19. Dezember

Gott, geht es mir heute morgen schlecht.......mein Kopf dröhnt und ich habe einen Geschmack im Mund, der mich dunkel an Jauche erinnert......nicht, das ich schon jemals welche geschmeckt hätte. Sven hat sich bereits erhoben und die Rollos aufgezogen...das Licht sticht in meinen Augen und ich stöhne leise. Meinen Schatz rührt das nicht.....und ich weiß auch, das ich gar nicht zu jammern brauche, weil ich da auf Granit beißen würde. Wenn ich mich betrinke, muss ich mit den Konsequenzen leben. Nicht mal einen Guten Morgen Kuss kriege ich heute.....allerdings muss ich gestehen, das ich mich selbst auch nicht geküsst hätte. Sven geht mit Chipsy nach unten, um sie in den Garten zu lassen.....und ich erhebe mich, um mir erst mal zwei Aspirin einzuwerfen und mir eine Dusche zu gönnen.
Etwas erfrischt und schon munterer fühlend, schlurfe ich in die Küche, um Frühstück zu machen....wobei es mich bereits bei dem Gedanken an Toast würgt. Kennen sie das Gefühl, als wenn man nie wieder etwas essen will...und trinken sowieso nicht...ja? Dann wissen sie auch, wie ich mich fühle.

Sven kommt zurück, musterte mich kritisch...ich lächele harmlos und nippe an meinem Kaffee, während er sich in aller Gemütsruhe sein Frühstücksei schält. Allein der Geruch treibt mich beinahe wieder auf die Toilette.....aber ich bin tapfer.
„Ich hoffe, du hast nicht vergessen, das wir heute Nachmittag in die Kirche müssen. Kirche? Ich sehe Sven verständnislos an. Ich gehe in die Kirche, wenn ich einer Hochzeit beiwohne....und ab und an zur Christmette......aber ansonsten sehe ich Kirchen im allgemeinen nur von außen.
„Mensch, Adrian...also wirklich. Was du nicht wissen willst und was du nicht gern tust, vergisst du einfach und hoffst, das sich nie wieder jemand dran erinnert. Anklagend sieht mein Freund mich an. „Es ist Seniorennachmittag........und ich werde Klavier spielen, so wie jedes Jahr.
Stimmt.....da war doch noch was, was ich jedes Jahr mitmachte...au0er Dekorationen, weihnachtliche Geistesblitze wie 2-Meter Santas auf dem Balkon.......der alljährliche Seniorenkaffee am vierten Advent. Haben wir heute wirklich schon den vierten? Ist mir doch glatt entfallen.....verdrängt.
Ich lächele unschuldig. „Tut mir leid......mir war völlig entfallen, das wir heute schon den vierten Advent haben......geht ziemlich schnell, hm? Mein Freund scheint mir nicht zu glauben und schmollt noch den halben Vormittag vor sich hin.
Gott........warum muss ich mit? Ich liebe es, Sven Klavierspielen zu hören....vor allem in der Kirche, das versetzt mir immer eine Gänsehaut und platze beinahe vor Liebe und Stolz....es wird nur etwas geschmälert von der alten Frau Petersen, die sich zielsicher neben mich setzt und so falsch singt, das es einem das wasser in die Augen treibt.
Seine Mutter betreut zeitweise die Senioren und hat das Ganze vor Jahren ins Leben gerufen, Sven ist begeistert dabei.....und seit ich mit ihm zusammen bin, ich auch. Ich wurde mit eingebunden....dabei kann ich gar nicht machen, außer Kuchen verteilen und mich den teilweise sehr irritierten Blicke der älteren Herrschaften aussetzen müssen. Letztes Jahr fragte mich eine der Frauen, warum Sven denn noch nicht verheiratet ist...und als ich sagte, das ich sein Freund bin, meinte sie nur. „Was hat das damit zu tun, das er noch nicht verheiratet ist?
Sie sehen......es ist schwierig. Aber ich beiße in den sauren Apfel und gehe mit...setze mich in der Kirche in die erste Reihe und lausche meinem Schatz, der einfach begnadet Klavier spielt......und mir das Wasser in die Augen treibt.
Danach gehen wir alle ins Gemeindehaus und Sven wird von den älteren Damen regelrecht verhätschelt und ausgefragt.......ich verteile Kuchen auf Teller und bringe sie an die Tische, kriege nur die Hälfte von allem mit. Sven kommt irgendwann auf mich zu und küsst mich......und das Gerede um uns herum verstummt. Mein Schatz lächelt und meint: „Ich hoffe, ich habe damit all ihre Fragen beantwortet......Adrian ist mein Freund.....und ich hab ihn sehr lieb.
Ich stehe da....und werde doch tatsächlich rot. Das Geraune um uns herum setzt wieder ein, als wäre nichts passiert und ich verteile weiter Kuchen.
Ich hätte mit anderen Reaktionen gerechnet...ich kenn so was, aber die Leute um uns herum waren alle nett. Manchmal glaube ich doch, das Sven ein verkappter Weihnachtsengel ist.....und als wir abends zusammen im Bett liegen und er schon in meinen Armen schläft, taste ich vorsichtig über seinen Rücken...suche seine verborgenen Flügel.



