12. Dezember



Ein juchzender Schrei weckt mich und ich vergrabe meinen Kopf im Kissen......warum um alles in der Welt reißt man mich immer so abrupt aus dem Tiefschlaf?
Ich grummle vor mich hin, als meine Decke ein Stück herunter gezogen wird und das Senken der Matratze mir andeutet, das Sven sich zu mir gesellt hat. Vorsichtig ziehe ich meinen Kopf unter dem Kissen hervor und sehe meinen glücklich strahlenden Schatz, der mit leuchtenden Augen über mir kniet.
„Es hat geschneit, Adrian.....ganz dolle......alles ist weiß... jubelte er und ich riskiere einen Blick zur Uhr. 9.00....wenigstens hat er sich heute mehr Zeit gelassen.
„Schön....... seufze ich leise und etwas desinteressiert.....zu desinteressiert für Sven, der eine Hand auf meine Brust legt, was mich veranlasst, hochzufahren.....er hat eiskalte Hände. Wahrscheinlich hat er sich schon auf dem Balkon mit dem Schnee beschäftigt.....sofern Santa ihm Platz gemacht hat.
„Svennie...... anklagend sehe ich ihn an. Er grinst nur und erhebt sich. „Komm.....anziehen, frühstücken und dann ab nach draußen...ich möchte in den Wald, bevor die Spaziergänger die weiße Pracht zertrappelt haben.
Hatte ich schon erwähnt, das ich hier keine Lobby habe? Meine Bedürfnis nach Ruhe und ausschlafen wird einfach ignoriert. Sven will nach draußen und das mit mir....also stehe ich gehorsam auf und bete im Stillen dafür, das Weihnachten bald vorbei sein möge.....damit ich endlich wieder normal leben kann.
Ich schleppe mich unter die Dusche, ziehe mich an und erscheine am Frühstückstisch.....Sven hat gedeckt und wir essen. Nach einer Stunde wird er hibblig.....also trinke ich meinen Kaffee aus, suche meine dicksten Sachen zusammen und rüste mich für einen Winterspaziergang.
Sven grinst mich an, als er beobachtet, was ich alles anziehe. „Du bist ne Frostbeule.... sagt er mit einem Kichern. „ Und das Michelin Männchen ist ein Dreck gegen dich.
Ich verziehe mein Gesicht zu einem wie ich meine empörten Ausdruck und lasse mich nicht aus der Ruhe bringen. „Mir egal...ich will mich nicht erkälten.
„Ist mir auch lieber, du bleibst gesund.....du bist ein soooo leidender Patient.. kichert Sven und ich ziehe beleidigt noch ein paar Socken an.
Nach einer halben Stunde laufen wir durch den Wald....es ist still, ruhig und die Geräusche irgendwie gedämpft. Schön....und so kalt ist es auch nicht. Liegt aber wahrscheinlich an meiner Kleidung, über die Sven nebenbei immer Witze macht. Kann ich was dafür, das meine Daunenjacke weiß ist und ich tatsächlich Ähnlichkeit mit dem Michelinmännchen habe? Hauptsache, mir ist warm...denke ich, als mich etwas Nasses und Kaltes am Kopf trifft.
Sven hat beschlossen, eine Schneeballschlacht anzufangen und das lasse ich natürlich nicht auf mir sitzen.
Wir bewerfen uns eine Zeitlang, tollen herum wie die kleinen Kinder und ich übersehe eine Baumwurzel, die am Rande eines Abhang liegt. Es kommt, wie es kommen muss...ich falle und rolle den Hügel hinunter.....habe keine Chance, mich dagegen zu wehren. Als ich unten angekommen bin und mir den Schnee aus dem Gesicht wische, sehe ich Sven am oberen Rand...er ist zusammengebrochen und hält sich den Bauch vor lachen. Das verstärkt sich noch, als er sieht, wie verzweifelt ich mich bemühe , auf die Beine zu kommen....meine Kleidung ist einfach zu sperrig und zu dick zum eleganten Aufstehen.
„Du siehst aus wie ein Walross........wie eine Pistenwalze... schallt es mir von oben kichernd entgegen, bevor sich mein Liebster in Bewegung setzt , den Hang herunter kommt und mir aufhelfen will.
Aber Rache ist süß...also ziehe ich ihn zu mir in den Schnee und seife ihn ordentlich ein, bevor wir außer Atem vor Lachen zum Stillstand kommen.
„Ich liebe dich.... rutscht mir unvermittelt heraus....aber in diesem Moment musste das einfach sein. Sven sieht mich an und strahlt.....ich bin äußerst sparsam mit diesen Worten, weil ich meine Gefühle lieber auf andere Weise ausdrücke....und ich sehe, das er sich drüber freut.
„Ich dich auch.....du Pistenwalze... meint er liebevoll und wir erheben uns......schütteln uns den Schnee aus allen möglichen Ritzen und kichern dabei wie 5 Jährige.
Zu Hause machen wir uns in aller Ruhe einen Kaffee, setzen uns vor den Fernseher und tun all das, was ich mir unter einem gemütlichen Sonntag vorstelle.
Und Abends im Bett fällt mir ein, das ich ja immer noch die Schubladen durchstöbern will.....aber irgendwie ist mir das heute völlig entfallen.

