So, hier nun für alle, die sich nicht im Forum anmelden und trotzdem lesen möchten, mein Adventskalender .
Ich schreibe ihn täglich, also geht er logischerweise nur bis zum 11.
Den Rest könnt ihr dann jeweils bei den Updates nachlesen. Es ist übrigens die Fortsetzung meiner Weihnachtsgeschichte vom letzten Jahr

Hallo......

vielleicht können sich einige noch an mich erinnern....mein Name ist Adrian......der Weihnachtsmuffel, der auf einem Weihnachtsmarkt seiner großen Liebe begegnet ist?
Wenn ja, schön, wenn nicht, erkläre ich die ganze Sache einmal kurz.

Vor vier Jahren musste ich meine Schwester Tanja auf einen Weihnachtsmarkt begleiten....sie liebt diese Atmosphäre, so ganz im Gegensatz zu mir. Und dort begegneten uns Peter und sein Bruder Sven, der im Übrigen genauso begeistert von dem ganzen Klimbim ist wie meine Schwester und in den ich mich sofort verliebt habe.
Falls das bisher noch nicht klar war....ich bin schwul!!
Nach einigen Verwirrungen haben wir uns schließlich gefunden (Gott wie kitschig, bin das wirklich ich? Was macht der Typ nur aus mir?) und sind kurze Zeit später zusammengezogen, in Svens Wohnung unter dem Dach seines Elternhauses.

Mittlerweile ist das vier Jahre her.........wir beide sind ein ganz normales Paar, streiten und lieben uns noch immer heiß und innig. Sven ist ein kluger Mann mit wunderschönen Händen und ich bin wirklich verrückt nach ihm. Allerdings nähert sich gerade wieder die Zeit, vor der mir im ganzen Jahr am meisten graut.......heute ist der erste Dezember......Vorweihnachtszeit, Adventszeit, wie auch immer man es nennen mag.
Sven ist ein toller Mann....aber diese Zeit verwandelt ihn in einen Weihnachtsengel, der überall Friede und Freude verteilen will, die ganze Wohnung mit Tannengrün ausschmückt, so das ich mir meisten Teils vorkomme, als würde ich in einer Hütte mitten im Wald hausen. Er macht versteckte kleine Andeutungen über Geschenke und denkt, ich kapiere das nicht.....er zieht eine Schmollschnute, wenn ich nicht gewillt bin, mir beim Glühwein trinken eine Weihnachtsmütze aufzuziehen und ist im allgemeinen sehr weit von seinem normalen Selbst entfernt.
Ich will euch eine täglichen Überblick über diese Zeit geben, damit ihr versteht, was ich meine....also wie gesagt, heute ist der

1. Dezember

Sven kommt gegen 18.00 zurück...er hat einem Mädchen eine Klavierstunde gegeben und sie sicherlich mit Jingle Bells und anderen ähnlichen Weihnachtslieder gequält. Ich bin bereits seit einer Stunde aus dem Büro zurück und sitze auf der Couch....habe gekocht und warte eigentlich nur auf ihn, während ich nebenher im Fernsehen irgendeine blöde Serie schaue. Sven stürmt zur Tür herein, lässt sich neben mir auf die Couch sinken und küsst mich erst einmal voller Begeisterung.....seine Wangen sind rot und er strahlt. "Ich hab was ganz tolles gesehen......eine Weihnachtsmann, zur Dekoration....der klingelt mit seiner Glocke und lacht immer wieder.......so in Intervallen. Das wär doch was für unseren Balkon.."

Ich erwidere den Kuss und stelle wieder einmal nur für mich fest, wie süß Sven schmeckt...wahrscheinlich Zimtsterne...bevor ich eine Augenbraue hebe. "Für unseren Balkon? meinst du nicht, das da schon genug Zeug draußen hängt und steht?" "Aber der ist ganz klein, Adrian..." Ich hebe die andere Braue auch noch.....Svens Definition von ganz klein kenne ich......der ganz kleine Teddy, den er sich selbst geschenkt hat, ist 1,50m hoch und stellt mir auf dem Weg zum Bett regelmäßig ein Bein. "Svennie.....Liebes bitte......kein Weihnachtsmann. Oder wenn schon, dann zeig ihn mir wenigstens." Also beschlossen wir, nach dem Essen einen Spaziergang zu machen und Sven zuliebe den Weihnachtsmann im Schaufenster zu bewundern...und die Lichter und geschmückten Fenster im allgemeinen
.
Als ich an diesem Abend ins Bett falle, mit meinem Schatz im Arm, danke ich Gott, das ich ihn dazu überreden konnte, den Weihnachtsmann nicht aus seiner Umgebung herauszureißen.......er war zirka zwei Meter hoch und niemand hätte mehr Platz auf dem Balkon gehabt......von den Nachbarn, die von seiner Stimme um ihren Schlaf gebracht worden wären ganz zu schweigen. Ich küsse ihn liebevoll und dann sehe ich zu, wie Sven in meinen Armen einschläft......und schlafe dann ebenfalls ein....auf die nächste weihnachtliche Verrücktheit wartend.



2. Dezember

Mit einem unwilligen Grummeln reiße ich mich aus den Tiefen des Schlafes empor...irgend etwas irritiert mich. Ich taste nach Sven und finde die Seite neben mir leer. „Sven? Fragend sehe ich mich um......kein Schatzi weit und breit....ach, stimmt, heute ist Donnerstag...da geht er früher und ich später.....also werde ich allein frühstücken müssen. Mit einem Gähnen erhebe ich mich und strecke mich erst einmal gründlich...laufe in Richtung Bad und mache mich wie jeden Morgen drauf gefasst, über Svens kleinen niedlichen 1,50 Teddy zu stolpern....der übrigens Rudolf heißt. Diesmal stellt er mir kein Bein......was mich verwundert aufblicken lässt. Rudolf sieht mich nur gequält an und ich verstehe.....Sven muss ihn heute morgen noch kurz dekoriert haben.....er trägt eine Nikolausmütze und hat eine Girlande aus künstlichem Tannengrün um den Hals....ein alberner Aufzug für gestandene Teddybären, auch wenn sie Rudolf heißen. Mitleidig befreie ich ihn davon und sehe in seinen Glasaugen das Versprechen, mich nie wieder stolpern zu lassen.
Ich dusche und ziehe mich an, laufe in die Küche und merke nun auch, was mich irritiert hatte.......Sven hat seine Kassette herausgekramt, die er schon als kleiner Junge hatte und beschallt mich mit Weihnachtsliedern......die Kassette leiert bereits vom vielen Abspielen und es hört sich mehr nach Halloween denn Weihnachten an. Ich drücke den Stopknopf und wohlige Stille umgibt mich. Aufatmend betätige ich auf den Knopf der Kaffeemaschine und entdecke dabei Svens Zettel:

/Hallo, mein Schatz......ich hoffe du hast gut geschlafen und ich wollte dich gleich in Stimmung bringen.....du vergisst doch nicht, das du mir versprochen hast, heute mit mir den Lichtervorhang am großen Fenster anzubringen? Du weißt ich kann das nicht allein......ich liebe dich...Sven../