Noch 5 Tage bis Weihnachten



20. Dezember



Hatte ich erwähnt, das ich Montage hasse? Ich weiß, bald ist Weihnachten und ich muss noch genau drei Tage zur Arbeit.....aber aus dem schönen warmen Bett und Svens Armen in die Kälte, das ist schon mehr als gemein.
Mein Freund hat sich heute nämlich einen Tag frei genommen, um mit seiner Mutter einkaufen zu gehen....und vorher das Menü für Weihnachten zu besprechen. Es ist immer schön, jedes Jahr.....und das ist, was mir an Weihnachten gefällt. Zusammen essen, lachen, vielleicht etwas spielen. Meine Eltern kommen und Tanja mit ihrem Freund.....der übrigens wirklich ein Schnuckelchen ist und ich mich immer frage, was er an meiner zickigen Schwester findet.
Materialverschwendung, definitiv....... Sven ist wie immer ein Schatz, er steht mit mir auf und macht Frühstück, während ich mich kurz dusche und anziehen, dann mit Chipsy in den Garten gehe.
Sie ist ein braves Baby.....und ich kann mir schon gar nicht mehr vorstellen, wie es mal ohne sie war......das Gewicht auf meinen Füßen nachts würde mir schon sehr fehlen.
Wir frühstücken zusammen und ich mache mich auf den Weg ins Büro, während Sven samt Hund nach unten zu seiner Mutter verschwindet.
Ersparen sie mir Einzelheiten über meinen Arbeitstag.. ich bin froh, das er vorbei ist. Warum sind die Leute zur Weihnachtszeit eigentlich so aggressiv? Ist es nicht das fest der Liebe und Freude? Manche scheinen davon noch nicht einmal im entferntesten was gehört zu haben.
Mit einer halben Stunde Verspätung komme ich nach Hause.....öffne die Wohnungstür. Alles ist dunkel...kein Kaffeeduft, kein Hund, kein Freund. Das ist mehr als seltsam...Sven hat gesagt er ist früher zurück als ich, damit wir gemeinsam Kaffee trinken können. Und er ist immer pünktlich.....ganz im Gegensatz zu mir. Ich versuche, ihn über sein Handy zu erreichen...nichts. Hektisch verlasse ich unsere Wohnung wieder und gehe nach unten. Erika ist da...sie sieht mich verwundert an und meint nur, das sie bereits seit Stunden vom Einkaufen zurück sind.
Unruhig laufe ich wieder nach oben, mache Licht, gehe in Wohnzimmer.....dort ist alles dunkel. „Verflucht.... murmle ich, ich mache mir echte Sorgen.
Plötzlich flammte etwas auf und ich drehe mich überrascht um. Sven sitzt auf der Couch, Chipsy schläft auf seinem Schoß und er strahlt über alle vier Backen.
Er hat den Weihnachtsbaum hereingeholt, aufgestellt und geschmückt.....ich seufze tief auf...vor allem aus Erleichterung, Svennie ist da......er hat sich nicht entschlossen durchzubrennen und mich allein zurückzulassen. Diese Verlustängste hab ich manchmal.....er ist so ein toller Mann und hat mich an der Backe kleben.....mich Weihnachtsmuffel und Analytiker.
Ich lasse mich neben ihn auf das Sofa fallen und küsse ihn innig.....meine ganze Erleichterung lege ich in den Kuss und mein Schatz hebt eine Braue, als er sich von mir löst. „Was hast du bloß wieder gedacht, Adrian...... murmelt er liebevoll und streicht mir über die Wange. Ich erzähls ihm nicht.....nur das ich mir Sorgen gemacht habe. „Wärst du gleich reingekommen, hättest du die keine Sorgen machen brauchen... meint er leise und deutet auf den Baum. „Ist er nicht schön?
Das ist er, unbestreitbar. Svennie hat Talent für so was und man sieht, wie viel Liebe er hineingesteckt hat. Und auch ich, der mit so was nichts am Hut hat, erkenne das neidlos an.
Später, als wir im Bett liegen, raunt mir Sven nur leise ins Ohr. „Ich lass dich nie mehr gehen......das solltest du wissen..
Ich lächelte und kraule ihm den Nacken, bis er eingeschlafen ist...ich geb ihn auch nicht mehr her, nie im Leben....