Noch 12 Tage bis Weihnachten



13. Dezember



Heute.....heute wird der Tag sein, an dem ich meine ganzen Prinzipien über Bord schmeiße und mich auf die Suche nach meinem Geschenk machen werde.
Es passt ganz gut, da mir Sven erzählt, das er nach der Arbeit eine Klavierstunde gibt und dann gleich noch einkaufen will, er also erst gegen Sechs zu Hause sein wird. Schön...somit bleibt mir eine gute Stunde, um Schubladen, Nachtkästchen und Schränke zu durchstöbern.
Wir gehen aus dem Haus, verabschieden uns voneinander und dann geht jeder zur Arbeit.
Heute stören mich nicht einmal die Glocken aus Ketchup, die mit Sven mit viel Liebe auf mein Brot gemalt hat.......zumindest hat er keinen Goldglitter darüber gestreut, das knirscht immer so zwischen den Zähnen.
Ich beeile mich mit meiner Arbeit, so das ich überpünktlich Feierabend machen kann und hetze nach Hause.
Keiner da...wie vorausgesehen, also mache ich mit erst mal einen Kaffee und beginne im Wohnzimmer, vorsichtig in sämtliche Schubladen hineinzusehen.
Bis auf die Kondome mit Kirschgeschmack, die ich vor 3 Jahren mal gebraucht habe und von denen ich mich frage, wie um alles in der Welt sie zwischen meinen Zeugnissen zu finden sind,........Fehlanzeige. Nicht mal etwas, das andeutungsweise wie ein Geschenk aussieht. Enttäuscht mache ich alles wieder zu und bewaffne mich mit meiner Tasse, um ins Schlafzimmer vorzudringen. Mit Svens Nachtkästchen fange ich an.....dort finde ich nichts außer Kleenex und ein paar Handschellen, die mit rosa Plüsch ummantelt sind.....ja ich weiß, es war auch ein Anfall von geistigem Durchfall, diese hässlichen Dinger zu kaufen. Benutzt haben wir sie nie.....weil sie weder um sein noch um mein Handgelenk passen.
Das Nachtkästchen habe ich durch.....auch nix. Also wende ich mich meinem zu, könnte ja sein, das er denkt, Angriff ist die beste Verteidigung....und meint, ich würde da nicht nachsehen.
Aber auch hier nichts. Genauso geht es mir mit dem Kleiderschrank und der Sockenschublade. Ich könnte meine Zähne in die Holztür schlagen vor Frust, wenn ich nicht Angst hätte, das mein Schatz meine Zahnabdrucke identifizieren könnte.
Als allerletzte Möglichkeit bleibt die Schublade mit seiner Unterwäsche.....da gehe ich nicht dran und das weiß er auch. Ich öffne, taste etwas herum und tatsächlich......da ist was hartes zu spüren....sinnigerweise in einer von Svens Lieblingsboxer. Ich grinse wie dumm, bin mir der Ironie wohl bewusst, als ich ein kleines Kästchen heraus ziehe....meinem Geschenk für ihn nicht unähnlich. Ich öffne es vorsichtig......und mich glotzt ein Frosch an..... ....aus Gold und mit einigen kleinen Steinen versehen.
Ich kanns nicht fassen......der Anhänger, den sich seine Mutter schon so lange wünscht, weil sie ein Faible für diese ekligen grünen Hüpfer hat.
Enttäuscht lege ich das Kästchen zurück in die Boxer....war er also doch beim Juwelier gewesen, um den Anhänger zu kaufen. Ich schließe alle Schubladen, so das es aussieht , als hätte ich nie was gesucht und setze mich in Wohnzimmer vor den Fernseher. Sven hat was für mich, das weiß ich schon.....aber ich hab keinen Plan, was. Werde ich mich doch überraschen lassen müssen, denn um weiterzusuchen, fehlt mir die Zeit. Ich habe recht.....keine 10 Minuten später geht die Haustür und Sven ruft nach mir, damit ich ihm helfe, die Einkäufe reinzutragen und zu verräumen.
Er mustert mich kritisch, während ich eine Tüte Milch in den Kühlschrank räume. „Ist was? Du siehst irgendwie so deprimiert aus? fragt er leise und streicht mir über den Rücken. Ich bekomme rote Ohren und verneine, erzähle nur etwas von einem Misttag im Geschäft und das ich ihn vermisst habe.
Muss ja nicht wissen, das ich geschnüffelt habe.
Sven hebt die Augenbraue, sagt aber nichts dazu. Schließlich kochen wir gemeinsam, essen und dann ist meine Laune auch schon wieder viel besser......ich hab immerhin noch ein paar Tage Zeit zum suchen, fällt mir da grade so ein. Es sind immerhin noch