Welche Freude.....das hatte ich doch glatt verdrängt. Ich würge mein Frühstück hinunter und verlasse das Haus, gehe zur Arbeit mit dem Gedanken, das mich heute ein weiterer Teil des weihnachtlichen Grauen erwartet. Dabei wollte ich eigentlich das Geschenk für Svennie kaufen gehen....na dann muss ich es verschieben. Und außerdem muss ich versuchen, ihn mal einen Nachmittag loszuwerden.....ich will ihm Vanillekipferl backen....er liebt diese Dinger.
Ja, schauen sie nicht so verblüfft.....ich kann dem ganzen Rummel und Kommerz zwar nichts abgewinnen, aber ich liebe Sven...und seine kindliche Freude an diesen Dingen. Warum glauben sie, mach ich das jedes Jahr mit?
Als ich gegen halb 5 die Wohnungstür aufschließe, empfängt mich schon Kaffeeduft...und ich lächele. Allerdings wird es etwas blasser, als ich sehe, das Sven Früchtebrot aufgeschnitten hat......ich hasse Früchtebrot. Dieses zähe Zeug, mit dem vielen Orangeat, das ich mehr als ekelig finde. „Hallo, Schatz... begrüßt mich mein Freund freudestrahlend und nötigt mich, mich zu setzen, während er mich küsst und mir gleich danach Kaffee einschenkt. „Greif zu.......du musst dich stärken...du musst auf die Leiter... lächelt er liebevoll.
Leiter......in Gedanken seufze ich und schmiege mich an Sven. „Muss das denn sein.. wage ich einen Versuch. Der Blick, der mich aus steingrauen Augen trifft veranlasst mich, ihn sofort und ohne Umschweife zu küssen. „Schon gut...ich machs ja... murmele ich, als ich mich wieder gelöst habe.
Ersparen sie mir die Einzelheiten des restlichen Abends.......irgendwann hing der Lichtervorhang genauso, wie Sven das wollte und ich war einem Nervenzusammenbruch nahe. Ich schleppte mich nur noch ins Bad und dann ins Bett......und wie versprochen stellte mir Rudolf dieses Mal kein Bein.....dafür wurde ich von einem sehr anschmiegsamen Sven überrascht, der mich nach allen Regeln der Kunst verführte....und mich meine Nerven vergessen ließ Zusammengekuschelt schliefen wir ein......nur noch 22 Tage bis Weihnachten.



3. Dezember

Ich wundere mich......heute morgen ging alles so wunderbar glatt, das es mich misstrauisch werden lässt. Sven und ich sind wie immer um halb sieben aufgestanden, haben uns einträchtig das Bad geteilt und sitzen nun beim Frühstück. Im Radio läuft normale Musik und Sven hat weder Glitter noch Kunstschnee auf dem Tisch verteilt, um Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Das macht mich wachsam und vorsichtig schiele ich immer wieder zu meinem Schatz hinüber, der in der Zeitung blättert und dabei vor sich hinsummt. Ich lausche angestrengt....nein kein Weihnachtslied, eher so etwas in der Art wie Christina Aguiliera.
Ich untersuche mit den Augen die Küche.......keine kleine niedliche fette Engelsfigur irgendwo und auch kein sternförmig ausgeschnittener Käse....sollte der Kelch diesmal an mir vorbeigehen? Gerade will ich erleichtert aufatmen, da kommt hinter der Zeitung ein leises......Duhu....Schatz... hervor.
Meine Nackenhaare stellen sich und ich seufze stumm...nur für mich. Wenn Svennie schon so anfängt, dann will er was.....und zwar etwas, das ich mit hundertprozentiger Sicherheit auf den Tod nicht ausstehen kann.
„In unserem Viertel ist heute Engelsmarkt........und Tanja hat mich gebeten, auszuhelfen.......also hab ich ihr versprochen, das wir nach dem Geschäft an ihren Stand kommen und mithelfen. Sie verkauft dort doch mit ihrer Klasse Waffeln und Punsch, um die Klassenkasse aufzubessern. Zwei steingraue Augen lugen über die Zeitung, mit herzerweichendem Ausdruck darin. /So muss Bambi ausgesehen haben, als seine Mutter erschossen wurde/ Dieser Gedanke schießt mir durch den Kopf, bevor er von einem anderen verdrängt wurde....warum musste ich meiner beinahe 18 jährigen Schwester helfen, angetrunkene Leute mit noch mehr Punsch abzufüllen? Aber da ich Sven sowieso nie was abschlagen kann, nicke ich gottergeben. Ein wundervolles Lächeln belohnt mich dafür, es war, als würde in Svens Gesicht die Sonne aufgehen und in diesem Moment wusste ich warum ich ihn so liebe......auch wenn er dieses ganz besondere Lächeln meistens dann zeigt, wenn er mich zu irgendetwas rumgekriegt hat.
Ich beuge mich zu ihm und küsse ihn liebevoll, dann muss ich auch schon los.
Das ich im Büro von allen meinen Kollegen angegrinst wurde, weil mein von meinem Freund so liebevoll gerichtetes Pausenbrot tannenbaumförmig war........er musste die Ausstecherformen für Plätzchen verwendet haben..... vergessen wir mal lieber schnell wieder. Ich sollte mir angewöhnen, um diese Zeit des Jahres mein Brot zu inspizieren, bevor ich es einpacke.

Nach der Arbeit eilte ich nach Hause.....duschen, umziehen und dann zum Markt. Sven hatte mich schon erwartet und Tanja freute sich riesig uns zu sehen...klar, sie überließ uns die Arbeit und beschloss, lieber mit ihren Freundinnen durch die Buden zu ziehen.
Wie ich es erwartet hatte, waren die Leute lustig....fröhlich und kaufwütig. Besinnlich waren nur wenige....aber das lag dann wohl auch eher am genossenen Glühwein.
Sven hat irrsinng Freude an der Arbeit...und ich hab Freude, ihm zuzusehen, wie er mit roten Backen durch die Kälte und leuchtenden Augen Punsch und Waffeln verteilt und immer wieder die anderen geschmückten Buden bewundert.
Schließlich sind die Vorräte alle und der Markt leert sich allmählich.....Tanja erscheint auch mal wieder und wir machen die Bude dicht. Aufräumen können die allein.....ich ziehe Sven mit mir, bevor meine Schwester auf die Idee kommt, ihn zu fragen. Sie weiß genau, das er nicht nein sagen kann und ich dann ebenfalls dazu genötigt werde...durch Augenaufschlag und Bambiblick.
Hand in Hand laufen wir durch die leeren Buden und finden uns plötzlich unter dem Christbaum wieder, der unseren Marktplatz schmückt. „Weißt du noch? fragte Sven leise an meinem Ohr und sieht mich zärtlich an. „Wie könnte ich das vergessen......da haben wir uns vor vier Jahren wiedergefunden....und das erste Mal geküsst. Es war herrlich.. Ich beuge mich zu ihm und wiederhole den Kuss. „Du warst so begeistert vom Markt und hast mich durch alle Budengassen geschleift.....und ich hab mich auf den ersten Blick in dich verliebt.. flüstere ich an seinen Lippen, als wir den Kuss lösten.
„Ja...und du hast das alles über dich ergehen lassen, obwohl du das gar nicht magst.....das fand ich klasse. Das find ich auch jetzt noch klasse..... schnurrt Sven und krault meinen Nacken. Das war mein schwacher Punkt und das wusste er ganz genau, als er fortfuhr. „Du gehst doch der alten Erinnerungen wegen bestimmt mit mir am Samstag in die Innenstadt......dort ist auch Markt und ich möchte so gern durchbummeln..
Touche.......meine Knie sind zu weich und mein Herz viel zu warm vor Liebe, um meinem Schatz diese Bitte abschlagen zu können. Ich nicke und nehme Sven in den Arm. „Dir zuliebe... lächle ich und dann gehen wir einträchtig nach Hause.

