ließ sich durch nichts stören, einzige der feste Händedruck mit der er Victors Hand festhielt, zeugte davon das er nicht gewillt war Victor jetzt einfach so gehen zu lassen.

Victor versuchte vorsichtig, sich aus Alains Griff zu befreien, er wollte ihn nicht stören. Leider erwies sich das als vergebene Liebesmüh.....der Vampir ließ ihn nicht los und war auch nicht wachzukriegen.... er schlief wie ein Toter. < na, das ist er ja auch> dachte Victor sarkastisch und gab es auf, er kuschelte sich zurück und versuchte, das wohlige Gefühl zu ignorieren, das ihn beschlich, als er näher darüber nachdachte. Er schloss die Augen und versuchte, wieder einzuschlafen, was ihm nach einer Weile auch gelang.

Gegen Nachmittag bequemte sich der Vampir ein Auge zu öffnen. Knurrend bemerkte er noch immer die Helligkeit die durch die Jalousie trat. Aber es war nicht weiter schlimm, er würde nicht gleich brennend durch die Gegend rennen. Er streckte sich und bemerkte das seine Hand mit Victors verschlungen war. Vorsichtig versuchte er seine herauszulösen.

Victor öffnete die Augen, als er Alain knurren hörte. Er war schon eine Weile nur noch am dösen und hatte auch schon versucht, seine Hand zu lösen, vor allem, weil seit ungefähr 10 Minuten seine Blase drückte wie verrückt. "Endlich wach? Wie wunderbar..." murmelte er, öffnete seine Finger, entzog sich Alains Hand nicht ohne Bedauern und verschwand augenblicklich in der Toilette. Als er wiederkam, grinste er: "Das war wirklich höchste Eisenbahn...." trat auf das Fenster zu und zog zusätzlich die Vorhänge zu. "Besser?" meinte er nur, als er sich wieder ins Bett fallen ließ.

Alain ließ ihn los, drehte sich und vergrub das Gesicht wieder im Kissen. "Hmm,." murmelte er zustimmend gegen das Kissen und streckte sich erneut, stieß durch seine Größe an der Wand an und knurrte leise.

Victor lag auf der Seite und beobachtete ihn, kam nicht umhin, frech zu grinsen. "Du bist zu groß......dabei ist das Bett schon riesig. Wenn du hier öfter übernachten willst, muss ich mir wohl ein anderes Bett zulegen.."

Alain grummelte. "Was kann ich denn dafür." und öffnete langsam die Augen, blau blitzte es durch die zwei Schlitzen hindurch. "Mein Bett ist auch nicht viel größer." informierte er.

"Tja, das ist Schicksal....wenn du nicht der Norm entsprichst, musst du mit Unbequemlichkeiten rechnen." Victor grinste immer noch, irgendwie war es ganz angenehm, mit Alain in einem Bett zu liegen und ihn zu beobachten......verschlafen und verknauscht. Es machte ihn menschlicher....dieser Gedanke ließ Victor innerlich grinsen. "Hast du Hunger?" fragte er leise, um sich gleich darauf zu unterbrechen. Das war ein Faux Pax gewesen.

Alain grinste und schloss erneut die Augen. "Ja, habe ich. Und er wird noch größer werden." seine Stimme klang dunkel und grollend, als er die Augen öffnete waren sie wieder eisblau und seine Pupillen erweitert.

Victor sah ihn ruhig an, er hatte völlig automatisch an essen gedacht, weil sein Magen leicht knurrte. Und natürlich hatte er wieder mal vergessen, das Alain nur Flüssignahrung zu sich nahm. "Ich dachte es mir schon.......das einzige was ich dir anbieten kann, ist das hier." Und er deutete auf seinen Hals.



Alain setzte sich auf, im Schneidersitz, schüttelte den Kopf. "Nein. Von dir will ich nicht." <...noch nicht.> fügte er in Gedanken hinzu.

Victor rutschte bis an das Kopfteil, richtete sich daran auf und lehnte sich an. Er zuckte leicht mit den Schultern. "War nur ein Vorschlag..." Gähnend streckte er sich und wuschelte sich durchs Haar, dann sah er Alain wieder an. "Und jetzt? Was macht man mit einem angebrochenen Nachmittag im Bett mit jemandem, den man nicht zum Essen einladen kann?"