11 Tage bis Weihnachten



14. Dezember

Heute ist ein Scheißtag.....da wusste ich schon beim Aufwachen. Erstens klingelte mein Wecker so penetrant wie nie zuvor, zweitens stellte mir Rudolf gemeiner weise ein Bein, so das ich auf dem Weg ins Bad, verschlafen wie ich war, der Länge nach hinschlug und dann fuhr meine Bahn mir vor der Nase weg.
Kann es noch schlimmer kommen? Ja es kann......ich betrete das Büro und sehe schon an den Gesichtern der Kollegen, das wohl der oberste Chef im Anmarsch ist...das macht er jedes Jahr zu Weihnacht, um sich für die hervorragende Mitarbeit zu bedanken und bla.
Eine Stunde später ist der Müller tatsächlich da......mit einem strahlenden Lächeln, das genauso falsch wirkt wie seine Haare sind.
Er labert sein Sprüchlein....und alle atmen erleichtert auf, als er fertig ist. Leider ist er das wohl nicht so ganz wie ich feststellen muss, denn als ich mich erhebe, um zur Toilette zu verschwinden.....fällt das Wort Weihnachtsfeier.
Weihnachtsfeier.....meine Nackenhaare stellen sich.....das ist ungefähr so schlimm wie Mumps, Röteln oder die Pest. Besoffene Kollegen und das auch noch von jedem Filialbüro.......die ihre bescheuerten Witze reißen. Noch schlimmer wird es allerdings, als der Müller freudestrahlend erklärt, das man seine Partner mitbringen darf......am Freitag Abend in der und der Wirtschaft, bevor er wieder verschwindet.
Ich hasse Weihnachtsfeiern und noch mehr hasse ich Feiern mit Partner.
Nicht das es mir was ausmacht, wenn jeder weiß, das ich schwul bin....und das ich mich mit Sven da nicht blicken lassen will. Verstehen sie mich ja nicht falsch. Ich liebe Sven...auch wenn er gerade einem Rauschgoldengel Konkurrenz macht.
Ich mag nur nicht angestarrt werden wie ein Kalb mit drei Köpfen, weil ich einen Mann küsse. Und folgt unweigerlich danach....ich spreche aus Erfahrung. Gegen später, wenn dann alle weinselig sind, kommen dann mehr so intimere Fragen.....ersparen sie mir die Einzelheiten.
Nur wenn ich Svennie das heute Abend erzähle, wird er Feuer und Flamme sein.....er liebt solche Veranstaltungen. Und ich kann es ihm nicht abschlagen, weil er mich dann ansehen wird wie Bambi.
Als ich mich zu Feierabend von Bernd verabschiede, grinst dieser. „Komm ja nicht auf die Idee, deinem Schatz das zu verschweigen., sonst ruf ich ihn an. Mitgehangen, mitgefangen....du kommst nicht drumrum.
Verdammt...Bernd kennt mich ziemlich gut.......und er mag Sven sehr gerne. Muss ich also in den saueren Apfel beißen. Beim Kaffeetrinken zu Hause erzähle ich meinem Freund davon...wie gedacht ist er begeistert und geht in Gedanken schon mal alles durch, was er anziehen könnte.....von den kleinen Wichtelgeschenken, die er für meine liebsten Kollegen macht, ganz zu schweigen. Wahrscheinlich wollen sie mich deswegen immer dabeihaben...damit ihnen Sven kleinen Nettigkeiten schenkt, über die sie sich wirklich freuen, weil er zielsicher das heraussucht, was sie mögen. Ich arbeite mit ihnen....aber er weiß mehr über sie als ich ahne. Sven hört genau zu und ist bei sämtlichen Festen zugegeben...und ich bewundere ihn dafür. Aber nur heimlich, versteht sich.
Als wir an diesem Abend ins Bett gehen, raucht mir der Kopf von möglichen Klamottenkreationen, die mir Sven auch gleich noch vorgeführt hat. Und wieder hatte ich keine Gelegenheit, weiter zu stöbern.