Noch 21 Tage bis Weihnachten



4. Dezember

Wie immer klingelt der Wecker um sechs und ich öffne mühsam die Augen. Sven schläft an mich gekuschelt immer noch selig....das ist etwas, was ich nicht begreife, zumal der Wecker einen ekelhaften Tonfall hat. Und wenn ich mich vom Radio wecken lasse, habe ich immer das Pech, ausgerechnet Jeanette zu erwischen......und das verdirbt mir meinen Tag. Ich küsse meinen Schatz auf die Lippen und murmle ihm ein „Aufstehen, Süßer.. ins Ohr, worauf er sich verschlafen regt, die Augen öffnet und mich anstrahlt. Das ist Sven...wenn er dann mal wach ist, sofort gut drauf. Gemeinsam belagern wir das Bad, bevor wir uns einträchtig zum Frühstück niederlassen.
Sven teilt mit mir die Zeitung und erwähnt dann beiläufig, das wir heute noch fürs Wochenende einkaufen müssen, weil wir ja morgen auf den Weihnachtsmarkt gehen.
Richtig...wieder etwas, was ich zu verdrängen versucht hatte.....aber ich habs versprochen.
Nach einem Abschiedskuss trennen wir uns vor der Wohnungstür......Sven muss den Bus und ich die Ubahn nehmen......er ruft mir noch zu, das er wieder ne Klavierstunde gibt und gegen vier zu Hause sein wird.
Ich nicke, werfe ihm eine Kusshand zu und mache mich auf den Weg ins Büro. Das wird toll...denn wohlweislich habe ich ihm verschwiegen, das ich heute um 12 Feierabend machen, dann einkaufen gehe und ihn mit selbstgebackenen Vanillekipferl überraschen werde. Fiel mir gestern Nacht vor dem Einschlafen spontan ein und heute war die passende Gelegenheit, das umzusetzen...ansonsten war ich immer nur eine knappe Stunde vor Svenie zu Hause....wenn überhaupt.
Gesagt, getan. Nachdem ich mich im Supermarkt mit Hausfrauen und Rentner herumgeschlagen hatte, die anscheinend alle nichts besseres zu tun hatten, wie um die Zeit einkaufen zu gehen, in der ich da war. kam ich endlich zu Hause an.
Mit einem Lied auf den Lippen räumte ich die Einkäufe weg und entfernte Schneemannteelichter und Engelshaar vom Tisch, um ihn gleich darauf mit Mehl einzustäuben.
Frohen Mutes holte ich das Backbuch.......ich war ein begnadeter Kuchenbäcker, aber an Keksen hatte ich mich noch nicht versucht.....aber das konnte ja nun auch nicht so schwer sein.
Von wegen.....die erste Ladung verbrannte mir, die zweite gelang einigermaßen.....auch wenn die Dinger eher nach Klopsen denn nach Kipferln aussahen. Aber das wäre doch gelacht....also machte ich noch mal neuen Teig und mich mit Feuereifer an die Arbeit......zwischendurch wischte ich mir durch die Haare und merkte nicht, das die mittlerweile auch nicht mehr dunkel, sondern mehlweiß und klebrig waren.
Ich vergaß komplett die Zeit und erschrak beinahe zu Tode, als die Wohnungstür ging und Sven mit einem fröhlichen „Schatz ich bin daah... hereingestürmt kam......es polterte und rumste.......und das war eigentlich nicht die Art, mit der mein Schatz sonst die Wohnung betrat. Ich schaue aus der Küche......und mich trifft beinahe der Schlag......hat er doch tatsächlich den übermannsgroßen Weihnachtsmann dabei....der wie irre grinst und eine Glocke in der Hand hält die gut und gerne zwei Menschen auf einmal erschlagen konnte.
„Svennie....... anklagend sehe ich ihn an. „Ich konnte nicht anders.....er hat mich so angesehen, da musste ich ihn mitnehmen... Mein Schatz strahlt mich an, stutzt und beginnt dann zu kichern. „Süßer, wie siehst du denn aus? Und überhaupt, wie riecht es denn hier?
Ich schnuppere, stoße einen kräftigen Fluch aus und lasse Sven mit seinem neuen Freund allein......meine Kipferl drohen zu verbrennen. Ich ziehe sie heraus und klaube sie vom Blech, verbrenne mir den Finger und schimpfe, was das Zeug hält.
Plötzlich legen sich zwei Arme um meinen Hals und meine Nackenhaare stellen sich, als sanft ein Kuss auf eben diesen gehaucht wird. „Ich liebe dich.....das hast du extra für mich gemacht, stimmts? Ich nuschle irgendwas in meinen Bart, während ich kaltes Wasser über meinen Finger laufen lasse.....der Junge schafft es immer wieder, mich von hundert auf null zu bringen.....und das in exakt 2 Sekunden.
„Ich finde das so süß von dir......lass sie uns zusammen essen. Aber erst bringen wir Santa auf den Balkon.....und du musst unter die Dusche....du siehst aus wie ein riesengroßes Kipferl. Und ich glaube, ich habe heute mehr als Lust, dich zu vernaschen...
Diese Worte, leise und schmeichelnd, verschließen meinen Mund, der eben zu einem wahren Proteststurm angesetzt hatte. Für dieses gehauchte Versprechen würde ich einen Mord begehen...und als wir Santa nach einer halben Stunde endlich auf dem Balkon haben, bin ich auch fast bereit dazu.
Sven verspricht Kaffee zu kochen und ich verschwinde unter der Dusche.....kuschle mich mit ihm zusammen auf die Couch und genieße die Kipferl.
Sven hat sein Versprechen gehalten und das versöhnt mich doch etwas, als ich im Bett liege, meinem friedlich schlafenden Schatz zusehe und in einem Abstand von 5 Minuten ein Klingeln ertönt....gefolgt von einem fröhlichen Hohoho.....ich hasse diesen Blödsinn, erwähnte ich das schon?
Die Nachbarn werden ihre helle Freude haben........mein letzter Gedanke, bevor ich einschlafe.

Noch 20 Tage bis Weihnachten...