Noch 4 Tage bis Weihnachten



21. Dezember



Heute stehe ich schon wesentlich beschwingter auf als gestern.........die Zeit ist abzusehen. Noch zwei Tage arbeiten...den heutigen nicht mitgerechnet.....und dann hab ich frei, kann etwas länger schlafen und mit Sven kuscheln......und ihm endlich sein Geschenk geben. Ich bin schon so gespannt, was er dazu sagen, wird. Ich hoffe, er freut sich drüber. Das bringt mich wieder auf den Punkt, das ich ja eigentlich spionieren wollte, was er für mich ausgesucht hat.
Vom Juwelier kann es ja nichts sein, ich hab den Anhänger für seine Mutter ja bereits gesehen.....also muss es etwas anderes sein. Ich überlege hin und her, komme aber nicht drauf. Sven sieht mich beim Frühstück nur abschätzend an, er würde liebend gern wissen, was ich denke...aber das verrate ich natürlich nicht. Und vor allem, Zeit zum Suchen hab ich ja auch nicht mehr. Sven hat keine Klavierstunde mehr, ist also folglich immer früher zu Hause als ich. So ein verflixter Mist. Entweder ich warte bis Weihnachten oder aber ich mache früher Feierabend....was im Moment sowieso nicht möglich ist.
Mit einem tiefen Seufzer verlasse ich den Frühstückstisch und räume mein Geschirr in die Spüle....so neugierig wie dieses Jahr bin ich noch nie gewesen und ich frage mich, woran das liegt. Vielleicht, weil ich diesmal ein besonderes Geschenk habe?
Keine Ahnung...aber das werde ich erst an Heilig Abend erfahren vorher hab ich keine Chance mehr.
Im Büro angekommen, kann ich mich nicht mehr auf Geschenke konzentrieren.......es ist schlicht und einfach die Hölle. Warum wollen so viele Leute, das man alles noch vor Weihnachten erledigt? Das ganze Jahr haben die Zeit dazu...na ja, ersparen sie mir das, sonst kommt mir die Galle hoch.....ich hör die Glöckchen klingeln...stelle aber dann fest, das es keine Glocken sind, sondern mir nur die Ohren dröhnen von den vielen Telefonaten.
Ich bin sooo froh, als Feierabend ist und beschließe, ganz spontan und ohne Grund, eine Haltestelle später einzusteigen. Ich laufe durch die Stadt......die geschmückt ist und plötzlich hab ich doch irgendwie eine ganze feierliche Stimmung in mir......trotz der hektischen Leute, die in aller Schnelle noch Weihnachtsgeschenke kaufen.
Ich komme an einem Spielwarengeschäft vorbei und verliebe mich spontan und ohne weiter drüber nachzudenken in einen Eisbären, der im Schaufenster steht.......ein kleiner Eisbär, also nicht nach Svens Definition, sondern meiner. Ich gehe hinein und kaufe ihn...werde ihn meinem Schatz schenken.....einfach so, vor Weihnachten.