Noch 10 Tage bis Weihnachten





15. Dezember



Gott, was ist das? Der Wecker klingelt und mein Kopf scheint zu explodieren.......ich will mich umdrehen, um ihn abzustellen und ein fürchterlicher Schmerz durchzuckt meine Glieder.....mein Mund ist trocken und mein hals tut weh....ich schniefe und greife nach Sven, um ihn wachzurütteln. „Svennie....... jammere ich mit krächzender Stimme „ich muss sterben..
Sven grummelt etwas und drehte sich um, macht das Licht an, was mich geblendet die Augen schließen und einen bohrenden Schmerz in meinem Kopf aufblitzen lässt. Er betrachtet mich kritisch, fühlt meine Stirn und meint dann ungerührt: „Du bist erkältet, Adrian, mein Schatz. Davon stirbt man nicht.
Er blickt in mein leidendes Gesicht, hört mein Stöhnen und murmelte dann: „Du wahrscheinlich schon. Am besten, du bleibst zu Hause. Ich ruf im Büro an und entschuldige dich.
„Und du? schniefe ich leise und greife nach einem Taschentuch, putze mir demonstrativ und geräuschvoll die Nase......können ruhig alle mitkriegen, das ich totkrank bin....auch die Nachbarn ein Haus weiter.
„Ich geh arbeiten....und dann wie gewohnt meine Klavierstunde geben... sagte Sven und erhebt sich.
„Du willst ne Klavierstunde geben? Und ich liege hier und kann mich nicht rühren? jammere ich und bekomme nicht mit, das mein Schatz die Augen verdreht. Ich höre nur wie er etwas vor sich hinmurmelt, das wie Hypochonder klingt. Gut, schön, sterb ich eben allein vor mich hin und wenn er heute Nachmittag nach hause kommt, wird er schon sehen was er davon hat, wenn ich kalt und steif in unserem Bett liege. Demonstrativ drehe ich mich zur anderen Seite und schließe die Augen, bekomme nur am Rande mit, das Sven telefoniert und dabei herzlich lacht, dann wieder zu mir kommt, um sich zu verabschieden. „Bernd sagt, auch eine Erkältung gilt nicht als Ausrede......du musst auf jeden Fall mit mir zu Feier und wenn er dich höchstpersönlich abholt... Mein Schatz küsst mich zum Abschied und geht.
Von wegen blöde Weihnachtsfeier......bis dahin bin ich wahrscheinlich schon längst beerdigt. Ich grummle vor mich hin und schlafe wieder ein....werde aber unsanft aus dem Schlaf gerissen, als meine Tür aufgeht und ich ein leises: „Adrian... höre. Gott.....Svennie hat seine stärkste Waffe aufgefahren und seine Mutter auf mich gehetzt. Sicherlich mit Hühnerbrühe und anderen Kleinigkeiten im Gepäck.
Ich drehe mich um und lächle gequält. Svens Mutter ist ein Engel, aber sie ist mir dann schon zu fürsorglich. Ich bin davon überzeugt, das mein Schatz das mit Absicht gemacht hat. „Erika... krächze ich und sie kommt zu mir, fühlt meine Stirn und schieb mir ohne Vorwarnung ein Fieberthermometer in den Mund. Habe ich ein Glück, das sie es mir nicht woanders reingeschoben hat.
Erika rennt hin und her, holt Wärmflasche und Eisbeutel, als sie festgestellt hat, das ich leicht erhöhte Temperatur habe und legt mir die Wärmflasche unter die Füße und den Eisbeutel auf den Kopf. Ich habe das Gefühl, mit den Beinen in der Hölle und mit dem Kopf in einem Iglu zu stecken.....aber ich will mich nicht beklagen, sonst wird es noch schlimmer.
Erika stopft mich mit Tee, Hühnerbrühe und allem möglichen voll und ich bin mehr als dankbar, als ich Svens Schlüssel höre...obwohl er heute eine halbe Stunde später dran ist. Das Gesicht, das er zieht, als er zu mir kommt und mich begrüßt, spricht Bände. Er hat genau gewusst, was er tat, als er seiner Mutter bescheid gegeben hat. „Verräter.... zische ich leise, als er mich küsst und mich mehr als scheinheilig fragt, wie es mit geht. „Dank Erikas Pflege viel viel besser.... Erika lächelt selig und verabschiedet sich, da Sven ja jetzt da wäre.
Ich stehe auf und würdige Sven keines Blickes...ich schmolle...und das will ich auch noch eine Weile tun. Demonstrativ setze ich mir Kaffee auf und hocke mich ins Wohnzimmer, schaltet den Fernseher an und würdige meinen Schatz keines Blickes.
Sven kuschelt sich an mich heran......beginnt meinen Nacken zu kraulen.....streichelt meine Brust und plötzlich hab ich überhaupt keine Lust mehr zu schmollen.
Wir verziehen uns ins Bett und machen andere, schöne Dinge...danach trinken wir einen Kaffee zusammen und kuscheln uns auf der Couch ein. Wundersamerweise geht es mir wirklich besser.....was aber wohl eher an Sven denn an Erikas Hühnerbrühe liegen.