5. Dezember



Sonntag.......endlich Sonntag. Der Tag, an dem ich meistens lange schlafe, mit Sven kuschle und dann wunderbar ausgiebig und gemütlich frühstücke. Ich lauf den ganzen Tag im Jogging rum und bewege mich nur zwischen Couch, Küche und Computer...na ja, aufräumen und etwas putzen tun wir zwischendrin auch, alles das was sonst so liegen bleibt.
Als ich allerdings an diesem Sonntag zum ersten mal meine Augen öffne und mich gemütlich an meinen Liebling schmiegen will, glotz mich nur ein leeres Kissen an. Ich seufze und richte mich auf......nichts mit einer Stunde lang schmusen im Bett und vielleicht auch andere Dinge machen.....ich höre in der Küche Geschirr klappern und rieche Kaffee.......mein Hirn hatte erfolgreich vergessen, das wir ja heute auf den Weihnachtsmarkt gehen wollten. Svennie konnte bestimmt vor Vorfreude nicht richtig schlafen und geistert schon mindestens eine Stunde in der Wohnung herum, in dieser Hinsicht ist er wie ein kleiner Junge. Ich erhebe mich und ernte einen spöttischen Blick von Rudolf......der Teddy stellt mir in der Zwischenzeit zwar kein Bein mehr, dafür verspottet er mich regelmäßig.
Ich schlurfe ins Bad und dann in die Küche, bleibe im Türrahmen stehen und muss lächeln...Sven summt und wuselt wie ein Irrer durch die Küche......seine Hibbeligkeit kann man drei Meilen gegen den Wind sehen und das ist auch eins der Dinge, die ich an ihm liebe....auch wenn ich das anderen gegenüber nie zugeben würde.
„Morgen, Schatz... ich fange ihn ein, als er an mir vorbeiflitzt und küsse ihn erst einmal. Sven legte mir seine wunderbar schlanken Hände in den Nacken, die so begnadet Klavierspielen können und erwidert den Kuss. „Komm, Frühstück und dann gehen wir los...ich bin schon fürchterlich.... „Hibbelig, ich sehs... falle ich ihm ins Wort und grinse mir eins.
Wir frühstücken und dann drängelt Sven...er will los. Nach einer Viertelstunde machen wir uns auf den Weg, erwischen grade noch so die Ubahn und sind nach einer halben Stunde direkt in der Innenstadt.
Noch 10 Minuten laufen.....und dann kann ich es schon sehen, riechen und vor allem hören. Wie vor 4 Jahren bei unserer ersten Begegnung geht mir das Gedudel der verschiedenen Weihnachtslieder, das zusammen ein fürchterliches Kauderwelsch ergibt, direkt ins Hirn und verursacht mir leichte Zahnschmerzen. Sven ahnt davon nicht....weil ich es ihm jedes Jahr verschweige. Er freut sich an Glaskugeln, Tannengrün und Engelshaar, während ich mir bei allem nur überlege, wie es wohl riecht, wenn es hier brennt......sicher wie in einer Kunststoffabrik.
Weihnachtliche Gefühle kommen bei mir nicht auf, wenn ich den Menschenmassen zusehe, die sich durch die engen Gassen schieben, so das man nirgends lange stehen bleiben kann, die glühweintrunkene Fröhlichkeit und das Kaufen, Kaufen, Kaufen. Ich betrachte einen Stand mit Socken und frage mich, wer seinen Lieben wohl so eine Peinlichkeit unter dem Christbaum antut. Als ich meinen Kopf wende, ist Sven weg....wahrscheinlich einfach weitergeschoben. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und versuche, die Massen zu überblicken....aber Sven ist kleiner als ich und ich kann ihn nirgends entdecken.
Nun, er ist ja kein kleiner Junge mehr und ich kann ihn übers Handy anrufen....aber was mir am meisten Angst macht ist, das er jetzt völlig allein auf sich gestellt ist und vermutlich den halben Markt leerkauft...ich hab seine leuchtenden Augen bei den Holzfiguren aus dem Erzgebirge gesehen..
Es ist ja nicht so, das wir nicht schon eine ganze Kiste voll davon auf dem Dachboden hätten. Ich steure den Stand an...nachdem ich mich rücksichtslos durch die Massen gedrängt habe und tatsächlich, mein Liebling steht dort.
„Svennie... schmeichle ich und dränge mich von hinten an ihn, greife nach seiner Hand. „Da bist du...ich hab dich nicht mehr gesehen und da dachte ich, ich schau mir noch mal die Figuren an......bis ich dich wiederfinde.. strahlte er und wendet den Kopf, um mich anzusehen.
Ich betrachte meinen Schatz kritisch.....klar, er steht am Stand und wartet, bis ich zufällig über ihn stolpere. Er betrachtet völlig versunken eine Engelsfigur, die eine Harfe in der Hand hält...sie ist schön, zugebenermaßen und ich weiß, das er schon einige Figuren zu Hause hat.....fast schon ein kleines Orchester.
„Schatz......lass uns was essen gehen.......und einen Glühwein trinken. Danach ist mir jetzt... flüstere ich ihm ins Ohr und Sven sieht mich ungläubig an. Normalerweise weigere ich mich, auf diesen Märkten was zu essen und Glühwein zu trinken.....weil ich so schnell wie möglich wieder nach Hause will. Mein Freund sieht mich glücklich an , nimmt meine Hand und wir drängen uns zu einen Stand. Bei Bratwurst und Glühwein lasse ich ihn kurz zurück, mit der Ausrede, auf die Toilette zu müssen......stattdessen dränge ich mich zum Stand zurück und erstehe die Engelsfigur.......
Hey, morgen ist Nikolaus und so hab ich etwas, was ich meinem Schatz in den Schuh legen kann....also sehen sie mich nicht so an.
Zurück am Stand essen wir fertig und ich befühle heimlich immer das kleine Päckchen in meiner Jackentasche, ich freu mich schon auf sein Gesicht, wenn er es findet. Dann bummeln wir ganz gemütlich über den Markt, ich kaufe Sven einen kandierten Apfel...er liebt dieses süße Zeug. Ich harre aus, ich will ihm seine Freude nicht verderben, aber ich bin ehrlich gesagt erleichtert, als Sven von sich aus nach Hause will.
„Gut, lass uns gehen......ehrlich gesagt hab ich von dem Gedränge auch die Nase voll...von wegen Friede und Freude.... sage ich leise. „Egal...du musst auf dich hören und nicht auf die anderen....ich mag diese Zeit.....und ich liebe die Lichter und die ganze Dekoration... schwärmt Sven leise, mit leuchtenden Augen.
Ich seh ihn an und muss ihn einfach in den Arm nehmen und küssen.....er ist zu süß in seiner kindlichen Freude. „Und ich liebe dich... flüsterte ich und Hand in Hand gehen wir nach Hause.

Als wir an diesem Abend zusammen im Bett liegen und Sven bereits selig schläft, husche ich hinaus und verstecke die kleine Figur in seinem Schuh...zusammen mit einem Überraschungsei, weil er das auch mag.....und einem kleinen Brief.
Rudolf beäugt mich kritisch, als ich zurück ins Bett krieche......Santa auf dem Balkon habe ich zuvor den Saft abgedreht und bin mir der stillen Dankbarkeit der Nachbarn bewusst.
„Naja......nur ne Kleinigkeit.... murmele ich verlegen, den Blick des Teddys ignorierend und mich an Sven kuschelnd. Ich lieb ihn halt...was soll man dagegen machen.

Noch 19 Tage bis Weihnachten.....





6. Dezember



An diesem Nikolausmorgen werde ich durch einen Schrei geweckt, der mich auch noch von den Toten zurückgeholt hätte. Ich sitze im Bett, sehe mich verwirrt um und bemerke die leere Seite neben mir, als schon die Tür aufgerissen wird und ein strahlender Sven herein kommt....mir um den Hals fliegt und mich stürmisch küsst.
Aha.......nachdem mein verschlafenes Gehirn endlich wieder in Gang ist, komme ich zu dem Schluss, das er wohl die Überraschung in seinem Schuh gefunden hat. Ich wage zwischen zwei Küssen einen Blick zu meinem Wecker......es ist vier Uhr morgens. Als hätte ich es geahnt. Stöhnend lass ich mich zurück in die Kissen fallen. „Svennie...es ist mitten in der Nacht..... nuschle ich, aber eine Chance mich durchzusetzen, hab ich sowieso nicht. Mein Schatz strahlt und redet immer wieder davon, wie süß ich doch sei...und wie sehr er sich freut...und das er jetzt ein kleines Orchester aus Holzengeln zusammen hat...und das er das so toll findet.... und hört meinen leisen Protest überhaupt nicht.
In Sven steckt ein kleiner Junge....und der hat zur Weihnachtszeit völlig die Oberhand. Das reicht vom nicht schlafen können vor Neugierde und Aufregung, bis hin zum Hibbeligsein am heiligen Abend.
Na ja, ich gebs zu...so wie er mich grade küsst und zurück ins Bett drängt, ist er im Moment völlig erwachsen und weiß sehr gut, was er da tut.
Nach einer Stunde Kuscheln, schmusen und sonstigen Dingen beschließen wir aufzustehen und zu frühstücken.....Sven hat mir frischen Toast und ein Ei versprochen......und wir haben massig Zeit zum genießen...schließlich sind wir eine gute Stunde früher dran als sonst.

Als ich mich zum gehen fertig mache.....Sven ist schon weg, weil er kurz bei seinen Eltern reinschauen wollte, die sicherlich auch einen Nikolaus für ihren ältesten Sohn haben.......stoße ich in meinem Schuh auf etwas Hartes. Ich hebe ihn hoch und spähe hinein.....ein kleines Päckchen blitzt mir entgegen und ich hole es heraus, drehe es unschlüssig zwischen den Fingern und öffne es dann.
Ein Schlüsselanhänger........ein kleiner Plüschrabe grinst mich an und ich grinse zurück. Er weiß genau von meinem Schlüsselanhängerspleen......und sofort mache ich fest, geselle ihn zu der Katze vom letzten und der Eule vom vorletzten Jahr.
So kann ich nun sehr viel beschwingter ins Büro...wenn ich dort auch gegen Mittag kämpfen muss, um nicht einzuschlafen.
Als ich mein Brot auspacke, das mir mein Schatz zusammen mit einer Mandarine liebevoll gerichtet hat, bin ich schon wieder auf Tannenbaumform oder Sterne gefasst....nichts dergleichen. Stattdessen bemerke ich nach dem ersten Bissen etwas Zähes......ich klappe das Brot auf und ein Zettel fällt mir entgegen......Sven muss zusammen mit dem Käse einen Brief auf das Brot gepackt haben.