Gott, was macht der Junge mit mir? Ich genieße die Lichter und das Tannengrün, die Kälte.......sollte er mich angesteckt haben? Ich hoffe, mein Anfall von Weihnachtsfieber geht vorbei...ansonsten werde ich ja noch unglaubwürdig mit meiner Wetterei gegen Kommerz und so.
Ich packe den Eisbären, den ich spontan Bob getauft habe, unter den Arm und laufe zu meiner Haltestelle, steige in meine Ubahn, um nach Hause zu fahren. Die amüsierten Blicke der Mädchen, die auch in der Bahn sitzen, ignoriere ich.....ich will nach Hause zu Sven.
Als ich in die Küche poltere, wo Sven und Chipsy schon auf mich warten, umfängt mich Kaffeeduft.
Die Kleine springt an mir hoch und ich muss sie begrüßen, ansonsten gibt sie keine Ruhe, das kenne ich schon. Mein Schatz hebt die Augenbraue. „Hm...unsereins kommt erst an zweiter Stelle....so schnell kanns gehen.... bemerkt er und lächelt aber dabei.
„Sie ist ein Baby.... protestiere ich und grinse. „Dafür hab ich was für dich. Ich hole den Eisbären hervor, den ich hinter meinem Rücken versteckt hatte und sehe Svens Augen aufleuchten, als er ihn nimmt....dann allerdings richtet sich ein durchdringender Blick auf mich. „Hast du mir was zu beichten? Hast du was ausgefressen oder so? fragte er ruhig und ich schnappe empört nach Luft. „Wieso? Kann ich dir nichts schenken, ohne besonderen Grund?Kannst du schon, tust du aber nie... Sven sieht mich an. „oder hab ich vielleicht nicht recht?
„Und was ist mit dem Weihnachtsstern, den ich dir mitgebracht habe? frage ich. „Da hatte ich auch keinen Grund.
„Das zählt nicht... Sven sieht mich immer noch ruhig an und ich beuge mich zu ihm runter und küsse ihn einfach. „Kein besonderer Grund, keine Beichte und nichts......ich hab ihn gesehen und mich in ihn verliebt und dachte, er würde dir gefallen. Ich wollte dir einfach mal zeigen, wie lieb ich dich habe.....ohne besonderen Anlass. Sage ich ernst, als ich mich von ihm löse und setze mich.
Svennie sieht mich völlig verblüfft an und erhebt sich seinerseits, setzt sich auf meinen Schoß und küsst mich, bis ich beinahe blau anlaufe. „Danke.....ich hab dich auch lieb...
Den restlichen Abend verbringen wir turtelnd und kuschelnd vor dem Fernseher......es ist so schön wie zu unserer Anfangszeit und ich glaube, ich werde ihm öfters mal was mitbringen. Wenn ich es schon nicht in Worten sagen kann, dann vielleicht so...damit er nicht vergisst, was er mir bedeutet.