"Weiterschlafen, duschen oder Fernseh gucken." zählte er auf und sah ihn dann an. "Ich werd erst mal duschen gehen." und erhob sich.

"Tu das..." Victor ließ sich wieder hinuntergleiten und vergrub den Kopf im Kissen, sich bemühend, unbeteiligt zu klingen. Eigentlich war es eine Anspielung gewesen, aber Alain schien mit Absicht nicht darauf einzugehen und das ärgerte ihn. Er sah ihm nach und seufzte leise. Seine Hormone befanden sich sowieso in Aufruhr, er war 25 und gesund...da brauchte man Sex.....mindestens alle zwei Tage. Schließlich erhob er sich, schlafen konnte er eh nicht mehr, also beschloss er, sich Kaffee zu machen und etwas zu essen.

Alain kam aus der Dusche zurück, nur ein Handtuch um die Hüfte und eins auf dem Kopf, die Haare trockenrubbelnd. "Wieso schmeckt euch das Zeug eigentlich so gut?" wollte er wissen und deutete auf den Kaffee.

"Du stellst Fragen, du bringst mich glatt aus dem Konzept...." nuschelte Victor, der gerade von seinem Brot abgebissen hatte und kaute, dabei mühsam versuchte, das Kribbeln, das ihn bei Alains Anblick beschlich, zu ignorieren. "Ich mag es einfach...es macht mich wach, es schmeckt mir......mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich könnte dich das gleiche fragen.....warum schmeckt dir Blut...mal abgesehen von der Tatsache, das du es als Nahrung brauchst."

"Weil ich nichts anderes zu mir nehmen kann, ihr Menschen das Zeug aber tonnenweise schlürft. War ja nur ne Frage." er rümpfte die Nase und legte sich das Handtuch um die Schultern.

"Wir nehmen es tonnenweise zu uns, weil wir abhängig sind...süchtig. Nach dem aufputschenden Koffein, nach dem Geschmack und der Wärme. Und aus Gewohnheit." Victor lächelte ihn strahlend an. "Ich weiß, das du nichts anderes zu dir nehmen kannst....aber es gibt doch auch bestimmt Geschmacksrichtungen, die du verabscheust......ich erinnere mich, von einem mir befreundeten Vampir gehört zu haben, das Blut unterschiedlich schmeckt."

Alain lächelte ironisch, ließ sich dann auf einen Stuhl neben ihm fallen. Seitlich setzte er sich hin, schlug ein Bein über und stützte einen Arm auf. "Verabscheuen. Na ja, ich würde nie Penner beißen oder Alkoholiker, da wird man selbst beschickert von." Angewidert verzog er das Gesicht. "Oder von kranken Menschen,...ekelhaft."

"Gut zu wissen...." lächelte Victor süffisant und nahm einen Schluck Kaffee. "Wenn ich nicht will, das du mich beisst, muss ich mich also nur jeden Abend vollaufen lassen? Oder mir ne saftige Erkältung holen? Und da reden die Leute immer noch Knoblauch und Kreuzen...dabei ist das einzige wirksame Mittel eine Flasche Jack Daniels jeden Abend.." Victor kicherte ungehemmt und sah Alain an, Tränen liefen seine Wangen hinunter.

Alain sah ihn missmutig an. Er hatte Hunger und da war schlecht mit ihm Kirschen essen. "Erklär mir die Pointe später." knurrte er und erhob sich um sich anzuziehen, die Gier in ihm begann zu lodern und er wusste nicht wie lange er sich so unter Kontrolle halten konnte.

Victor hörte abrupt auf zu lachen und sah ihn aufmerksam an. Seine Ausstrahlung hatte sich verändert...sie hatte etwas lauerndes, etwas von einem Raubtier, das hungrig war und jeden Moment zuschlagen konnte. Er bemerkte, das es gefährlich war, jetzt allzu viel zu sagen, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt zu werden. Victor bezweifelte nämlich, das Alain sich in diesem Zustand beherrschen konnte. Angst hatte er nicht.....aber er war vorsichtig. "Das werde ich." meinte er leise.