Ich entfalte das Blatt und lese.......werde rot dabei und mein Herz quillt beinahe über vor Wärme.....und vor allem Zärtlichkeit. Am liebsten würde ich jetzt sofort nach Hause und meinen Schatz in den Arm nehmen.....so fest drücken bis er blau anläuft und ihn dann Mund zu Mund beatmen..
Den genauen Wortlaut des Briefes verrate ich ihnen natürlich nicht.....das ist mein Geheimnis, das ich sofort in meine Geldbörse stecke und immer bei mir tragen werde. Nur soviel....es ist die schönste Liebeserklärung, die ich jemals gekriegt habe...

Bevor ich an diesem Abend nach Hause gehe, laufe ich an einem Blumenladen vorbei und erstehe einen wunderschönen Weihnachtsstern......Sven liebt diese Pflanzen zur Weihnachtszeit und ich muss ihm einfach eine Freude machen.
Zu Hause angekommen, erwartet er mich schon, sieht den Stern und lächelt......fällt mir um den Hals und murmelt nur leise Danke.....wedelt dabei mit dem Zettel, dem ich ihn in den Schuh gesteckt habe und der einfach meine Gefühle ausdrückt.....so gut ich es eben kann.
An diesem Abend sprechen wir nicht mehr viel.....wir sitzen beieinander vor dem Fernseher, kuscheln und sind einfach nur froh, das wir uns haben......dazu braucht man keine Worte....



Noch 18 Tage bis Weihnachten .....



7. Dezember



Was für ein herrlicher Morgen....erst reißt mich Glockenläuten und lautes tiefes Lachen aus meinem wohlverdienten Schlaf......Sven muss entdeckt haben, das ich Santa auf dem Balkon mit schöner Regelmäßigkeit nachts den Saft abdrehe, wenn er schon schläft. Dann scheint Rudolf seine Solidarität zu mir aufgegeben zu haben und lässt mich auf den Weg ins Bad so stolpern, das ich beinahe der Länge nach hinschlage und nun sitze ich am Frühstückstisch mit einem schweigenden Sven, dessen stummer Protest und vorwurfsvoller Blick mich immer kleiner werden lässt.
Wenn er so drauf ist, ist es besser, sich gar nicht erst zu rechtfertigen.....er ist sauer, weil ich Santa abgestellt habe und das lässt er mich spüren.
Ich schlurfe lustlos ins Büro und überlege die ganze Zeit, wie ich denn meinen Schatz wieder versöhnlich stimmen kann.....von einem abendlich weihnachtlichen Schlittschuhlauf bis hin zu einem Spaziergang durch die geschmückte Innenstadt komme ich auf alles Mögliche.....alles Dinge, die er liebt und die ich nicht besonders erbaulich finde.....zumal das Schlittschuhlaufen mir ganz schön was abverlangt.
Ich bin nicht sportlich.......ich bin schon froh, wenn ich auf der Straße laufen kann, ohne zu stolpern....na ja, ich übertreibe, aber wie soll ich sonst erklären, warum mir jedes Mal der Angstschweiß ausbricht, wenn ich eine Eisbahn nur von weitem sehe?
Gut.....mein Verbrechen, Santa den Saft abzudrehen, muss in Svens Augen würdig gesühnt werden......also beschließe ich, ihn einfach von seiner Klavierstunde abzuholen und mit ihm zusammen auf die Eisbahn zu gehen. Ich hoffe inständig, er verzeiht mir......und ich erlebe Weihnachten nicht mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus.
Gesagt getan...ich packe unsere Eislaufsachen zusammen (welche Ironie, ich besitze Schlittschuhe, obwohl ich mich drücke, wann immer es geht) und hole Sven mit einem verzeihenden Lächeln und einer Entschuldigung von seiner Klavierstunde ab.
Mein Schatz sieht mich kritisch an und lächelt.......mir fällt ein Stein vom Herzen, der mit einem Plumps auf dem Boden landet und sofort zurückspringt wie ein Gummiball......um sich in meinem Magen niederzulassen, als wir die Eishalle betreten.
Ich habe wohlweißlich nur einen dicken Pulli an...auf die Jacke kann ich locker verzichten, der mir sowieso mehr als warm ist. Vorsichtig und wackelig stakse ich hinter Svennie her...der plappert und strahlt, als wäre Laufen auf rutschiger Fläche...noch dazu auf Kufen, das normalste der Welt.
/Für ihn sicherlich/ denke ich, als ich mich verkrampft die Bande entlangtaste und versuche, nicht schon im Stehen umzufallen, während mein Schatz bereits die ersten Runden dreht und rückwärts...ich wiederhole RÜCKWÄRTS läuft.
Ich fasse es nicht.....lasse die Bande los vor Bewunderung und finde mich im gleichen Moment auf dem Boden sitzend wieder. Wie gut, das nur ca. drei Dutzend Leute auf der Eisbahn sind und kichern.....da muss ich doch gar nicht besonders rot werden vor Scham.
Vorsichtig versuche ich mich wieder hochzurappeln, was mir nach drei Mal Bekanntschaft mit dem Boden auch gelingt. Sven kommt angefahren und bremst...einfach so.......ohne dabei an die Bande fahren zu müssen......ich staune und liege erneut auf der Nase.
Mein Schatz hilft mir hoch und es liegt Mitleid in seinem Blick..... er nimmt mich an die hand und läuft mit mir...hält mich, bis ich einen einigermaßen sicheren Schritt gefunden habe.
"was bin ich froh, das du in unserer Beziehung der aktive Part bist...." flüstert Svennie mir ins Ohr, als wir eine kurze Pause an der Bande einlegen. "Dein Hintern ist bestimmt ganz blau vom vielen Fallen..."
Ich sehe bestimmt aus wie ein Idiot, als ich meinen Schatz mit offenem Mund anstarre.....so was höre ich von ihm in der Öffentlichkeit zum ersten mal. Dann beginne ich zu grinsen......ich muss einfach.
"Können wir ja testen....." meine ich nur und ziehe ihn zu mir heran, um ihn zu küssen. Leider lasse ich dabei die Bande los...und wir finden und beide auf dem Boden wieder.
Sven steht auf und zieht mich mit sich hoch, reibt sich dabei schmerzhaft den Hintern.
"Pech.......muss heute wohl leider ausfallen.." sagt er zu mir und grinst dabei etwas gemein.
Mein Gesicht verdüstert sich und ich schwöre für mich, nie wieder Santa den Saft abzudrehen und somit Svens Ärger auf mich heraufzubeschwören, während ich mich erneut an der Bande entlang ziehe.

Nach einer Stunde und gut einem Dutzend Stürze gehen wir nach hause......na ja, ich gehe nicht besonders elegant und jammere mehr, als ich rede....lasse mich zu Hause mit einem Kissen bewappnet auf dem Sofa nieder und schaue fern. Sven kuschelte sich neben mich und flüstert mir Zärtlichkeiten ins Ohr, die ich eigentlich ignorieren wollte.....mich dann aber doch überreden, mit ihm zusammen ins Bett zu gehen.
Für das, was danach kommt, haben sich die blauen Flecken allemal gelohnt.....aber das nächste mal werde ich mir was anderes ausdenken, um ihn zu versöhnen.....ist besser für meine Verfassung.

Noch 17 Tage bis Weihnachten.....