Mein Schatz weiß schon, was er zu tun hat, damit es mir gut geht........ich liebe ihn dafür.



Noch 9 Tage bis Weihnachten



16. Dezember

Da es mir heute morgen viel besser geht, beschließe ich, zur Arbeit zu gehen, denn noch eine Runde mit Erika und ihrer Hühnerbrühe überlebe ich nicht. Sven kuschelt sich nach dem Weckerklingeln an mich und flüstert mir lauter nette Zärtlichkeiten ins Ohr, was ich gemein finde....denn heute muss er später gehen als ich und macht mir nun überhaupt keine Lust, aufzustehen. Er schmust und küsst mich.......er steht auf und macht frühstück, während ich dusche und so langsam frage ich mich, ob nicht noch etwas mehr dahinter steckt als nur Liebe.
Beim Frühstück zwinkert er mir dann auch geheimnisvoll zu und meint nur: „Nimm dir bitte für heute Nachmittag nichts vor.....und komm bald nach Hause. Meine innere Alarmglocke schrillt in den höchsten Tönen.....warum betont er das so? Ich habe mir noch nie etwas spontan vorgenommen, wir sprechen uns immer ab, weil ich ohne Sven keine Lust habe, was zu unternehmen. Und ich bin auch immer gleich nach der Arbeit nach Hause.....weil ich einfach Kaffee und Sven haben will nach acht Stunden....und meine Ruhe. Ich hake nach und frage, aber mein Schatz lächelt nur...und lässt absolut nichts raus.
Im Büro kann ich mich kaum konzentrieren und male mir bereits die allerschlimmsten Szenarien aus: Sven schleppt einen zweiten 2 Meter Santa an und gesellt ihn zu dem anderen auf den Balkon...weil der erste sonst so einsam ist.......er schlägt die Wohnung komplett mit Goldfolie aus......und andere entsetzliche Bilder gaukeln durch meine Phantasie. Ich beiße geistesabwesend in mein Käsebrot und es knirscht......hat mein Schatz wieder mit Goldglitter gearbeitet.
Irgendwie bringe ich meine acht Stunden herum, entschuldige mich damit, das mich immer noch der Schnupfen plagt und gehe nach Hause. Mit einem etwas größeren Klumpen im Magen schließe ich die Tür auf und rieche Kaffee......alles wie immer, wie ich nach einem schnellen Rundblick im Flur feststelle.
Ich gehe weiter und schaue in die Küche......kein Sven. „Schatz? rufe ich fragend und aus dem Wohnzimmer erschallt ein: „Hier.. Ich gehe der Stimme nach und stelle mir nun schon angenehmere Dinge vor....Svenie nur mit einer Boxer bekleidet auf dem Sofa...oder vielleicht ganz ohne......als ich irritiert auf einen Gegenstand starre, der vor meinen Füßen liegt.