Alain zog sich an und er spürte wie seine Eckzähne sichtbar wurden. Seine Augen wurden immer heller....er brauchte dringend Blut. Er griff sich seinen Mantel und zog los, ohne auf das Sonnenlicht zu achten, machte er sich auf den Weg. Der Durst brannte in ihm und würde ihn bald zu einem unkontrollierbaren Monstrum werden lassen.

Victor sah ihm nach, ohne einen Ton zu sagen. Eine leichte Gänsehaut lief ihm den Rücken hinunter und er war sehr froh, nicht auf der Straße und ein potentielles Opfer zu sein. Langsam trank er seinen Kaffee und fragte sich, wie das alles zusammen passte. Zu ihm war Alain charmant und freundlich...und gleichzeitig war er ein Raubtier, das seine Gier stillen musste. Victor erhob sich, räumte sein Geschirr in die Spüle und beschloss, duschen zu gehen. Er würde ja sehen, ob Alain wieder kam.

Es war bereits nach der Dämmerung als Alain wieder vor Victors Haus stand. Er rauchte gemütlich eine Zigarette und saß auf dem kleinen Mauervorsprung. Er wischte sich etwas Blut vom Mundwinkel und leckte es genießerisch ab. Die Jagd war gut verlaufen, er war satt und glücklich.

Victor hatte die Zeit damit verbracht, seine Wohnung auf Fordermann zu bringen, sich vor den Fernseher gesetzt und irgendwelche Talkshows angesehen, die er überhaupt nicht bewusst wahrnahm. Seine Gedanken drehten sich um Alain, und um sich selbst. Er verstand es nicht...das einzige, was er verstand, war, das Alain ihn aus irgendeinem Grund ausgewählt hatte. Und Victor war sich in der Zwischenzeit mehr als klar, das er das genoss.....und das er sehr viel für diesen charmanten französischen Vampir übrig hatte. Aber eher würde er sich die Zunge abbeißen, als das zuzugeben. Er seufzte und stand auf, schnappte seinen Schlüssel und verließ die Wohnung...draußen war es bereits dunkel und er wollte noch eine Runde mit dem Fahrrad drehen. Als er zur Haustür hinausging, sah er auf dem Mauervorsprung Alain sitzen.

Alain wandte den Kopf und lächelte. "Guten Abend Victor. Du willst dir noch etwas die Beine vertreten?" fragte er.

Victor sah ihn an. Nichts erinnerte mehr an den Alain von vorhin....selbst seine Ausstrahlung war wieder verändert. Seine Knie wurden weich und er hielt sich krampfhaft am Fahrrad fest, das war wieder sein Alain...obwohl es mehr als vermessen war, auch nur das Wörtchen 'sein' zu denken. Eher war es umgekehrt....aber das wusste dieser arrogante, charmante liebenswerte Mistkerl sowieso. Nur sagen würde es Victor niemals. "Guten Abend...." meinte er dann, als seine Knie nicht mehr so puddingartig waren und er sich auf sein Rad schwang. Er musterte ihn genau und meinte dann: "Heute scheinst du dich nicht bekleckert zu haben.....wenn du zu mir willst, das Fenster ist offen. Oder begleitest du mich? Dann lasse ich das Rad stehen und laufe stattdessen."

Alain zog eine Braue nach oben, sagte aber nichts. "Ich benutze durchaus auch Türen, mein lieber. Aber wenn du unbedingt willst, werde ich durch das Fenster kommen." er drückte die Zigarette aus und erhob sich. "Dann lass uns gehen."

"Im Ernst? Du benutzt Türen? Wahnsinn...." Victors Stimme hatte einen spöttischen Unterton und der Schalk blitzte aus seinen Augen. "Obwohl ich es durch das Fenster viel romantischer finden würde..." meinet er sinnierend, als er sein Fahrrad zurück an die Wand stellte. "Du kletterst durch den Fensterrahmen.....mit einer dunkelroten Rose quer im Mund.....in Bayern nennt man so was, glaube ich, fensterln...." Victor grinste und stellte sich neben Alain. "Ich bin soweit.."

Alain sah ihn nur mit einer hochgezogenen Augenbraue an. "Aha." kommentierte er und lief einfach los.