8. Dezember



Dieser Morgen geht in die Geschichte ein...als einer der schlimmsten, die ich je erlebt habe. Der Wecker klingelt und ich will mich rüberbeugen, um ihn auszumachen und noch 5 Minuten Zeit zu schinden.......als mich ein eisiger Schreck durchrieselt......ich kann mich nicht bewegen. Du lieber Himmel........
„Svennie.........SVEN.... Ich rufe laut, da mein Süßer nicht mehr neben mir liegt...wahrscheinlich ist er vor mir aufgestanden um zu überprüfen, ob ich Santa auch wirklich nicht den Saft abgedreht habe.
Er kommt zur Tür rein, macht das Licht an und blendet mich, so das ich gequält die Augen schließe.
„Ich bin gelähmt......ich werde dir ewig ein Klotz am Bein sein.....erschieß mich... jammere ich und sehe ihn an.
Sven erwidert den Blick...und beginnt zu lachen. Wie kann er lachen, wenn ich mich kurz vor dem Exitus befinde? „Adrian.......du hast schlicht und einfach Muskelkater. Vielleicht auch leichte Prellungen von dem Hinschlagen. Davon stirbt man nicht.....und dich bewegen kannst du auch......musst halt vorsichtig sein. Er lächelte und kommt zu mir ans Bett, küsst mich und pokt mich auf die Nasenspitze. „Und jetzt beeil dich, damit du ins Bad kommst......sonst kommst du zu spät.
Mein Schatz lächelt und verlässt den Raum...lässt mich in meinem Elend allein. Nun, ich muss zugeben, ich bin in dieser Hinsicht ein Weichei....aber der Weg aus dem Bett ins Bad ist die reinste Folter, ungelogen. Meine Knochen krachen bei jedem Schritt, meine Muskeln schreien gequält auf.....von meinem Hintern ganz zu schweigen, der sich irgendwie taub anfühlt.....aber nur, solange man ihn nicht berührt.
Ich dusche und das warme Wasser tut mir gut......die Wirkung ist allerdings sofort verschwunden, als ich mich abtrockne, anziehe und in die Küche wanke.
Sven blickt mir entgegen und hebt die Augenbraue.......Du solltest regelmäßig Sport machen.....dann würdest du danach nicht so rumlaufen stellt er nüchtern fest.
So lieb und süß mein Schatz sonst ist....dafür könnt ich ihn erwürgen. Ich hasse Sport.....und nur weil er regelmäßig läuft, muss ich das doch nicht machen.
Ich setze mich demonstrativ ganz vorsichtig und würdige ihn keines Blickes......jedes Wort, das ich an ihn richte, würde er mir sowieso widerlegen, ich kenn das schon. Mit meinem Gejammer gewinne ich bei Sven keinen Blumentopf, da kennt er kein Mitleid.
Gemein.....ich nehme seine Weihnachtsspinnereien doch auch hin, da könnte er mich zumindest ein wenig bedauern. Aber nicht die Bohne.....eher grinst er sich eins.
Wir verlassen zusammen das Haus und trennen uns dann.....Sven küsst mich flüchtig und klopft mir auf die Schulter, was mich zusammenzucken lässt. Er grinst und winkt mir zum Abschied zu.
Ich gehe ins Büro und hoffe dort auf Mitleid.....aber auch da grinst man eher, als das man mich bedauert. Gemein......wir sind nur vier Leute und verstehen uns super...da hätte ich auf ein wenig Solidarität gehofft. Aber nein.....irgendwie schleppe ich mich durch den Tag und atme auf, als ich endlich das Büro verlassen und nach Hause gehen.....na ja eher schlurfen kann.
Als ich die Wohnungstür öffne, stutze ich.....Sven ist schon da, das ist nichts neues.....aber nirgends zu sehen. Ich lasse meine Tasche fallen und sehe nach...in der Küche steht das Essen warm....aber kein Sven...auch im Wohnzimmer nicht.
Im Schlafzimmer werde ich fündig......er hat den Raum in Kerzenlicht getaucht, sitzt nur mit seiner Boxer bekleidet auf der Bettkante und lächelt mich an.
„Komm.....zieh dich aus, leg dich hin......ich massiere dich. Das hast du dir verdient.....wo du heute so tapfer die fürchterlichen Schmerzen ausgehalten hast... Seine Stimme klingt etwas heiser und ich schaudere....den leisen Sarkasmus, der auch daraus klingt, überhöre ich geflissentlich.....die Atmosphäre ist zu schön, um auf solchen Kleinigkeiten rumzureiten.
Ich mache, wie mir geheißen, lege mich auf den Bauch und schließe die Augen......Sven kniet über mir...wärmt das Öl, das leicht nach Vanille duftet zwischen seinen Händen an und legt los.

Ich erzähle hier keine Einzelheiten.....das ist ne Sache zwischen meinem Freund und mir. Nur soviel.....Svens wunderschöne Hände können nicht nur wunderbar Klavierspielen.

Nach einer Stunde sitzen wir beim Essen...und mir geht es schon viel besser. Ich bin entspannt, locker und fröhlich...nur Santa und sein ewiges Gebimmel gehen mir etwas auf den Nerv, aber damit kann ich leben, wenn Svennie dabei glücklich ist. Ich leibe ihn, so wie er ist...und er mich wohl auch, sonst würde er nicht solche Dinge mit mir veranstalten.
Als wir am Abend im Bett liegen und Sven sich schlafend an mich kuschelt, höre ich den blöden Santa schon gar nicht mehr....viel zu beschäftigt bin ich drüber nachzudenken, was ich doch eigentlich für ein Glück habe.

Noch 16 Tage bis Weihnachten



9. Dezember

Heute ist Donnerstag......dem Himmel sei Dank. Nur noch einmal nervtötendes Weckerschrillen am Morgen und dann erst Mal Wochenende. Diesen Samstag sind keine Überstunden angesetzt und Sven und ich können andere Sachen machen. Wobei mir einfällt, ich sollte auch noch das Geschenk für ihn besorgen. Das will ich nicht auf den letzten Drücker machen und ich kann es auch nicht, wie alles anderen Kleinigkeiten für meine Familie, per Internet bestellen, da mein Schatz alle Päckchen gnadenlos aufreißt.

Sven findet nämlich alles, was ich verstecke......er muss ein eingebautes Radar oder so was haben. Ich drohe ihm schon immer damit, das ich ihm gar nichts mehr schenken werde, weil mir dieser ganze Kommerz zum Hals raushängt...aber irgendwie bringe ich das auch nicht fertig.