Ich bücke mich und erkenne meinen Pantoffel.....oder eher das, was noch von ihm übrig ist. Er sieht irgendwie.....zerrupft aus. Mit dem Schuh in der Hand betrete ich das Wohnzimmer und will Sven fragen, ob er vielleicht etwas damit zu tun hat, als plötzlich etwas auf mich zuwirbelt und an mir hochspringt........etwas kleines, schwarz/weißes.......und ich sehe erst das Knäuel und dann Sven an, der übrigens komplett angezogen ist...schade eigentlich.
„Was ist das? fragte ich überflüssigerweise, denn ich habe es längst als Cockerspanielwelpen identifiziert.
„Das..... lächelte Sven mit einem so seligen Gesichtsausdruck und einem engelsgleichen Lächeln, das meine Knie weich werden „ist Chipsy.! Ist sie nicht einfach süß?
Ich betrachte das Fellbündel, das sich inzwischen in die Spitze meines Sockens verbissen hat und gehe in die Knie...kraule sie. Ich muss einfach. „Ja....ich hab dir doch erzählt....das einer der Nachbarn einen Hund hat...und die ältere Dame die Chipsy hatte, ist ganz plötzlich verstorben....und sie wäre ins Tierheim gekommen......kannst du dir das vorstellen? So ein Baby ins Tierheim? Sven kniet mittlerweile neben mir und krault die Süße am Bauch. „Und da ist dem Nachbarn eingefallen, das ich so begeistert war...und er hat mich gestern auf dem Nachhauseweg angesprochen. Ich weiß, das wir noch mal drüber reden wollten...aber ich konnte nicht nein sagen... Mein Schatz schenkt mir einen filmreifen, tränenumflorten Blick aus grauen Augen und ich schließe meinen Mund, den ich schon zum Protest geöffnet hatte......dem hab ich nichts, aber auch gar nichts entgegen zu setzen. Außerdem hätte ich genauso gehandelt.....auch wenn ich nach außen hin immer den nüchtern Analytiker gebe....alles nur Tarnung.
Wenn es Sven betrifft, bin ich nicht rational.....und wenn es um Tiere und Kinder geht, auch nicht.
Und ich habe Glück...es ist wirklich ein kleiner Hund.......bei Svens Definitionen hätte ich auch mit einem Bernhardiner empfangen werden können.
„Okay.......dann gehen wir morgen einkaufen. Sie braucht sicherlich noch einiges..... Ich beuge mich vor und küsse meinen Schatz, der den Kuss freudig erwidert und uns mit seinem Elan beide auf den boden befördert. „Leine und Geschirr hab ich schon......und das nötigste an Futter. Aber wir brauchen Näpfe und das alles...ein Körbchen....Spielzeug. Sven lächelt und deutet mit dem Kopf auf meinen zerrupften Pantoffel, während Chipsy abwechselnd an und beiden hochspringt....wie ein Gummiball.
Ich nicke ergeben und als wir abends zusammen im Bett liegen und die Kleine vor der Tür herzerreißend jault, bin ich derjenige, der sie ins Schlafzimmer holt und auf einen alten Pullover von mir bettet.

Sie ist süß........und Sven ist es auch, der sich sofort danach an mich schmiegt und mir Koseworte ins Ohr raunt. Werden wir also zu dritt feiern