Noch 3 Tage bis Weihnachten





22. Dezember

Was für eine Nacht....nein, nein nicht was sie denken.....na ja, das auch aber in erster Linie war diese Nacht von einem winselnden Hundebaby geprägt, das im Stundentakt nach unten musste, weil sie der Magen plagte......Svennie meinte ja auch, den ganze restlichen Adventskalender verfüttern zu müssen.
Dementsprechend ist auch meine Laune, als ich aufstehe.....ich bin sauer auf Sven, auf Chipsy.....und den Rest der Welt. Ich kann mich morgens, wenn ich nicht richtig schlafen konnte, selbst nicht leiden...und das kriegt meine Umwelt auch massiv zu spüren.
Sven schweigt lieber und trinkt seinen Kaffee.....der Hund liegt auf seiner Decke auf dem Sofa und rührt sich ebenfalls nicht......sie schläft selig. Klar, sie kann schlafen...und ich muss arbeiten.
Den halbherzigen Versuch meines Freundes, mir klarzumachen, das wenn wir ein richtiges Baby hätten, es jede Nacht so gehen würde, überhöre ich geflissentlich. Wir werden kein Baby haben...also hinkt dieser Vergleich gewaltig.
Ich verabschiede mich kurz und knapp von meinem Schatz und gehe ins Büro, andere mit meiner Laune nerven. Dort wird beschlossen, mich in Ruhe zu lassen....dafür reden sie die ganze Zeit darüber, das wir morgen zusammen einen Abschiedstrunk nehmen werden und nicht mehr allzu viel arbeiten.
Selbst unsere Kunden spüren, das ich schlecht drauf bin...kein einziger beschwert sich, alle sind nett und freundlich....sollte doch tatsächlich der Weihnachtsgeist von Friede und Freude endlich Einzug gehalten haben? Ich weiß es nicht...und mir ist es heute auch egal.
Gegen Fünf bin ich endlich wieder zu hause.....nur noch morgen und dann ist endlich Schluss mit allem...zumindest bis zur nächsten Woche. Ich habe Urlaub kategorisch abgelehnt...Svennie kriegt dann nämlich seinen Weihnachtsabbauaufräumwahn.....und da muss ich nicht unbedingt mehr zeit zu hause verbringen als gewöhnlich.
Ich öffne die Tür und mir schlägt angenehmer Duft entgegen...nicht nur Kaffee, oh nein.....so wie es riecht hat Sven seine weltberühmten Waffeln gebacken. Ich liebe das Zeug...mit Schlagsahne und Eierlikör eine meiner größten Schwächen. Sven schielt um die Ecke und mustert mich kritisch und vorsichtig...ich sehe ihm an, das er überlegt, ob er mich ansprechen darf.....oder küssen.
Ich muss lachen, ich kann nicht anders. Das ist nun seine Art, sich zu entschuldigen und ich liebe ihn dafür. Ich weiß, das er es eigentlich nicht mag, Waffeln zu backen und es nur zu besonderen Gelegenheiten tut...er hasst, das er dabei ständig vor dm Eisen stehen muss, während die andern am Tisch sitzen und sich unterhalten. Mit ein paar schnellen Schritten bin ich bei ihm und küsse ihn erst einmal liebevoll.....er atmet erleichtert auf und schmiegt sich an mich. „Ich tus nie wieder.... murmelte er leise und ich grinse noch mehr. „Versprich nichts was du nicht halten kannst, mein Schatz...
Nun, er kann ja nichts dafür, das er schläft wie ein Stein und kaum was mitgekriegt hat.
Ich setzte mich an den Küchentisch und schwelge in Waffeln, Eierlikör und Sahne, bis mir beinahe schlecht wird.
Danach lasse ich mich im Wohnzimmer vor dem Fernseher nieder, mit Svennie neben mir, dem ich nun die Ohren voll jammern kann, wie sehr mein Magen spannt. Als Ausgleich dafür schickt er mich mit dem Hund laufen.. wahrscheinlich hat er keine Lust darauf, heute Nacht von mir geweckt zu werden. Wie gemein...dabei wären mir dabei sicherlich auch ein paar andere nette Dinge eingefallen.