Victor seufzte leise und folgte ihm. "Hast du schon mal was von Ironie gehört?" Er beschleunigte seinen Schritt, überholte ihn und ging rückwärts, ihn beobachtend. "Im Übrigen mag ich keine dunkelroten Rosen..." der Rest des Satzes blieb ihm im Halse stecken, als er ins Stolpern kam und sich unsanft auf dem Asphalt sitzend wiederfand. Er war über eine Kante gefallen, die er durch sein Rückwärtsgehen logischerweise übersehen hatte. "Au..." sagte er verblüfft.

Alain rollte die Augen und seufzte. Er streckte ihm die Hand und beugte sich etwas zu ihm hinunter. "Ich dachte wir wollten spazieren gehen."

Victor ergriff die Hand und zog sich hoch, rieb sich mit schmerzverzogenem Gesicht über sein Steißbein. "Das ist bestimmt ne Prellung..." Er klopfte seine Hose ab und sah Alain an: "Danke..." und ließ die Hand los, die er immer noch festgehalten hatte.

Alain lächelte. "Mit Prellungen sollte man nicht scherzen." meinte er und steckte seine Hand zurück, lief weiter.

Victor folgte ihm, schloss zu ihm auf und hatte die Hände in den Hosentaschen vergraben. "Ist nicht weiter schlimm.....wahrscheinlich bin ich nur auf einem Stein gesessen." Victor schwieg und genoss die Nachtluft, den sternenklaren Himmel und Alains Nähe im allgemeinen.

Alain lächelte nur und lief weiter, genoss die Stille um ihn herum. "Warum so energiegeladen?" wollte der Franzose wissen.

"Nichts zu tun....." meinte Victor leise und sah ihn von der Seite her an. "Ich habe seither immer gearbeitet und der Job in der Bar war ein Knochenjob, auch wenn es vielleicht nicht danach aussah. Ich brauche einen Ausgleich...laufen, Rad fahren oder Sex..." das letzte Wort allerdings murmelte er fast unhörbar.

Alain musste schmunzeln. "Soso, Sex...du hast eine gesunde Libido, Victor." grinste er und lief weiter.

Victor wurde leicht rot, er hätte nicht gedacht, das Alain das mitgekriegt hatte. "Ich bin 25 und gesund, da ist das normal..." stotterte er verlegen.

"Aha..." machte Alain und lächelte amüsiert. "Und was wenn du keinen Sex bekommst? Explodierst du? Oder eher deine Juwelen?" fragte er schmunzelnd.

"Ich war ja seither nicht im Notstand..."platzte es spontan aus Victor heraus. Als er merkte, was er gesagt hatte, begannen seine Ohren zu glühen. "Äh, was ich meine ist...also.....man kann immerhin noch selbst Hand anlegen, bevor man explodiert." Er beschleunigte seinen Schritt, um seine Verlegenheit zu verbergen. "Du machst dich über mich lustig..." knurrte er leise.

Alain schmunzelte breiter. "Mitnichten mein Lieber. Ich war früher nicht anders. Ich habe mir jede Dirne in mein Bett geholt. Ob das Schankmädchen oder die Tochter des Kaufmanns oder die Zofen der Königin." er lachte leise bei der Erinnerung "Und natürlich die Stallburschen, Soldaten ... ich war kein Kostverächter." und blitzte Victor an.

"War? Und was bist du jetzt? Du holst dir doch immer noch Kerle ins Bett......" murmelte Victor leise. "Bei deinem Aussehen und deiner Ausstrahlung ist es ja auch kein Wunder, das man auf dich fliegt...egal, ob Männlein oder Weiblein.."

"Nun, das stimmt, ich hole mir noch immer Männer in mein Bett. Ausschließlich Männer, aber nur noch wenn es mir passt. Man wird mit den Jahren ruhiger." meinte Alain und grinste verschmitzt.

"Dann habe ich ja noch Hoffnung.....dass das bei mir mit den Jahren auch noch kommt " bemerkte Victor lapidar. "Aber das nützt mir im Moment herzlich wenig. Und ich kann auch nicht wahllos mit irgend jemand schlafen, nur um nicht zu explodieren. Da muss schon ein wenig mehr dahinter stecken." Victor wurde wieder langsamer und passte seinen Schritt Alain an.