Noch 8 Tage bis Weihnachten



17. Dezember



An diesem Morgen werde ich wach, weil etwas schwer auf meiner Brust liegt. Schlaftrunken fahre ich mit der Hand darüber...Sven schläft oft mit dem Kopf auf meiner Brust. Heute allerdings irritiert mich etwas...die Haare fühlen sich so anders an...und vor allem, seit wann ist mein Freund so sehr behaart...und leckt meine Hand ab?
Ich öffne meine Augen vollends und sehe in zwei babyblaue.......und dann muss ich mich gegen einen Ansturm erwehren.....ein kleines Fellknäuel hängt auf mir und versucht, mich im Gesicht abzulecken. Der ganze Hund wackelt....vor lauter Freude. Endlich habe ich es geschafft und höre Svennies Kichern...er hat das Ganze natürlich beobachtet und freut sich diebisch darüber.
„Wie kommt Chipsy denn in unser Bett? frage ich und suche Svens Blick. Nun blicken mich steingraue Augen unschuldig an: „Ich habe keine Ahnung...sie muss wohl heute Nacht irgendwann hochgesprungen sein.
Na sicher.......wahrscheinlich sind ihr Flügel gewachsen und sie schwebte ins Bett.....denn unser Bett ist ziemlich hoch und Chipsy ein Baby......wenn ich alles glaube, aber das nicht. Nur bringt mir das leider überhaupt nichts, denn es ist eh schon zu spät, um dagegen protestieren zu können.
Wir beschließen, aufzustehen und uns anzuziehen....und mit der Kleinen ne Runde im Garten zu drehen....damit sie sich erleichtern kann. Chipsy macht im Garten alles, nur nicht pinkeln. Also wird Erika damit beauftragt, mit ihr nachher noch mal zu gehen....wir müssen ja arbeiten und lassen den Hund sowieso einen Stock tiefer. Praktisch, wenn man die Eltern mit im Haus hat.
Nach dem Frühstücks und der Verabschiedungszeremonie, die heute besonders innig ausfällt.......nein nicht mit mir, mit Chipsy...wäre sie nicht so süß, würde ich eifersüchtig werden....verabreden Sven und ich uns nach der Arbeit in der Stadt.....um für die Kleine einzukaufen. Er freut sich....ich kann es förmlich sehen und küsst mich innig, bevor er zu seinem Haltestelle wetzt. „Du bist der Beste.... höre ich noch und das tut mir gut......kann ich den Tag im Büro doch voller Elan hinter mich bringen.
Nach Feierabend mache ich mich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt.....und ein aufgeregter Sven wartet schon auf mich, winkt mir entgegen und hat bereits eine Tüte in der Hand. Ich ahne schlimmes.....aber er küsst mich, bevor ich fragen kann und lässt mich einen Blick hineinwerfen. Ein Adventskalender für Hunde.......ich wage einzuwerfen, das wir heute bereits den 17. haben und es wohl doch etwas zu spät für solche Sachen ist.....aber Sven ignoriert meinen Protest völlig. „Dann machen wir eben 17. Türen auf einmal auf.....es war ein Schnäppchen....und sie mal, der Hund mit der Weihnachtsmütze auf dem Kalender sieht wie Chipsy aus.... Mein Schatz lächelte mich an und meint dann: „Augen zu....
Nach einem kritischen Blick in seine schließe ich dieselbigen und öffne brav den Mund, als er mit den Fingerspitzen darüber streicht. Sofort danach schmecke ich etwas süßes...und seufze zufrieden auf.
„Ich hab natürlich auch was für dich... raunt mir mein Freund ins Ohr und hält mir eine Packung Marzipankartoffeln vor die Nase......ich liebe dieses Zeug.
Wieder etwas versöhnt fahren wir gemeinsam zum Zoogeschäft. Das ist ein Paradies für Sven...sofort zieht er mich mit und wir beginnen, seine gestern heimlich geschriebene Liste abzuarbeiten. Näpfe, Körbchen......ich wage einzuwenden, das ein Körbchen überflüssig ist, da er Chipsy ja sowieso mit ins Bett nimmt.....und ernte einen fast tödlichen Blick. Fortan schweige ich lieber....besser für meine Gesundheit. Wir sind zwei geschlagene Stunden im Laden und ich kann Sven von manchen Käufen nur sehr schwer abhalten......wer braucht schon einen Plüschweihnachtsmann als Spieltier.....aber ich schaffe es. Und ziemlich geschafft kommen wir auch wieder zu Hause an, wo ich die ganzen Sachen aufbauen darf und Svennie Chipsy von seiner Mutter holt.
Ich stelle die Näpfe in die Küche, fülle sie mit Wasser und Futter......setze mir dann einen Kaffee auf und höre Sven die Treppe hochpoltern, der mit der Kleinen in die Küche gestürmt kommt und mir stolz erzählt, das sie ihr Geschäft draußen verrichtet hat.
Ich lächele und nicke...mein Schatz benimmt sich wie ein frischgebackener Vater, dessen Kind zum ersten mal aufs Töpfchen gegangen ist.....aber ich finde ihn niedlich. Zumal es ihn auch irgendwie von dem ganzen Weihnachtskram abzulenken scheint.....kein zweiter Santa auf dem Balkon.

Abends im Bett haben wir den Korb mit Chipsy neben dem Bett stehen.....aber ich bin fast schon sicher, das die kleine Dame wieder ihre Flügel ausbreiten und zu uns ins Bett schweben wird......ich kenn doch meinen Liebling....der heute ganz von sich aus Santa den Saft abgedreht hat, damit Chipsy sich nicht erschreckt.....es geschehen noch Zeichen und Wunder.