Als wir beim Frühstück sitzen, meint Sven zu mir: „Schatz...ich komme heute später....sehr viel später. Erst gegen Abend. Ich muss heute ne Doppelstunde geben, weil die kleine Laura das Stück noch nicht kann und es am heilig Abend doch ihren Verwandten vorspielen soll. Er lächelte und ich lächle zurück, insgeheim Laura bedauernd. Soll sie also vorgeführt werden wie ein Zirkusgaul, damit die Eltern vor Stolz auf ihr Töchterchen platzen und angeben können.
Wie gut, das meine Eltern uns das immer erspart haben.....zumal bei Tanjas Geigenspiel auch jeder noch so wohlwollende Verwandte geflüchtet wäre...auf nimmer Wiedersehen.....von meinem Flötenspiel ganz zu schweigen.
Aber es passt...also habe ich Zeit, nach Geschäftsschluss durch die Stadt zu bummeln und etwas für meinen Schatz rauszusuchen. Ich hab mir dieses Jahr eine besondere Überraschung überlegt und bin darüber eigentlich auch schon ziemlich nervös......ich möchte ihm gern einen Ring schenken.
So sicher, wie ich mir bin, das ich mit ihm zusammenbleiben möchte.......möchte ich ihm das dieses Jahr auch verdeutlichen. Aber ein kleines Geheimnis muss es bleiben, wir feiern Heilig Abend zusammen mit seinen und meinen Eltern wie jedes Mal und ich möchte nicht, das er das Kästchen auspackt, wenn alle dabei zusehen. Das soll eine Sache werden zwischen ihm und mir, von daher muss ich für den 24. noch eine andere kleine Nettigkeit besorgen.
Also mache ich mich nach Büroschluss auf den Weg in die Stadt und mein Gesicht verdunkelt sich immer mehr, je weiter ich in die Innenstadt vordringe. So viele hektische Leute, Gedränge, Geschubse....ich hasse so was abgrundtief.
Ich betrete eine Einkaufspassage, die eigentlich relativ ruhig ist.....und bleibe wie angewurzelt stehen, traue meinen Augen nicht.
Sven.....mein Svennie kommt soeben aus gerade dem Juwelier, den ich ansteuern wollte. Ich kann es nicht fassen....von wegen Klavierstunde. Hab ich ihn erwischt, wahrscheinlich hat er seiner Mutter endlich den Anhänger gekauft, den sie sich schon so lange wünscht. Er sieht auf die Uhr.....hm, er hat seine Notentasche dabei, also wird er wohl doch noch eine Stunde geben....bleibt mir mehr Zeit, um meine Dinge zu erledigen und auf jeden Fall vor ihm zu Hause zu sein. Ich verschwinde um die nächste Ecke....und als ich wieder hervorkomme, ist Sven weg.
Gut...ich betrete den Juwelier, lasse mir Ringe zeigen.....Svens Maß habe ich Gott sei Dank bei mir....aber ich hätte nie gedacht, das es so schwer ist, ein passendes Stück für meinen Schatz zu finden. Alles erscheint mir nicht edel genug für ihn....bis die Verkäuferin einen schlichten Ring aus schmalen Weiß und Gelbgold Streifen bringt. Das ist es......ich nicke begeistert und da der Ring ins Svens Größe vorhanden ist, nehme ich ihn gleich mit.
Zu guter Letzt erstehe ich noch einen kleinen Eisbären aus Kristall.......auch etwas, das Sven mit Begeisterung sammelt...Eisbären in allen Variationen. Ich glaube, ich hatte noch nicht erwähnt, das Rudolf auch ein Eisbär ist? Na ja, ist ja auch nicht so wichtig. Zumindest habe ich jetzt was, das er ihm Kreise der Familie auspacken kann......und worüber er sich freuen wird.
Zu Hause angekommen, überlege ich fieberhaft, wo ich den Ring verstecken kann.....ohne das Svennie ihn findet. Nach tausend Überlegungen komme ich schließlich darauf, ihn in meiner Sockenschublade zu vergraben...so weit hinten wie möglich. Den Eisbären vergrabe ich dort auch.....als Ablenkungsmanöver, falls mir mein Schatz doch draufkommt.
Ich gehe in die Küche und setze Kaffee auf....keine Minute zu früh, denn kurz danach rauscht Sven herein, mit einem seligen Lächeln auf dem Gesicht, seiner Notentasche unter dem Arm. Er fällt mir um den Hals und küsst mich....irgendwie völlig glücklich und ich runzle für mich die Stirn.......hat er vielleicht was vor?
Mein Schatz erzählt allerdings lediglich vom Klavierunterricht und das es Laura schließlich doch geschafft hatte.....armes Mädchen, ich hätte mich für sie gefreut, wenn ihr das Privatkonzert am Heilig Abend erspart geblieben wäre......aber ansonsten schweigt er wie ein Grab. Nun werde ich auch neugierig.......was war es, was er beim Juwelier erstanden hat? Fragen kann ich ihn ja nicht, sonst weiß er, das ich auch da war.
Abends im Bett, als wir beide noch kuscheln, beschließe ich, mal bei Gelegenheit durchzustöbern........die Neugierde plagt mich....und es ist kaum noch auszuhalten.

Noch 15 Tage bis Weihnachten



10. Dezember

Noch genau zwei Wochen....dann werden wir zusammen unter dem Tannenbaum sitzen, gemütlich mit der Familie essen und dann wieder Ruhe haben, bis nächstes Jahr.
Diese Gedanken schießen mir beim Frühstück durch den Kopf, während ich meinen Kaffee schlürfe und Sven betrachte, der heute ein paar Engelchen und Schneemänner auf dem Tisch drapiert und Glitzer darüber verstreut hat, den ich mir gerade zum zweiten Mal aus der Tasse fische.
Ich liebe ihn, aber ich bin echt froh, wenn er wieder auf Normalmodus läuft, das Tannengrün entsorgt und die ganze weihnachtliche Dekoration wieder auf dem Dachboden verschwunden ist.....was mich jedes Jahr kurz vor Silvester genug Nerven kostet.
Mein Schatz besteht nämlich darauf, alles bis spätestens 30. 12. abgebaut zu haben......um Platz zu kriegen für Glücksklee, Schornsteinfeger und rosa Ferkel in allen möglichen Variationen.

Ich sehe auf die Uhr und seufze.....schon wieder Zeit, sich auf die Socken zu machen......heute das letzte Mal. Ein herrlich faules Wochenende liegt vor uns...zumindest hoffe ich das. Sven hat sich noch nicht geäußert, was er denn machen will, also drücke ich mir gerade ganz fest die Daumen, das es so bleibt......von Weihnachtsmärkten habe ich zuerst einmal die Nase voll.
Sven beugt sich über den Tisch und küsst mich, wischt mir dabei etwas Goldglitter von der Nase....weiß der Teufel, wie das da hin gekommen ist.
„Bis heute Nachmittag.. flötet er und ich hebe die Augenbraue. „Gehst du nicht gleich mit?
„Nein Schatz....ich muss heute erst später weg...... Meine innere Stimme piepst Alarm...und das so schrill wie nur möglich. „Ach so.....na dann bis heute Abend.... Ich erhebe mich und gehe mit der Begründung ins Schlafzimmer zurück, das ich meine Uhr vergessen habe.....stattdessen tauche ich in meiner Sockenschublade nach dem Kästchen vom Juwelier und lasse es in meiner Tasche verschwinden.
Trau, schau, wem......diesmal wird er mir und sich ganz sicher nicht die Überraschung verderben...und wenn ich den Ring ständig mit mir herumtragen muss.
Ich verabschiede mich und gehe ins Büro....absolut sicher, das Sven die Zeit nutzen wird, um sich durch sämtliche Schubladen und Schränke zu wühlen.
Leider habe ich darüber vergessen, mein Mittagessen zu kontrollieren.....so muss ich das Grinsen der Kollegen über mich ergehen lassen, als mein Brot diesmal die Form eines Engels hat......und ich auch noch etwas Goldglitter darin erkennen kann. Der Engel hat Käseraspeln als Löckchen und verursacht mir ein schlechtes Gewissen, als ich ihn esse......aber ich hab Hunger.

Gegen 17.00 Uhr laufe ich zu Hause ein......Stille erwartet mich. Kein Sven weit und breit.....dafür liegen meine Socken so ordentlich wie nie in der Lade und ich sehe meinen Verdacht als bestätigt an. Auf dem Küchentisch finde ich neben einer Thermoskanne Kaffee einen Zettel von Sven, der mir mitteilt, das er nur kurz einkaufen gegangen ist.
Gut...ich setzte mich aufs Sofa, Kaffee in der Hand und zappe durch die Kanäle, bis ich den Schlüssel klappern höre und es rummst. Erschrocken fahre ich hoch...bitte nicht schon wieder ein 2 Meter hoher Santa Claus, den ich auf den Balkon befördern muss.
Alarmiert renne ich in den Flur...und werde von einem verwunderten Sven betrachtet. „Ist was passiert? fragt er aufgeregt, als ich so angeschossen komme. Erleichtert seufze ich auf....Sven hat lediglich den Korb abgestellt, der ziemlich schwer aussieht. „Nein nichts ist.....ich freu mich nur einfach so, das du da bist......hab dich vermisst...
Okay....eine kleine Notlüge...ansonsten wäre Sven bestimmt beleidigt und außerdem stimmt es ja...ich hab ihn vermisst und ich freu mich, wenn er da ist....und das immer noch so sehr wie am Anfang.
Sven guckt mich kritisch an, ich lächeln unschuldig.....und dann fällt er mir um den Hals und küsst mich, flüstert mir Zärtlichkeiten ins Ohr. Irgendwie hab ich das Gefühl, als hätte ich in den letzten paar Worten Hund vernommen....ich sehe Sven in die Augen und schaue ziemlich blöd aus der Wäsche.
Er lacht und erklärt mir, das er vor dem Supermarkt einen Nachbarn getroffen hat....der hat sich einen kleinen Hund zugelegt und Sven war ganz begeistert davon.
Nun wollte er mit mir darüber reden.....er hätte gern auch einen.
„Einen kleinen Hund, Adrian...nichts großes......ich wollte schon immer einen. Und wir können zusammen mit ihm spazieren gehen und überhaupt... Bittend sieht er mich an, während ich noch überlege, wie man bei Sven klein definieren soll.....ich sehe mich schon mit einer deutschen Dogge durch den Park flitzen....das Tier vorneweg ich und ich schreiend hinterher, die Leine verzweifelt festhaltend.
Mein Schatz dirigiert mich sanft auf die Couch, beschmust mich.....und als wir im Bett liegen, hat er mich beinahe soweit, das ich zustimme.......ich werde zustimmen, ich kann ihm sowieso nie was abschlagen. Und ein Hund.. warum nicht, ich liebe alles, was Fell und nicht mehr als vier Beine hat. Aber noch gebe ich mich rebellisch.....der einzige Trumpf, den ich habe und den Sven mir auch lässt...weil er weiß, das ich nachgeben werde. Er küsst mich nur und schläft dann zusammengeringelt in meinem Arm ein. Ich betrachte ihn und lächele....ich hab verdammt großes Glück, ihn getroffen zu haben.