"So? Und was? Anziehung? Verlangen? mehr als bloße Sympathie?" fragte er nach und sah ihn von der Seite an.

Victor war so von seinen Überlegungen gefesselt, das er nicht merkte, das er sich gerade auf gefährliches Terrain begab...er wollte doch niemals zugeben, das er für Alain mehr als bloße Sympathie empfand. "Anziehung? Verlangen? Das steckt auch dahinter, sicherlich...aber das allein wäre zu profan. Sympathie.....klar, ich schlafe doch nicht mit jemandem, den ich nicht ausstehen kann. Liebe.....ich muss verliebt sein oder zumindest verknallt...so wie bei Vroni."

"Du bist in mich verliebt. Wie niedlich." schnurrte Alain und lächelte amüsiert. "Zumindest weiß ich das du mich ausstehen kannst." und gluckste leise.

Victor erstarrte augenblicklich zur Salzsäule und sah Alain groß an. Im Geiste ließ er sein Geplapper von grade eben noch mal durch sein Gehirn laufen und hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt. Er war ja so blöde. Jetzt hatte er dem Franzosen noch mehr Angriffsfläche geboten. "Wie kommst du nur auf die irrwitzige Idee, das ich in dich verliebt sein könnte? Du bist ein Mann......ich war neugierig und geil, das war alles.." versuchte er zu retten, was noch zu retten war. Mag sein, das ich dich irgendwie leiden kann...das ist es aber auch."

Alain lachte amüsiert. "Wehre dich nicht dagegen Victor. Du weißt schon längst das du mir nicht mehr entkommst. Ergebe dich einfach." schnurrte er. "So du warst geil." und trat näher auf ihn zu, ließ eine Hand über seine Körper wandern, verharrte in seinem Schritt. "Dann könnte man das doch wiederholen, oder?"

"Und was hat das eine mit dem anderen zu tun?" fauchte Victor. "Ob ich dir entkommen kann oder nicht, ob ich mich ergebe oder nicht, hat doch nichts mit Liebe zu tun." Als Alain ihn berührte, stellten sich seine Nackenhaare, es fühlte sich einfach zu gut an. "Könnte man wiederholen, sicherlich..." meinte er lapidar, als Alain seine Hand in seinen Schritt legte. "Nur leider bin ich im Moment nicht geil." Er hoffte, lange genug cool bleiben zu können, um sich nicht zu verraten.

Alain schmunzelte. "Mein jähzorniger Hübscher." schnurrte er und zog seine Hand zurück. "Seis drum." und lief weiter.

Victor sah ihm nach, setzte sich in Bewegung und folgte ihm. Am liebsten hätte er irgendwas in die Luft gesprengt...Alain schaffte es immer wieder, ihn so völlig aus dem Konzept zu bringen und außerdem schrie sein Körper förmlich danach, von ihm berührt zu werden. &ltVielleicht sollte ich doch selbst Hand anlegen, dann werd ich womöglich ruhiger> dachte er sarkastisch < zumal ich die Chance, das er mich heute ins Bett zerrt, gerade auf ein Minimum reduziert habe> Victor kam sich vor wie Rumpelstilzchen, ihm war sehr danach zu toben und sich selbst in der Luft zu zerreißen. Schweigend lief er neben ihm her, vergrub die Hände tief in den Hosentaschen.

"Nun Victor, was machst du sonst so in deiner Freizeit?" fragte Alain nach eine Weile.

"Ich lese gern......und ich gehe gern ins Kino. Radfahren, klar, laufen......ich tanze gerne und ich zeichne... das war es eigentlich schon." Victor sah ihn von der Seite an und lächelte. "Am liebsten zeichne ich allerdings."

"Das habe ich bemerkt." meinte er leise "Was liest du?"

"Historische Romane, Psychothriller, Gruselstorys......alles möglich querbeet. Ich leg mich nicht fest, mich interessiert alles." Er grinste, seine Augen leuchteten. " Am liebsten Abends im Bett, das entspannt so schön.."



"Soso,...nun ich lese nur noch selten. Kennt man eines kennt man alle. Die Autoren sind nicht wirklich mehr erfinderisch." er seufzte.