Noch 7 Tage bis Weihnachten



18. Dezember

Hatte ich es ihnen nicht gesagt? Als ich meine Augen aufschlage, liegt Chipsy am Fußende zwischen uns. Der Kauf des Körbchens war völlig für die Katze....ich werde es heute Vormittag zu Erika hinunterbringen, damit unser Hundebaby ein Bettchen hat, wenn sie bei ihr ist. Svennie murmelte leise und schmiegt sich an mich.....heute ist Samstag und wir können uns mit allem Zeit lassen. Wir dürfen nur nicht vergessen, um 17.00 Uhr zu Weihnachtsfeier bei mir im Geschäft zu erscheinen.......Bernd traue ich zu, das er die Kavallerie einfliegen lässt, um uns zu holen. Und das aus purem Eigennutz.....
Leider wird unsere Kuschelstunde jäh unterbrochen, als Chipsy unruhig wird. „Sie muss raus... Sven hechtet förmlich aus dem Bett, zieht sich Jogging über und schnappt Hund, um sie hinunter in den Garten zu befördern.
Ich sehe ihm etwas verblüfft hinterher und beschließe dann auch, aufzustehen um Frühstück zu machen. Nach einer Viertelstunde ist mein Schatz wieder da, die Kleine war brav und bekommt eine Belohnung......Tür 1- 10 vom Adventskalender. Ich hebe die Augenbraue, schenke mir aber meinen Kommentar. Der würde sowieso auf taube Ohren stoßen. Sven hat ein Talent nur das zu hören, was ihn interessiert...oder was er nicht hören soll.
Wir verbringen einen ruhigen Vormittag, gehen zusammen mit dem Hund in den Wald und lümmeln uns danach ein wenig auf dem Sofa. Essen brauchen wir heute nicht kochen, das gibts ja auf der Feier.
Gegen drei wird Svennie etwas hektisch.....er geht duschen, zieht sich ungefähr zweihundert Mal um, bis er endlich mit seinem Spiegelbild zufrieden ist......zumindest teilweise. Seine Haare stylt er noch drei Mal um, aber das bin ich schon gewöhnt, daher lasse ich mich auch nicht aus der Ruhe bringen und mache mich gemütlich fertig.

Pünktlich um 17.00 Uhr betreten wir die Gaststätte ...und sind trotzdem die letzten. Fallen die anderen alle schon ne halbe Stunde früher ein, um nichts zu verpassen oder wie? Sven wird herzlich begrüßt und er lächelte wie ein Engelchen....zaubert dann einen kleinen Jutesack hervor und verteilt kleine Geschenke an meine Kollegen. So ist er und deswegen mögen sie ihn ja auch so.
Ich setze mich zu Bernd und seiner Frau und wir kommen ins Plaudern.....Sven gesellt sich dazu und es wird doch noch ein richtige schöner Abend...obwohl ich eigentlich ja so gar keine Lust dazu hatte. Die etwas irritierten Blicke der Kollegen aus den anderen Zweigstellen bemerke ich gar nicht.
Den restlichen Abend zu schildern, erspare ich ihnen lieber........nur soviel....Svennie und ich erregten ganz schön Aufsehen, als wir tanzten und eine Kollegin meinte, Sven solle ihr doch bitte den und den Schritt beibringen.
Ich wollte nach dem Tanzen eigentlich nur noch nach Hause....mein Schatz hat eine Art, sich zu bewegen, die mich fürchterlich anmacht und ich hätte ihn am liebsten in eine dunkle Ecke gezerrt. Nur hatte ich nicht bedacht, das er der Frau, die übrigens Monika heißt, ja noch Unterricht geben musste. Und schließlich entdeckte er auch noch einen Flügel und dann war es um ihn geschehen.
Er spielte Weihnachtslieder und die Frauen scharten sich um ihn, sangen mit und hingen förmlich an seinen Lippen, während uns Männern nur noch übrig blieb, uns zu betrinken. Was ich auch tat.

Der Rest des Nachhausewegs und der nacht ist mir leider entfallen, also kann ich auch nichts darüber berichten. Ich weiß nur, das ich mich übergeben musste und Sven zwar schimpfte wie ein Rohrspatz, mir aber trotzdem den Nacken kühlte, während ich übe der Toilette hing. Er ist ein Engel......und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Noch 6 Tage bis Weihnachten