Noch 14 Tage bis Weihnachten



11. Dezember



Samstag,..........endlich ausschlafen, lange frühstücken.......und den restlichen tag nach ein wenig Hausarbeit vor der Glotze oder dem PC verbringen.....kuscheln, schmusen...

So hatte ich mir das zumindest gedacht, als ich meine Augen aufschlage, von einem ohrenbetäubenden Lärm irritiert.....und mich erneut nur ein leeres Kissen anglotzt. Ich drehe mich um und begegne dem spöttischen Blick von Rudolf, den ich geflissentlich ignoriere und sehe auf die Uhr. Acht.....es ist acht...du lieber Himmel.
Ich erhebe mich, um Sven zu suchen und zu ergründen, woher der Krach kommt, schlurfe ins Wohnzimmer und sehe meinen Liebsten dort fröhlich Möbel rücken und den Staubsauger schwingen.
„Svennie........ nörgle ich gedehnt und reibe meinen nackten Fuß an meiner rechten Wade. „Was um alles in der Welt treibst du zu nachtschlafender Zeit?
Mein Freund zuckt kurz zusammen und taucht unter dem Sofa vor, unter dem er gerade gesteckt hat.
„Morgen Adrian...Schnuckel... fröhliches Gegrinse schlägt mir entgegen und Sven erhebt sich, um mich zur Begrüßung zu küssen. „Möchtest du Frühstück? Ich hab extra auf dich gewartet. Ein Bambiblick aus steingrauen Augen trifft mich und ich ahne nichts gutes.
„Hm...du hast auf mich gewartet....und vertreibst dir die zeit mit Möbelrücken?
„Hast du es etwa vergessen? Ein tieftrauriger Blick, der mir eine Gänsehaut verursacht und mein Gewissen rührt, obwohl ich mir keiner Schuld bewusst bin, trifft mich. „Was vergessen? frage ich etwas irritiert.
„Wir wollen heute einen Tannenbaum kaufen......das hatten wir ausgemacht.. Svens Blick wird noch trauriger...sofern das überhaupt möglich ist.
Nun gut...ich weiß von nichts......was allerdings auch nicht viel heißen will. Vielleicht hat es Sven mir auch gesagt, als er genau wusste, ich höre nicht richtig hin...oder bin schon im Tiefschlaf. Er erprobt diesen Blick gerne an mir....weil er weiß, das er mich damit total verunsichern kann und ich wirklich nicht weiß, ob ich es vergessen habe. „Und deswegen rückst du Möbel?
„Ja sicher.....ich brauch Platz für den Baum...und sauber sein soll auch alles... Nun sieht mich Sven kopfschüttelnd an. Ich seufze und stimme ihm zu, helfe ihm dann noch, die restlichen Sachen so zu stellen, wie er es gern hätte. Dann lassen wir uns zum Frühstück nieder, das diesmal äußerst kurz ausfällt......Sven drängt darauf, das ich dusche und mich anziehe.....es könnten ja Wundersamerweise alle Bäume ausverkauft sein, wenn wir nicht bald losgehen.
Ich füge mich....alles andere hat bei meinem Schatz ja sowieso keinen Wert.. in dieser Zeit ist er vernünftigen Argumenten nicht zugänglich.
Eine Stunde später sind wir auf dem Markt und steuern den Tannenbaumstand an. Sven hat rote Backen und sieht zum anbeißen aus...seine Augen leuchten und ich weiß genau, das er sich bereits den geschmückten Baum in unserem Wohnzimmer vorstellt. Ich hingegen gebe mich lässig...ich bin auf Verhandeln eingestellt und werde mir sicher nicht so eine Krüppelkiefer andrehen lassen. Misstrauisch beäuge ich die Bäume und den jeweiligen Preis dazu.......die sind teilweise ziemlich happig....da kann man ja bald nen ganzen Wald für kriegen.
Sven steuert nach einer ganzen Weile eine KLEINE Nordmannstanne an.....und dreht sich strahlend zu mir um. „Der Baum ist schön klein......der würde prima ins Wohnzimmer passen.
Nun kennen sie ja mittlerweile Svens Definition von klein. Die Tanne war wirklich schön, aber gut 10 Zentimeter höher als ich...und ich bin 1, 85. „Nur, wenn du sämtliche Möbel aus dem Zimmer entfernst...und ich helfe dir garantiert nicht dabei... setze ich gleich hinzu, denn Sven bringt es fertig, Couch und Schrank rauszustellen, nur damit der Baum Platz hat.
Nach langem Feilschen und Ringen miteinander können wir uns auf eine kleinere Tanne einigen......die misst nur Höchsten 1, 75.. Damit kann ich leben.....und auch, das sie nicht sooo ausladend ist, das sie mir den Blick auf den Fernseher versperrt. Sven nickt und nun ist es an mir, mit dem Verkäufer zu verhandeln.......leider wird mein ganzes Geschick durch meinen Schatz boykottiert, der den Baum unbedingt will und vermutlich sogar noch das Doppelte dafür gezahlt hätte.
Ich schimpfe vor mich hin, als wir das Teil nach Hause schleppen.....ich halt das für ne Menge Geld für einen Baum, der am 28.spätestens im Garten zersägt wird......was übrigens auch ich machen darf.....und den von meinen Eltern und Svens Eltern gleich mit.
Sven läuft hinter mir, hört sich geduldig mein Gemecker an und summt glücklich vor sich hin.........der Mann schafft mich irgendwann noch mal. So fest er mit beiden Beinen im Leben steht.......zur Weihnachtszeit kriegt er Flügel und schwebt 10 Meter über der Erde.....ungelogen.
Allerdings liebe ich ihn auch fürchterlich.....von daher kann ich zwar schimpfen, aber es ist alles nur, um mir selbst einzureden, das es mich stört.
Zu Hause angekommen, quetschen wir den Baum auf den Balkon......ist schwierig, wegen Santa, aber nach einer Stunde haben wir ein kleines Eckchen freigeschoben, wo nun unsere wunderschöne Nordmannstanne darauf wartet, reingeholt und geschmückt zu werden...was, wie ich Sven kenne, spätestens nächstes Wochenende passieren wird.
Ich lasse mich geschafft auf die Couch fallen und Sven geht in die Küche, setzt Kaffee auf...und holt Plätzchen...meine Vanillekipferl haben wir alle schon verspachtelt....aber glücklicherweise liebt es Svens Mutter zu backen und hat noch mal einen Schwung gemacht....nur für uns.
Wir kuscheln auf der Couch, sehen alte Filme und alles in allem ist es doch noch ein Samstag, wie ich ihn mir vorstelle. Sven besteht sogar darauf, den Pizzadienst anzurufen, damit wir mehr Zeit für uns haben.
Abends im Bett, als Sven schon lange selig schläft, fällt mir wieder ein, das ich ja die Schubladen durchsuchen wollte. /Na ja, anderes Mal/ denke ich, bevor auch ich wegschlummere.



Noch 13 Tage bis Weihnachten