Noch 2 Tage bis Weihnachten



23. Dezember



Endspurt.....morgen ist heiliger Abend und mein Freund hüpft schon seit um Fünf heute morgen in der Gegend rum...voll in Weihnachtshektik. Um Sechs gebe ich es auf und erhebe mich ebenfalls...Chipsy ist ständig hoch und runter gesprungen, hat mir ihre nasse Nase in Gesicht gestreckt....wer soll da noch schlafen können. Das Mädchen ist genauso hektisch wie ihr Herrchen.....na ja, es ist bald Weihnachten und dann wird es hoffentlich endlich wieder normal zugehen in diesem Haus.
Mein Schatz meint, er müsse das Wohnzimmer auf Hochglanz polieren, die abgefallenen Tannennadeln aufsaugen, damit der Hund sie nicht versehentlich verschluckt....Chipsy liebt zwar Leberwurst und kaut mit Vorliebe an meinem Pantoffel....ihr Spielzeug verschmäht sie, warum sollte sie dann ausgerechnet Tannennadeln fressen? Diese Logik erschließt sich mit heute Morgen noch nicht ganz, aber mir fehlt ja auch gut eine Stunde Schlaf. Da ist das wohl verständlich.
Ich sitze beim Frühstück und lausche dem Staubsaugergeräusch...das übrigens in Stereo erschallt...Erika ist auch dabei, ihre Wohnung zu polieren.....als ob der Kaiser von China zu Besuch käme. Dabei kommen nur meine Eltern und meine Schwester mit ihrem Schnuckel...und die werden bestimmt nicht auf den Knien rumkriechen, um etwaige Staubfusseln und Krümel zu inspizieren.
Sven hat heute frei.......und ich danke im Geiste dem Herrgott auf Knie, das ich arbeiten gehen darf...ansonsten wäre ich wahrscheinlich schon mit Schürze, Eimer und Lappen bewaffnet im Treppenhaus, um die Flurfenster zu wienern.
Nachdem ich meinen Kaffee hinuntergestürzt habe, verabschiede ich mich von Sven...der so gar keine Zeit für einen richtigen Abschiedskuss hat, weil er mit dem Staubsaugerohr kämpft......irgendeine Socke muss sich wohl gewehrt haben und stellt sich quer...sich verzweifelt festklammernd, um nicht vollends im Bauch der Maschine zu landen. Ich frage mich, was die wohl unter der Couch zu suchen hatte und freue mich das wir glücklicherweise keinen Hamster haben...ansonsten wäre der ebenfalls unbarmherzig verschwunden, sollte er es wagen, seinen Käfig zu verlassen.
Ich verlasse mit einem strahlenden Lächeln das Haus...bloß weg von dem Weihnachtsengel, der sich in einen Putzteufel verwandelt hat.
Im Büro angekommen, werde ich mit Stollen, Keksen und leuchtenden Augen begrüßt...was wohl an dem schon genossenen Glühwein liegt. Eigentlich trinke ich so früh nichts......aber ich habe in diesem Moment keine Lobby. Wir feiern und arbeiten nebenbei bis Halb eins...dann wünschen wir uns alle eine fröhliche Weihnacht und verlassen das Büro.
Ich bummle noch ein wenig herum...ich mag nicht noch nach Hause, wo ich Hundertprozent mit Eimer und Lappen erwartet werde. Da mich aber die Hektik der Leute, die noch auf den letzten Drücker ein Geschenk, oder vor allem Lebensmittel kaufen wollen, nervt, fahre ich doch nach Hause.
Manche Leute schleppen Tüten, die so groß sind wie mein Schrankkoffer und ich frage mich, wann und wo die das alles essen wollen. Und vor allem Trinken. Haben die vor, die ganze Zeit nur halb betrunken und dem Tannenbaum zu sitzen und fröhliche Lieder zu grölen?
Nun ja, meine Sorge soll es nicht sein. Ich bedauere nur die Leute, die zu dieser Zeit ganz allein sein müssen.....ich glaube, so sehr mich Svennie mit seinem Weihnachtsklimbim auch nervt, müsste ich ohne ihn feiern...oder auch nur ohne ihn leben....wäre ich nur ein Schatten meiner selbst.
Und ich hoffe, wenn ich ihm diesmal sein Geschenk überreiche, wird er mich verstehen....auch ohne Worte....denn die fehlen mir wie so oft.
Zu Hause angekommen, werde ich nicht mit dem Putzeimer erwartet.....nein, ich darf mit dem Hund nach draußen. Nichts was ich lieber tue....ich nehme die Kleine und gehe mit ihr in den Park...tobe mit ihr über die Wiesen. Chipsy ist süß...auch wenn mir ihr Name eigentlich gar nicht gefällt.....aber Sven gefällt er, das ist die Hauptsache Völlig ausgepowert, ausgehungert und verdreckt kommen wir wieder zurück...und müssen uns eine Standpauke von einem genervten Schatz anhören, der mir lang und breit erklärt, das ich dem Hund gefälligst die Pfoten abzuwaschen habe, bevor ich die Wohnung betrete.......und nich die Drecktappser im ganzen Flur verteilen soll.
Sven zuliebe putze ich den Flur erneut durch.....in der Zwischenzeit macht er Kaffee und wir setzen uns zusammen ins Wohnzimmer....trinken gemütlich und essen noch ein paar Plätzchen. Sven seufzt erschöpft und ich massiere ihm die Schultern......er hat sich wirklich verausgabt, wie bei allem was er tut.

Ich überrede ihn zu einem schönen heißen Bad und massiere ihn später weiter......im Bett.
Chipsy schläft völlig erschossen am Fußende und wir beide kuscheln noch über eine Stunde gemütlich......ich hab ja frei und hoffe, mal ein wenig länger schlafen zu können.

Hoffen ist etwas schönes.......

Morgen ist Heilig Abend



24. Dezember



Es ist soweit, der Tag der Tage im Leben meines süßen Weihnachtsengels ist angebrochen....Heilig Abend. Eigentlich hatte ich erwartet, das Sven wie ein Geisteskranker durch die Wohnung rennen wird, um die letzten Feinheiten zu erledigen.....aber der Junge verblüfft mich wie so oft. Er kuschelt ellenlang mit mir, dann gehen wir beide gemütlich mit dem Hund hinaus...lassen uns von der Hektik der Leute, denen die Verzweiflung aus den Augen blitzt zwecks dem letzten fehlenden Weihnachtsgeschenk, nicht aus der Ruhe bringen.
Zu Hause angekommen, frühstücken wir in aller Ruhe, lange und vor allem so richtig ausgiebig. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und wieder einmal muss ich feststellen, was mein Schatz für ein kluger und interessanter Gesprächspartner ist.
Ich bin so froh, das ich ihn habe.....ich will ihn nicht mehr missen.
Wir verbummeln den Vormittag......und den halben Nachmittag. Bei seinen Eltern werden wir um 5 erwartet...also gehen wir beide um 4 gemeinsam ins Bad, um uns in Schale zu werfen. Sven ist nervös, das kann ich spüren......und ich frage mich, warum.
Zurück im Schlafzimmer, als wir uns anziehen und mein Schatz sich zum wohl hundertsten Male um die eigene Achse dreht, um sich dann wieder umzuziehen, weiß ich auch warum.
Er greift in die Tasche seiner Anzugshose, die er nur äußerst selten anzieht, weil sie kneift und schiebt mir beim Vorrüberlaufen ein kleines Päckchen in die Hand.
„Für dich.......das möchte ich dir allein geben, nicht, wenn alle anderen dabei sind. Svennie lächelte etwas verschüchtert und ich sehe ihn an, dann auf das Päckchen. Da hatte er es also versteckt...da wäre ich im Leben nie drauf gekommen. Die Größe des Geschenks ähnelt meinem eigenen......ich trete an meine Kommode und krame in meiner Unterwäsche......fördere das Geschenk zutage, das ich ihm zugedacht habe.
„Das ist für dich, mein Schatz.....ich wollte es dir auch lieber allein geben. Ich bin aufgeregt.....und verhasple mich beinahe ein wenig beim Sprechen.
Gemeinsam setzten wir uns auf das Bett und sehen uns an.......dann ohne ein weiteres Wort öffnen wir jeder für sich unsere Geschenke vorsichtig.
Ich mache die kleine Samtschachtel auf...allerdings nicht, ohne Sven noch mal einen liebevollen Blick zugeworfen zu haben......und starre auf den Ring, der sich mir offenbart. Ich fass es nicht......und als ich Sven neben mir glucksen höre, muss ich auch lachen.
Sie glauben es nicht......es ist exakt der gleiche Ring, den ich meinem Schatz ausgesucht habe.
„Wir beide kennen uns doch ziemlich gut.... flüstert mein Liebling mir ins Ohr, während er sich an mich drückt und mich dann so wild küsst, bis ich keine Luft mehr bekomme.
Sven sieht mir atemlos in die Augen und reicht mir seine Schachtel....ich verstehe und stecke ihm den Ring an.....genauso wie er es bei mir tut.
„Ich liebe dich.... meint er nur leise und betrachtet den Ring, ich sehe ihm an, das er mit den Tränen kämpft und habe selbst einen Kloß im Hals. „Ich wollte, das du weißt, wie viel du mir bedeutest, auch wenn ich es nicht immer in Worten ausdrücken kann.... murmele ich etwas verlegen.
„Und ich wollte, das du weißt, das ich dich nicht mehr hergebe.....auch wenn du so schrecklich nüchtern und analytisch bist. Svennie grinst mich an und wir küssen uns erneut.

Der restliche Abend ist nicht mehr zu beschreiben...wir haben gemütlich mit der Familie gegessen, uns immer wieder bei den Händen gefasst und uns einfach nur angesehen......die Ringe wurden bemerkt und bestaunt....und meine Schwester fragte, wann wir denn heiraten.
Vielleicht tun wir das eines Tages...aber es ist einfach auch nur schön zu wissen, das wir zusammen gehören.....für mich war der Ring ein äußeres Zeichen meiner inneren Verbundenheit zu diesem Weihnachtsengel, der sich gerade lachend ans Klavier setzt, um Weihnachtslieder zu spielen.
Ich nehme mein Glas und setzte mich auf die Couch, höre ihm zu........jeder Tag mit Sven ist klasse...aber heute bin ich besonders glücklich.
Ich hoffe, sie verstehen, das ich an dieser Stelle ausblende.....ich will es genießen. Ich bin sicher, wir hören uns mal wieder........

und fröhliche Weihnachten Ihnen allen.